Aris Saloniki : Austria Wien 1:3

16-19.08.2010 (Griechenland)

58 Stunden Busfahrt für 30 Minuten Austria Wien

Die Auslosung für die vierte und letzte Quali-Runde zur European-League 2010/11 bescherte uns mit der griechischen Mannschaft Aris Saloniki ein sportlich schweres Los auf dem Weg in die Gruppenphase. Spieltermin war aber nicht wie üblich der Donnerstag, für den sich die erprobten violetten Auswärtsfahrer vorsorglich bereits Urlaub eingetragen hatten, sondern schon am Dienstag, dem 17. August. Einige Auswärtsfans hatten nun in ihrer Firma das Problem, den Urlaub kurzfristig umzubuchen, um beim Auswärtsmatch in Tessaloniki dabei sein zu können. Dennoch trafen sich 30 Austrianer, hauptsächlich von den Austria-Fanclubs Bulldogs und Fanatics am Montag gegen 18:00Uhr zur Abfahrt nach Saloniki beim Horrstadion. Organisator und Reiseleiter Virus informierte die Fußballfans über die Einzelheiten der Fahrtstrecke. Zur Überraschung aller sollten wir nicht den kürzesten Weg über die Autobahn durch Serbien und Mazedonien, sondern über Bundesstraßen durch Rumänien und Bulgarien fahren, da der Busfahrer in seiner Heimat Serbien anscheinend eine Strafe offen hatte und er so freiwillig den Umweg über die schlechten Straßen in den neuen EU-Ländern Rumänien und Bulgarien wählte.

Die Fahrt auf der gut ausgebauten Autobahn durch Ungarn erfolgte rasch und ohne Probleme, über Arad und Timisoara quälten wir uns auf von der EU geförderte Straßenbaustelle in Richtung Süden. An der rumänisch-bulgarischen Grenze erwartete uns dann die erste echte Überraschung der Fahrt. Da es zwischen diesen beiden Ländern nur eine einzige Donaubrücke gibt, die ca. 300km stromabwärts bei Russe liegt, mussten wir mit der Donaufähre zwischen Calafat und Vidin vorlieb nehmen, die aber nur 6x am Tag verkehrt. So versäumten wir dort schon wertvolle Zeit, die uns später noch abgehen sollte. Unsere beiden Busfahrer waren auf dieses Abenteuer nicht vorbereitet, denn sie hatten sich zu Hause keine Gedanken über die Fahrtstrecke gemacht und sich nicht einmal über die Route im Atlas informiert, sondern vertrauten ganz auf ihr Navi und wussten so natürlich nicht über Einzelheiten der Strecke bescheid. Die Ausreiseformalitäten im rumänischen Fährhafen waren keine Hürde für uns Austria-Fans und der Bus stellte sich zur Auffahrtsrampe der Donaufähre an. Diese war aber so steil, dass der lange Drei-Achser-Bus bei der Fähre hängen blieb und aus eigener Kraft weder vor noch zurück kam. Die motivierten Austria-Fans versuchten den Bus sogar händisch anzuschieben, das aber schon im Vorhinein zum Scheitern verurteilt war. Nun versuchte die Fährmannschaft den Bus mit Holzkeilen höher zu stellen, nur der Bus bewegte immer noch keinen Millimeter. Als letzten Versuch rangierte nun der Kapitän vorsichtig die Fähre hin und her, hob die Auffahrtsrampe ein wenig an und nach einer knappen halben Stunde hatte nun unser Busfahrer die Auffahrt mit viel Angstschweiß und Bauchweh geschafft. Unter großem Fanjubel wurde nun die Donaufähre von den Austrianern geentert, einige LKW´s hatten danach bei der Auffahrt noch ähnliche Probleme, aber endlich konnte die Donau in ca. 20 Minuten Fahrt überquert werden.  Die Donaufähre sprach sicherlich nicht mehr den neuen EU-Sicherheitsbestimmungen, aber für Rumänien und Bulgarien reicht das alle Mal. Auf der Überfahrt konnten wir die Baustelle für die zweite Donaubrücke zwischen Rumänien und Bulgarien sehen, die mit unserem EU-Geld für 300 Millionen Euro finanziert wird und laut Wikipedia bis 2010 fertig gestellt werden sollte. Da aber erste einige Steher und ein kurzer Brückenabschnitt fertig sind, wird das Fertigstellungsdatum nie und nimmer eingehalten werden können. Die Donauüberquerung wurde dann um 10Uhr vormittags geschafft, aber die Einreise in Bulgarien in der Grenzstadt Vidin sorgte noch für einige Probleme, die der Busfahrer aber mit einigen Euroscheinen aus der Welt schaffen konnte.

