Nacional Funchal - Austria Wien 5:1

15-19.12.2009 (Portugal)

Am Freitag dem 28. August wurde die Europaleague ausgelost und nur drei Tage später buchten die ersten 6 Bulldogs die schwierige Anreise nach Madeira für das letzte Auswärtsspiel unserer Austria in der Europaleague Gruppenphase am 16. Dezember gegen Nacional Funchal.  Im Laufe der nächsten Wochen sollten noch einige Fans dazukommen, sodass insgesamt 11 Veilchen mit unserer Bulldogsreisegruppe das Abenteuer Madeira in Angriff nahmen.

Mit 2 Autos (Bulldogs VW Bus und Pauschis reparaturbedürftigen Toyota) ging es für die 8 Bulldogsmitglieder (Präsi Jörg, Andi mit y, Dani, Ingrid, Karner, Pauschi, Spu, sowie mir, dem Schreiber dieser Zeilen), einem Atzgersdorfer (natürlich wieder einmal Atzge), einem Gladiator (wie schon gegen Bilbao wieder René) und Müller von Pauschis Viola Forchtenstein, Dienstag nach Feierabend zum Flughafen nach Bratislava. Dort wurden nach einer Ehrenrunde um den Flughafen, das billigere Parkhaus P2 mit Shuttlebusanschluss wurde natürlich nicht gefunden, die Fahrzeuge direkt vor dem Flughafengebäude um 18,20€ pro Tag am Parkplatz P1 geparkt. Die verbleibende Zeit bis zum Boarden verbrachten wir Austrianer in der einzigen Flughafenkneipe bei billigem, slowakischem Bier. Da wir unsere Boardingkarten schon zu Hause ausgedruckt hatten und wir sowieso wie immer nur mit Handgepäck verreisen, konnten wir uns das Einchecken ersparen und somit direkt zum Boarding gehen. Im Ryanairflieger war es dann mit günstigen Getränken vorbei, kleines Bier gab es um 4,50€, 5ml Vodka lemon wechselten um 6,50€ den Besitzer. Der Flug verlief ohne Zwischenfälle und der nur halbvolle Flieger erreichte pünktlich nach 2 Stunden Flug um 0:30 Mitteleuropäischer Zeit den Flughafen London-Stansted. Danach wurde beim Burger King das Abendessen nachgeholt und nach einigen Runden Bier suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen am Flughafen. Wie schon des Öfteren, das letzte Mal beim Zwischenstopp nach Oslo, übernachteten wir wieder im Eingangsbereich des English Pub O´Neill´s. Einige kamen so wenigstens zu 3-4 Stunden Schlaf, andere besorgten sich beim rund um die Uhr geöffneten Sparmarkt laufend Nachschub, und verzichteten freiwillig auf das Schlafen auf dem kalten und harten Boden.

Am frühen Morgen das Matchtages ging es bereits zur peniblen Kontrolle der englischen Flughafensecurity, da wir schon um 07:15 mit Easyjet von London-Stansted nach Madeira weiter reisten. Nachdem wir uns in Österreich und in England mit Temperaturen um den Gefrierpunkt herumschlagen mussten, erwartete uns in Madeira angenehme 20 Grad Celsius. Wegen ein paar Rauchern in unserer Gruppe versäumten wir um wenige Minuten den Shuttlebus ins ca. 15km entfernte Funchal. Alle Versuche ein güngstiges Bustaxi aufzutreiben scheiterten, und so warteten wir bei einem Bier auf den nächsten Aerobus, der uns in die Stadt bringen sollte. Nach eineinhalb Stunden ging es dann um 5 Euro pro Person mit dem vollbesetzten Aerobus nach Funchal, der uns direkt vor unserem Terrace Mar Suite Hotel aussteigen ließ.  Das mit dem Hotelbuchen gehört auch unbedingt erwähnt, denn ich hatte die Zimmer erst am Wochenende davor auf Hotel.de für ca. 25 Euro pro Person gebucht. als ich einige Minuten später dasselbe Hotel auf booking.com (die mit ihrer Bestpreisgarantie werben) fand, und tatsächlich waren die Zimmer dort um einige Euro günstiger, ich fand sogar noch 4 Personen Appartements im gleichen 4 Stern Terrace Mar Suite Hotel um nicht einmal 15 Euro pro Person, und das mit inkludiertem Frühstück. Natürlich wurde die erste Buchung sofort kostenfrei storniert und das günstigere Angebot gebucht und so über 100 Euro gespart.

