Serbien - Österreich 1:0

6-7.06.2009 (Belgrad)

Serbien, die Erste

Obwohl unsere Fußballnationalmannschaft nur mehr als TV-Zuseher bei der  WM 2010 in Südafrika dabei sein kann, war es für uns Bulldogs klar, die Alpenkicker nach Litauen und den Färöer auch in die serbische Hauptstadt Belgrad zu begleiten. 5 Bulldogs, ein "Fastmitglied" und ein "Keinmitglied" meldeten sich für den Großbus an. 

Um die frühe Abfahrt nicht zu verschlafen, entschieden wir uns die Nacht davor brav durch zu machen. Die "Rock Night" in Schützen mit violettem Sänger war dank diversen Tanzeinlagen sehr unterhaltsam. Kurz nach 6 Uhr waren wir am Abfahrtort und weil noch viel Zeit war, bis der Bus wegrollten sollte, klärte uns der Busfahrer noch über gültige und eigene Reisepässe für die Einreise nach Serbien auf. Es gab einen bei den Bulldogs (dessen Namen nicht genannt werden soll), der seinen Reisepass im Auto in Schützen vergessen hatte. Rene von den Gladiators (Hamster hatte sein Handy aus, Pauschi braucht man da gleich nicht anrufen und für Jürgen endete erst der "Nachtdienst") war bereit den Reisepasslosen nach Schützen zu fahren. Der Bus fuhr in der Zwischenzeit über Wien nach Göttlesbrunn, wo man nicht nur den Reisepasslosen mit einer Kiste Bier und Reisepass wieder aufnahm, sondern gleich mit den 2 Patriots Bussen und 2 SKB einen Konvoi gründete. Pokern, schlafen, reden und die grüne Frau Lehrerin bequatschen war das Programm im Bus durch Ungarn. Dank sinkendem Alkoholspiegel konnte man bei jeder weiteren Raststationen besser erkennen, welche Fans die Reise nach Belgrad mitmachten. 

Irgendwann erreichte unser Konvoi die ungarisch-serbische Grenze. Die Zeit verging, aussteigen war verboten und gerade deswegen stiegen die meisten von unserem Bus aus. Die Fans, die nicht geraucht haben, konnten gut erkennen, wie Zollbeamte immer wieder mit Bierdosen aus den anderen Bussen kamen um diese zu beschlagnahmen. Weil aber nicht alle Zollbeamten Alkohol wollten, wurden auch Coladosen palettenweise in die Zollkammer gebracht. Ein Bus aus Pottendorf kam zur Grenze und keine 10 Minuten später war der Bus, der in Österreich gemeldet ist, schon in Serbien. Warum wohl nur? Weil im Bus nur Serben bzw. "Austro-Serben" waren, da geht die Einreise natürlich schneller. Ob die Leute von diesem Bus auch 5 Euro Pro Person "Einreisegebühren" bezahlen mussten, wissen wir nicht. Überhaupt komisch die Einreisegebühr, die unsere beiden Busfahrer auch aus Polen bekannt ist. Den Hinweis, dass es nach Polen keine Grenzkontrolle gibt und somit die Einreisegebühren vollkommener Schwachsinn sind, wollten die Busfahrer nicht wahr haben. Ich unterstelle hier niemandem was, aber es ist schon beachtlich was man in fast einer Stunde auf "legaler" und völlig "rechtlicher" Art  uns Fußballfans wegnehmen kann. Ja, die SKB waren auch auf der Grenze anwesend, das war es dann schon von ihnen. 

Ab der Grenze schlossen sich mehrer Polizeiautos an. Bis Belgrad durften wir nur 2 mal stehen bleiben um Platz für mehr Flüssigkeiten in unserem Körper zu schaffen. Besser ging es den Polizisten. Sie durften öfter stehen bleiben und entsorgten dann die geleerten Dosen, die noch in Ungarn im Besitz von uns Fans waren. Kurz vor Belgrad mussten wir die Busse säubern, denn Ziel dieser von der Polizei eingeleiteten Aktion war, dass alle Glasflaschen aus dem Bus kommen.  