In Bulgarien waren die Straßen zwar etwas besser als in Rumänien, aber zum Mitteleuropäischem Standard fehlte noch einiges, für die Pferdefuhrwerke der Einheimischen reichte es aber locker. Nach vier Stunden Fahrt durch das hügelige Bulgarien erreichten wir gegen 14:00 die Umfahrung von Sofia und hatten nun sogar einen kurzen Autobahnabschnitt auf unserem Weg. Den Rest der noch verbleibenden 330km nach Saloniki mussten wir wieder auf kurvigen und schlecht ausgebauten Straßen in Angriff nehmen. Das einzige Problem bestand aber darin, dass der Spielbeginn aber schon um 18:00 MEZ angesetzt war und wir in den knapp 4 Stunden die 330km auf diesen Straßen laut Routenplan eigentlich nicht schaffen konnten. Der Busfahrer fuhr teilweise schon über dem Limit und drängelte die langsamen Dacias schon fast von der Straße, aber die Zeit spielte schon immer mehr gegen uns. Zu allerletzt hatten wir dann auch noch an der griechischen Grenze einen ziemlich langen Aufenthalt, alle Pässe wurden abgesammelt und von den Behörden im Computer einzeln überprüft.  Immerhin durften alle weiterreisen und ab der Grenze hatten wir dann sogar eine Polizeieskorte für die restlichen 100km bis Tessaloniki, aber das Match hatte soeben ohne uns begonnen. Im Radio hörten wir den griechischen Live-Kommentar als wir endlich das Meer und die Stadt Saloniki sehen konnten. Als bereits die 2. Halbzeit angepfiffen wurde, waren wir erst auf der Stadtautobahn durch Saloniki und konnten endlich die Flutlichter des Stadions aus der Ferne erkennen. Nach endlosen Minuten erreichten wir durch enge Gassen endlich das Stadion von Aris mitten in einem Wohnviertel. Im Stadion sorgte der Aris Anhang für ein lautstarkes Spektakel, während wir draußen mit den Ordnern um den gratis Zugang in unserem Sektor kämpften, der uns schlussendlich auch gelang. Im Austria-Sektor staunten die wenigen Austrianer nicht schlecht als nach 60 Spielminuten 30 motivierte Busfahrer nach langen Umwegen endlich am Ziel ihrer Reise waren.

Nun herrschte auch Stimmung im Veilchen Anhang, aber im Vergleich zu den fanatischen Aris-Anhängern, die von allen 4 Tribünen für eine unglaublichen Lärmpegel sorgten, waren wir nur Sturm im Wasserglas. Sportlich versäumten wir in der ersten Halbzeit einige Großchancen der Austria, die aber alle ungenutzt blieben. In der Schlussphase hatten dann die Griechen mehr vom Spiel und als alle schon mit dem gerechten unentschieden rechneten gelang der Aris Mannschaft noch der unverdiente 1:0 Siegtreffer. Im Hexenkessel war jetzt die Stimmung am Höhepunkt und die griechische Mannschaft wurde von den Aris-Fans frenetisch und lautstark verabschiedet. Hingegen war es in unserem Sektor ziemlich ruhig, denn nach 25 Stunden Busfahrt haben nur 30 Minuten vom Spiel gesehen und auch noch das vielleicht für den Aufstieg entscheidende Gegentor mitansehen müssen. Nach weiteren 30 Minuten Zwangsaufenthalt durften dann die Austria-Fans das Stadion verlassen. Die Busse von uns und den Mannschaftsfliegern wurden von der griechischen Polizei  großräumig abgesichert um den verrückten Aris-Mob fernzuhalten. Für die Mannschaftsflieger und unseren Reiseleiter Virus ging es nun zum Flughafen, für uns zur beschwerlichen Rückreise über sinnlose Straßen durch halb Süd-Osteuropa.

Mit der bewährten Polizeieskorte bis zur bulgarischen Grenze ging es rasch durch Griechenland. An einer modernen bulgarischen Raststation gab es dann ein gepflegtes Abendessen für die 30 Austria-Fans, das vom Fanclub Bulldogs zur Freude fast aller als eine Art Wiedergutmachung für die Verspätung bezahlt wurde. Indirekt haben uns aber die zwei Busfahrer zu diesem „Versöhnungsessen“ eingeladen (einige verwechselten das gratis Essen aber mit einer Einladung zum Kampftrinken und mussten danach ihrem übermäßigen Ouzo-Konsum Tribut zollen), da wir schon bei der Abfahrt dem Busfahrer nicht den vollen Fahrtpreis ausbezahlt hatten und er das Restgeld nur beim pünktlichen Erreichen von Saloniki erhalten hätte. Bei der Weiterfahrt durch Bulgarien war es dann im Bus ziemlich ruhig und bis zur Donauüberquerung am frühen Morgen waren die Austrianer wieder top fit. In Rumänien gab es dann noch ein paar unfreiwillige Umwege, da die beiden Chauffeure immer nur ihren Navis vertrauten. Nach einem sinnlosen 120km Umweg über Craiowa und einem weiteren falschem Abbiegemanöver musste dann eines der Navis daran glauben, der entnervte Busfahrer hatte es vor lauter Zorn und unter großem Fan-Jubel auf dem Boden zertreten. Es wurde aber trotzdem nicht besser, denn auf dem Weg von Arad ins ungarische Szeged ließen sich die beiden schon völlig übermüdeten und entnervten Busfahrer vom zweiten Navi auf den falschen Weg leiten, der Umweg über einen kleinen Grenzübergang und die ungarische Pusta kostete wieder einmal mindestens eine Stunde und so erreichten wir erst nach der dritten durchgefahrenen Nacht gegen 6 Uhr morgens Österreich.

Aus einer vom Routenplaner vorgerechneten Fahrtzeit von 19 Stunden für 1380km wurden so bei der Hinfahrt 25 Stunden und bei der Heimfahrt sogar 33! Stunden (Bulldogs-Rekord für EINE EINZELNE Auswärtsstrecke bleiben aber die 36 Stunden mit dem VW-Bus 2002 für die 3050km von Wien nach Porto), die die Austria-Fans auf sich nahmen, um ihre Mannschaft dann im Endeffekt für nur 30 Minuten zu unterstützen. Solche Geschichten schreibt eben nur das Leben, aber wir sind trotzdem stolz, dabei gewesen zu sein.

Martin/B.D. 92

BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2010

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