Danach wurde im Hotel eingecheckt und die Appartements mit wunderbarem Ausblick (Palmen, Meer) bezogen. Mittlerweile war es schon 14 Uhr und damit höchste Zeit zum Mittagessen. Wir trafen uns alle vor unserem Hotel, wo wir vor dem hoteleigenen Restaurant von den Kellnerinnen angesprochen wurden. Nach einem Blick auf die Speisekarte und kurzer Beratung gab dann der angebotene 20% Rabatt auf die gesamte Karte den ersten Ausschlag für die Wahl des Lokals. Atzge verlangte zwar lachend 30% von der Kellnerin, die daraufhin ihr Angebot wirklich auf 25% erhöhte. Nachdem gepflegtem Mittagessen (Zwiebelsuppe, Fischsuppe, Steaks- und Fischgerichte in allen Variationen) ging es retour zur Bushaltestelle um die ca. 2km in das Stadtzentrum von Funchal zu fahren. Nun hatten wir noch ca. 4 Stunden Zeit bis zum Spielbeginn um 21:05 MEZ und nach einer kurzen Absprache ging es für einige in die nächste Kneipe zu den heiligen drei Königen (Erklärung folgt später), für den großen Rest ging es mit der berühmten Gondel den Berg hinauf zur bekanntesten Kirche auf Madeira. Bei der ca 25 Minuten andauernden Gondelfahrt hat man wirklich tolle Aussicht über die ganze Bucht von Funchal, aber auch über die mit viel Mühe in die Felsen hineingebauten Einfamilienhäuser, die großteils über keine Straßenanbindung verfügen, sondern nur über kleine Trampelpfade erreichbar sind. In der Nähe der Bergstation befindet sich auch ein Teil österreichischer Geschichte. In der berühmten Kirche Liebe Frau von Monte ist nämlich der letzte österreichische Kaiser Karl aufgebahrt, der nach dem verlorenen ersten Weltkrieg Österreich verlassen musste, und danach im Exil bzw. auf Madeira lebte, wo er 1921 verstarb. Bis auf unserem Atheisten, der sich weigerte in das Gotteshaus einzutreten, zollten wir alle unserem letzten Kaiser Respekt und besuchten seine Grabesstätte. Leider hatten wir keine Zeit mehr um mit einem der legendären Korbschlitten die Rückfahrt abwärts anzutreten, und so musste wieder die Gondel als Transportmittel herhalten.