In Belgrad fuhren wir  an Slums und einigen Gebäuden vorbei, die unser Busfahrer gut beschreiben konnte. Knapp 2 Stunden vor Spielbeginn waren wir schon beim Stadion Crvena Zvezda von Roter Stern Belgrad. Polizisten bildeten links und rechts von uns je eine Schutzwand. Nach so vielen Stunden Fahrt, fühlte man sich wieder wie zu Hause. Die Serben riefen uns auf Deutsch mehr Schimpfwörter zu, als es überhaupt im Duden gibt. Einige Serben begrüßten uns mit einem ganz besonderen Gruß. Um diesen zu beschreiben, reicht es wenn ich schreibe, dass sie alle, genau so wie HC Strache 3 Bier bestellen wollten. In Serbien sind Daumen, Zeige- und Mittelfinger zugleich gern gesehen und lösen kein Politiktrara aus.

Beim Eingang kamen schon die nächsten Sonderwünsche der Serben. So wollten die Ordner nicht nur unsere (Euro) Münzen sondern auch unsere Schlüsseln. Im Sektor wurden gleich mal alle Transparente im unteren Drittel aufgelegt. Bis zirka 20 Uhr blieb es bei uns im Sektor auch ruhig, dann spazierten schon einige Serben zu unserem Sektor. Die 4 Ordner stellten sich natürlich nicht in den Weg. Die Ereignisse überschlugen sich und so kamen aus dem Serbensektor links unsererseits, mehrere brennende Bengalische Feuer auf uns zu. In diesem Block dürften die Partizan Fans gewesen sein. Auch herausgerissene Stühle, Regenschirme, Fahnenstangen, Münzen, Plastikflaschen und vieles mehr fanden den Luftweg zu uns in den Sektor. Da im Österreich Sektor auch Leute waren, die keine Kinder der Traurigkeit sind, wurden mehrere Gegenstände postwendend zurück geworfen. Kurzerhand entschlossen sich einige Österreicher die Anfangschoreo jetzt schon zu machen und warfen die mitgebrachten Bengalen brennend auf die Serben. Klar dass wir eine um vieles bessere Trefferquote hatten als die Serben. Wir waren bemüht in unserem Sektor den fliegenden Gegenständen auszuweichen. Die Serben konnten das nicht, weil ihr Sektor überfüllt war. Mit dieser Art von Widerstand hatten sie sicher nicht gerechnet. Diese Aktionen erinnerten mich an Bilder von dem Belgrader Stadtderby. Um die Österreich Transparente vor fliegenden und teilweise brennenden Gegenständen zu schützen eilten mehrere Österreicher in den unteren Teil des Sektors und nahmen alle Transparente mit. Leider mussten wir feststellen, dass 2 Transparente fehlten. Ein Bulldogs Transparent und eines aus Linz von den LASK Fans. Zu diesem Fall kam es, weil das LASK Transparent nur wenige Zentimeter neben dem Zaun zum Nebensektor lag. Das andere Ende Des LASK Transparents war mit dem Bulldogs Transparent überklebt. So kam ein Serbe zum Zaun, griff darunter durch und zog das LASK Transparent problemlos rüber. Somit zog der Serbe auch das Bulldogs Transparent, das über 4 Meter vom Nebensektor entfernt lag, problemlos rüber. Nach ca. 10 Minuten kriegsähnlichen Zuständen kehrte wieder Ruhe ein.

Bei der unserer Hymne begleiteten die Serben die Melodie mit Pfiffen. Schon in der 7. Spielminute  kassierte unser Team einen Strafstoß. Von diesem Gegentreffer erholte sich unser Team schnell und wir hatten viele Möglichkeiten den Ausgleich zu erzielen. Bis zur Pause passierte das aber nicht, in der Pause waren wir schon auf einen zweiten Teil der Unterhaltung "Fang das Licht" eingestellt, doch die Pause blieb ruhig. In Hälfte 2 hatten unsere Spieler mehrere Chance den Ausgleich zum schießen. Viele der mitgereisten Fans waren aber froh, dass der Ausgleich nicht mehr erzielt wurde und somit wurde das Spiel unverdient mit 1-0 verloren. Nach dem Spiel flogen wieder mehrer Gegenstände in unseren Sektor, es war aber bei weitem nicht so brutal wie in der Halbzeitpause. Unglaubliche 2 Stunden durften wir nach dem Spiel noch im Sektor verweilen, danach ging es ruhig nach Wien zurück. Unser serbischer Busfahrer weckte uns mit einem Gejodel und mit dem Satz "Guten Morgen, wir sind zurück in schensten Land der Welt - Esterreich!"

Virus/B.D. 92

BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2009

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