Rumänien - Österreich 1:1

8-10.09.2009 (Bukarest)

Die Weltwirtschafskrise macht auch vor uns Fußballfans nicht halt. Obwohl die österreichisch-sklowakische Billigfluglinie Sky Europe schon seit einiger Zeit in schwere, finanzielle Turbulenzen geraten war, hatte ein Flughafenmitarbeiter immer noch viel Vertrauen die Reise noch Bukarest mit der goldenen Visa des Vaters zu buchen. Es blieb aber nur beim Buchen, denn durch den Totalabsturz der Billigfluglinie und der Einstellung ihres Flugbetriebes, wurde die Reise im vollbesetzten Bulldogs VW-Bus angetreten.

Die Abfahrt musste kurzfristig verzögert angetreten werden, da ein verliebter Reiseteilnehmer seinen Reisepass absichtlich? bei seiner Liebsten vergessen hatte, um sich ein zweites Mal von ihr zu verabschieden und um nebenbei 2 Flaschen Vodka vom Schwiegervater zu entwenden. Aber die zwei Bottles waren nicht allein, denn sie hatten Gesellschaft von Radler, Bier, Captain Morgan & Co. Beim Pokern wurden bereits die ersten Dosen Bier und Radler fachmännisch versorgt. Zum Glück hatten wir nicht Strip Poker gespielt, denn sonst wäre unser Präsi als erster nackter Fußballfan des Bulldogs-Busses in die Geschichte eingegangen.

Kurz nach Szeged waren die übereifrigen Cops sehr verwundert, als nach der Personen-, Führerschein- und Fahrscheinkontrolle auch die Alkoholkontrolle des Fahrers negativ verlief, obwohl die positive Stimmung von Captain Morgan weder zu übersehen noch zu überhören war. Auch der Grenzübertritt nach Rumänien stellte keine Probleme da, und innerhalb von 10 Minuten war die ungarisch-rumänische Grenze passiert. Stimmungsmäßig änderte sich nicht sehr viel, da ein tätowierter Mitreisender mit seinem neuen Freund Captain Morgen, bei einem kurzen Zwischenstopp mit seinem neuen Hobby dem Pinkelsteinsammeln, begann. Spätestens jetzt merkte der Sky Europe Bucher, dass es sich nicht um den Shuttlebus zum Flughafen nach Bratislava handelte. Wir anderen jedoch hatten mit sehr schweren Turbulenzen an Bord des Bulldogs-Busses zu kämpfen, was aber nicht aufgrund der Fahrweise des Fahrers, noch der schlechten Straßenzustände in Rumänien zuzuschreiben war, sondern viel mehr einen globalen Hintergrund hatte. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise, mussten auch die Bulldogs mit Coca Cola sparen, denn das ist teuer und übrig blieb fast nur mehr Captain Morgan. Als auch der letzte Captain den Bus verlies, kam für die Mannschaft die wohlverdiente Nachtruhe, nur der Steuermann blieb auf Kurs Richtung Bukarest. Die Nachtruhe fand jedoch ein schnelles Ende, als ein betrunkener Matrose aus der letzten Reihe den Busfahrer zu einem Halt an der nächsten Tankstelle „zwang“. Diese wurde regelrecht geplündert, Beute waren billige Zigaretten mit aufgedruckten Totenköpfen, durchsichtige russische Flüssigkeit aus Erdäpfeln und Chips mit Hühnchengeschmack. Der Steuermann zapfte nebenbei einige Liter Diesel ab, danach konnte die Fahrt fortgesetzt werden. Dann wurden die 2 Flaschen Vodka in Angriff genommen und es ging feucht fröhlich weiter. Bei einer weiteren Pause an einer Gstättn fand der Steinesammler zu seinem alten Hobby, dem Kochen zurück, und die Mannschaft wurde mit getuntem Chili aus der Dose versorgt. Die leicht bekleidete Parkplatzwächterin, die dort ihrem Gewerbe nachging, wurde von uns mit einer Zigarette und einer Dose Cola abgespeist.

Nach 17 Stunden Fahrt inkl. mehrerer gesetzlich vorgeschriebener Pinkel und Ruhepausen erreichten wir nach ca. 1100km um die Mittagszeit die rumänische Hauptstadt Bukarest. Nachdem wir einige Runden um das falsche Stadion gedreht hatten, wir suchten die VW Bus der Atzgersdorfer, der vor dem Haupteingang geparkt war, fanden wir dann doch noch das Steauastadion, in dem das Match Rumänien:Österreich am Abend stattfinden sollte. Geparkt wurde der Bulldogs-Bus zwischen violettem Atzgersdorf Bus und grünem, Alte Garde PKW. Danach ging es auf ein Bier ins Marriot, in dem  das österreichische Nationalteam logierte. Danach trennte sich der rotweißrote Haufen, die Meisten gingen retour zum Stadionwirten, einige zum billigen Tätowierer ums Eck, ein Groundhopper lies sich die Gelegenheit nicht nehmen einige Bukarester Stadien zu fotografieren, einer machte sogar auf Sightseeing um zum Beispiel den übergroßen ehemaligen Ceaucescu-Palast zu besuchen und der Freund von Captain Morgen nutzte die Zeit für ein Nickerchen im Bulldogs Bus. Beim Stadionwirten, der eigentlich eine Waschbox für reiche, rumänische Autobesitzer war, gab es bis 16:00 alkoholhältiges Bier. Anfangs traute sich der Chef nicht, die Polizeianweisung zu hintergehen, doch wäre er ein schlechter Geschäftsmann, wenn er den durstigen Österreichfans nur Pepsi und Eistee verkaufen würde, und so gab es unter der Hand weiterhin eisgekühltes Bier.