In der Talstation gab es dann das ausgemachte Treffen mit den heiligen drei Königen Andl, Jagal und Metallica-Roli, die schon seit dem Vortag für eine ganze Woche lang die Insel verunsicherten.  Mit  den nicht mehr ganz nüchternen heiligen drei Königen ging es danach gemeinsam im übervollen Linienbus 48 Serpentine um Serpentine zum 550m über dem Meeresspiegel gelegenen Stadion von Nacional Funchal. Nach über 30 Minuten anstrengender Fahrt, Jagal und seine Jungs unterhielten den ganzen Bus, erreichten wir das Stadion hoch oben über der Stadt wo Virus bereits auf uns wartete. Er war ebenfalls erst heute über Zürich und Lissabon nach Madeira geflogen und hatte auch schon etwas über den Durst getrunken. Vor dem Stadion bekamen wir vom Austriafanbetreuer Martin (wie sich später herausstellen sollte war es sein letztes Austriamatch, weil er angeblich von Magister Markus Kretschmer mit den Worten, dass sein Fanprojekt gescheitert sei und er mit uns Austriafans kooperiert, nach der Rückkehr entlassen wurde) die Eintrittskarten um 30 Euro pro Person für die Haupttribüne, da das Stadion nur aus 2 Tribünen an den Längsseiten des Spielfeldes bestand. In unserem „Sektor“ waren außer uns 10 Bulldogs (der Satanist kam noch mit der Mannschaft) einige Fanatics, Fedayn, Atzgersdorfer und einigen Austrianern von kleineren Fanclubs noch etliche Wallfahrer, die vermutlich ebenso wie unser Anwalt, der sich aber bei den VIPs auf der Gegengerade wichtig machte, mit den Mannschaftsflieger angereist kamen. Die ca. 100 Fans starke Abordnung der Veilchen platzierte sich genau hinter der violetten Betreuerbank von Austriacoach Daxbacher. Vor der Tribüne patrouillierte der sichtlich nervöse Austria Sicherheitsbeauftragte Rauchi, und bald war klar, warum dieser nicht zur Ruhe kam. Denn draußen vor dem Stadion wurde einigen Austrianern aufgrund ihrer Alkoholisierung der Eintritt verwehrt. Darunter alle heiligen drei Könige, von uns Bulldogs war Virus von den verschärften Kontrollen betroffen, den Vogel schossen aber 2 Jungs von den Fedayn ab, denn einer hatte selbst für die einiges gewohnten Polizisten sage und schreibe 3,0 Promille Alkohol im Blut und der Grenzwert um ins Stadion zu kommen ist mit lächerlichen 1,2 Promillen festgesetzt. Aber diese alkoholisierte Truppe ließ sich nicht so leicht vom verwehrten Zutritt zum Stadion ablenken und versuchte danach mit Gewalt ins Stadioninnere zu kommen. Der Versuch war aber von vornherein aufgrund der zu starken Alkoholisierung zum Scheitern verurteilt und so endete er für die Hälfte der Kampftrinker in Polizeigewahrsam. Und dreimal könnt ihr raten wer Bekanntschaft mit dem Polizeiknast auf Madeira machen durfte. Alle heiligen drei Könige wurden mit Handschellen abgeführt, und erste einige Stunden nach Spielende wieder freigelassen.

In der Zwischenzeit wurde natürlich auch Fußball gespielt und nach den verletzungsbedingten Okotie und Jun zum Nummer Eins Stürmer aufgestiegenen brasilianischen Supertechniker Schumacher gelang diesem das nicht erwartete 1:0 für unsere Austria. Der Jubel beim Austriaanhang war natürlich groß, und jeder hoffte nun auf einen Auswärtssieg. Die biederen Inselkicker kamen zwar Anfangs auch zu einigen Chancen, konnten aber diese vorerst nicht nützen. Danach ging alles blitzschnell und innerhalb von wenigen Minuten wurde aus einer 1:0 Führung ein 1:5 Debakel. Auf die frustrierten „Wir wollen unser Geld zurück“ Rufe aus dem Austriasektor konnte selbst Karl Daxbacher vor uns auf der Betreuerbank nur mehr ratlos den Kopf schütteln. Auch wenn es bei diesem Match nur mehr um die goldene Ananas ging, darf ich mich als Fußballprofi nicht so halbherzig und lustlos präsentieren. Wenn man 5:1 verliert und nicht eine einzige gelbe Karte kassiert, zeigt das ja eigentlich alles über die fehlenden Kampfkraft und den fehlenden Einsatz bei dieser Partie.

Nach dem Match gab es wenigstens noch einige Spielerleibchen für den mitgereisten Austriaanhang, Spu erwischte jenes von Jazek Bak, ich ergatterte die Dress von Zlatko Junuzovic und ein dritter Spieler opferte ebenfalls sein Trikot für die weit angereisten violetten Fans. Vor dem Stadion versuchten wir Bulldogs dann einen Linienbus oder ein paar Taxis für die Rückfahrt in die Stadt aufzutreiben, aber weder von einem Bus noch von den gelb-schwarzen Taxis war auf dem Berg etwas zu sehen. Das erklärt jetzt auch, warum nur ca. 1500 Fans das Spiel verfolgten, wer will nach dem Match schon stundenlang zu Fuß nach Funchal gehen. Die 3 Busse der Austriamannschaft hatten den Auftrag nur Leute, die das Angebot der Austria gebucht hatten, mitzunehmen, obwohl in jedem Bus mindestens 15 Plätze frei waren. Nach langem hin und her wurden die Busse dann doch besetzt, doch die nervösen Fahrer weigerten sich los zu fahren, solange nicht alle Austriafans einen Sitzplatz hatten. Begleitet von Böhse Onkelz-Gegröhle der illegalen Busgäste ging es die Kehren retour in die Stadt. Ich möchte gar nicht wissen, was das bei den Wallfahrern für ein Bild abgegeben haben muss, da einige betrunkene Austriafans nur Onkelz-Parolen skandierten. Zum Glück befand sich das Hotel der Austrianer in nächster Nähe zu unserem und so war es nur einmal um die Ecke zu unserem Restaurant, das sofort wieder von den Veilchen belagert wurde. Zu unserer 11-köpfigen Bulldogs-Reisegruppe kamen noch Virus und der Satanist mit einem Freund, Wudle und Vip-Karl mit Frau von den Atzgersdorfern, einigen Fedayn rund um „Wurstl“, Domi und Michi vom Kommando Suff sowie nach deren Haftentlassung die heiligen drei Könige. Es gab wieder 20% Rabatt und so gab es eine Bier und Cola-Bacardi Runde nach der anderen. Mit dem Alkoholpegel stieg auch der Lärmpegel und so endete es kurz nach der offiziellen Sperrstunde mit einem Knalleffekt. Einer der nicht mehr ganz nüchternen Austriafans musste unbedingt eine Stripteaseshow hinlegen. Die Kellnerinnen waren anscheinend nicht so begeistert, denn mitten im Jubel und der Hochstimmung kam das erste Polizeiauto mit Blaulicht angerast. Aber die zwei ratlosen Beamten konnten den ausufernd feiernden Austriamob nicht beruhigen und so kam kurz darauf die nächste Verstärkung mit Blaulicht zu unserem Hotel. Die Polizisten erklärten gemeinsam mit den überforderten Kellnerinnen für uns die Sperrstunde und forderten uns auf, uns leise auf unsere Zimmer zu begeben. Für unsere Gruppe ging es rauf in die Appartements, für die anderen zurück in deren Hotel und einige besuchten nach inoffiziellen Informationen noch einen Nachtclub. Somit war die Party recht schnell beendet und auch die anderen Hotelgäste konnten von nun an ihre Nachtruhe genießen.