Danach ging es die Straße rüber zum Stadion, das von unzähligen Polizisten und Ordner bewacht wurde. Das erste Mal wurden wir bereits beim äußeren Ring um das Stadion gefilzt. Dann ging es mit Polizeibegleitung rund um das Stadion bis zu unserem Sektor. Dort wurde wieder einmal perlustriert, etliche Feuerzeuge abgenommen, und unser Bulldogstransparent mussten wir ins rumänische übersetzen. Bulldog ist eben Bulldog, aber bei Atzgersdorf waren die Cops dann ziemlich ratlos und Wudle nahe am Auszucken. Die Lage verschärfte sich, als Loci (er war ohne Karten ab reissen ins Stadion gekommen) von den Ordner erwischt wurde, als er sein Ticket einem Rapidler, der durch überklettern des ersten Zaunes ohne Karte bis vor den Sektor gekommen war, seine Karte durch den Gitterzaun übergab. Doch unser Präsi handelte rasch und konnte im Vorbeigehen seine Karte Loci in die Hand drücken, und so hatten die dämlichen Ordner keinen Beweis und ein weiterer Österreichfan war ohne gültige Karte im Sektor. Der kleine Tumult löste sich rasch auf und nun konnten die Transparente vor unserem Sektor angebracht werden.

Bis zum Spielbeginn hatten sich in etwa 100 Österreichfans im Fansektor und weitere 100 Österreicher auf der nur mäßig gefüllten Haupttribüne eingefunden. Stimmungsmäßig war in dem großen Stadion bei ca. nur 5000 Besuchern nicht viel zu erwarten, für Aufregung sorgte nur eine Fangruppe von Dinamo Bukarest, die sich optisch mit Spruchbändern und ansonsten lautstark bemerkbar machte. Im Österreichsektor versuchten neben den Patriots auch die UU aus Salzburg für Stimmung zu sorgen, von den Wiener Austrianern waren auch noch die Pielachtaler und von der Salzburger Austria Matl mit seinen Jungs vom Fanclub Oed-Zeillern vor Ort. Obwohl Österreich unbedingt einen Sieg brauchte, um die theoretische Chance für die Qualifikation zur WM in Südafrika zu schaffen, sah es nicht so aus als ob es unsere Mannschaft auch unbedingt wollte, denn der letzte Wille zu kämpfen schien zu fehlen. Immerhin gelang Schiemer kurz vor Schluss noch der nicht unverdiente Ausgleich und so wurde wenigstens ein Punkt von Rumänien mit nach Hause genommen.

Nach dem Match ging es retour zu unseren Fahrzeugen, wo wir bereits von kampfbereiten Steaua-Hooligans erwartet wurden. Sie boten uns ganz nach fairem osteuropäischem Hooliganstil einen Kampf 10:10 an, da aber im Hintergrund mindestens weitere 40 dunkle Gestalten warteten, lehnten wir das Angebot dankend ab. Nach kurzem Gespräch mit Händen und Füßen, verabschiedeten wir uns von den fairen Sportfreunden, um die Heimreise durch die zweite Nacht anzutreten. Diese verlief bis 5:00 morgens ohne Zwischenfälle, der Bulldogs-Crew steckte die schwere Anreise noch in den Knochen. Nachdem schon bei der Hinreise die Armaturenbeleuchtung versagte, ging jetzt auch wie schon beim Litauenspiel der ganze Lichtschalter k.o. Mit der Erfahrung der letzten Litauten Auswärtsfahrt konnten wir mit Hilfe eines abgeschnittenen Lautsprecherkabels den kaputten Schalter rasch überbrücken. Die Reise konnte problemlos fortgesetzt werden, doch anstatt über die Autobahn über Szeged, ging es kleine, kurvige Landstraßen durch die ungarische Puszta, obwohl unserem zweiten Fahrer Andi mit y und seinem Beifahrer Jörg, seines Zeichens immerhin Präsident der Bulldogs, zusätzlich zum bewährten Straßenatlas, erstmals in der Bulldogs Geschichte auch ein Navigationsgerät zur Verfügung stand. Über Umwegen durch das pannonische Hinterland erreichten wir am späten Vormittag den Mc Donald´s an der Umfahrungsstraße von Budapest. Frisch gestärkt und mit violetten Gratisgläser zum Bic Mac Menü ging es auf der Autobahn retour nach Österreich.

Nach knapp 2 Tagen sinnloser Autofahrt über 2200km, übermäßigen Alkoholkonsums, Ernährung nur durch äußerst gesundem Essen wie getuntem Chili und scharfen Würstel, einem mehr oder weniger trostlosem Fußballmatch und einem nicht geplantem Ausflug durch halb Südungarn war um 14:00 unser Rumänienabenteuer beendet.

Martin/B.D. 92 & die Bulldogs-Crew

BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2009

Weitere Fotos aus Rumänien  findet ihr im Fotoarchiv

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