Nach ein paar Stunden Schlaf ging es am frühen Morgen zum Frühstück, das keine Wünsche offen ließ. Danach warteten wir auf der Bushaltestelle auf den Aerobus zurück zum Flughafen, aber ein Taxler im VW Sharan blieb stehen und nahm die ersten 6 Fans mit, der Rest fuhr 5 Minuten später mit dem Flughafenbus. Am Flughafen verabschiedeten wir noch die Jungs von den Fedayn und Fanatics, die über Lissabon ihre Heimreise antraten. Wir warteten auf die Easyjet Maschine, doch sie kam nicht in Madeira an, da sie aufgrund des minütlich schlechter werdenden Wetters nur mehr auf der Nachbarinsel Porto Santo landen konnte. In der Zwischenzeit organisierte sich Virus seine Heimreise mit Condor über München und verzichtete somit um 3 Tage bereits bezahlten Urlaub in Madeira. Die Condormaschine am frühen Nachmittag war die letzte Maschine die noch starten konnte bevor der Flughafen für einige Stunden komplett gesperrt wurde. Nun war klar, dass der für den heutigen Tag geplante Flug nach London auf keinen Fall stattfinden konnte und so wurden die Easyjet Passagiere vom Abfluggate mit dem Bus nicht zum Flieger (der stand ja auf der anderen Insel) sondern auf die andere Seite des Flughafens zur Einreisekontrolle gebracht, da wir ja alle schon offiziell ausgereist waren. Mit 2 Bussen wurden die verhinderten Fluggäste ins nahe gelegene Santa Cruz, eine sehr schöne Hotelanlage gebracht. An der Rezeption gab es die Zimmerkarten und gleich danach ging es zum üppigen „Mittagessen“ in den Speisesaal. Alles bezahlt von Easyjet, essen konnte man vom umfangreichen Buffet soviel man wollte, nur beim Rotwein waren die Kellner knausrig und man bekam nur ein Achterl pro Person. Bestens gestärkt und schon um einiges besser gelaunt ging es zum Strandspaziergang. Der Orkanartige Wind peitschte wie Wellen an den Strand, es zogen einige Regenwolken durch und trotzdem hatte es angenehme 20 Grad Celsius. Nach dem kurzen Verdauungsspaziergang gab es auch schon das Abendessen. Wieder tiptop Auswahl bei Vor-, Haupt- und Nachspeisen, aber mehr als wie essen kann selbst der beste Fußballfan nicht. Müller und Spu nützten danach den Wellnessbereich mit Schwimmbad, Sauna und Dampfbad, der Rest machte es sich gleich an der Bar gemütlich. Nur die Raucher mussten immer wieder raus in den wunderschönen Außenbereich mit äußerst großem Swimmingpool. Danach ging es zum Billardspielen bei dem sogar die mittlerweile wieder nüchternen heiligen drei Könige per Taxi in unserer Luxusabsteige vorbeischauten. An der Hotelbar ließ dann der harte Kern der Veilchen den Abend ausklingen, doch irgendwann ist auch da die Sperrstunde erreicht und so mussten die letzten drei Austrianer die Location wechseln. Aber wir hatten nicht weit, denn im anderen Flügel des Hotels fand eine Weihnachtsfeier einer großen Flughafenfirma statt. Gegen 4Uhr versuchten wir dort noch etwas gegen unseren Durst zu bekommen, aber die Kellner verweigerten uns den Eintritt. So blieben wir im Eingangsbereich stehen und bestellten die erste Flasche Rotwein. Mein Zimmerkollege Karner wollte mir schon die Zimmerkarte geben, ich riet ihm die Karte jedoch zu behalten, da er sowieso als erster schlafen gehen würde, so entwickelte sich ein Kampftrinken, das erst nach 3 Bouteillen gegen 6Uhr in der Früh mit einem klaren Punktesieg endete. Denn der unterlegene Trinker musste von einem Hotelangestellten und mir auf das Zimmer gebracht werden, aber da ich natürlich auch angeschlagen war, erwischten wir das falsche Zimmer von Pauschi und Gladiator René, der bis zum Schluss den Schiedsrichter spielte und das Saufgelage mit seiner Kamera für die Ewigkeit festhielt. Unsere Zimmerkarte brauchte dann keiner, denn beide Kampftrinker schliefen dann im Bad von Pauschi und René. Es gäbe da ja noch viel mehr interessante Einzelheiten zu erzählen, aber an gewisse Dinge kann und will ich mich gar nicht mehr erinnern. Dazu gibt es sowieso einige Fotos und die sagen eh  mehr als tausend Worte.

Am nächsten Morgen mussten einige Austrianer aus taktischen Gründen auslassen, die anderen wurden von der Großteils pensionierten, englischen Urlaubsdelegation schief betrachtet, hatten wir doch bei unserem Rückzugsgefecht vom Veranstaltungssaal im Erdgeschoß bis in den Zimmertrakt doch für einigen Wirbel gesorgt. Einige besonders prüde der Ü60 Generation beschwerten sich bei der Rezeption über die Halbnackten Österreicher auf dem Gang, dabei gab es beim Gladiator etliche Tatoos und bei Pauschi sowieso nur einen durchtrainierten Körper zu bewundern.

Einen Tag später als geplant gelang dann der Rückflug mit über 26 Stunden Verspätung von Madeira nach London-Stansted. Darauf ging es gleich zum Easyjetschalter, der war aber aufgrund des Wintereinbruchs im Großraum London am frühen Morgen und der damit verbundenen Flugabsagen nicht einmal besetzt. Es lagen lediglich Flugblätter mit den Rechten der Flugpassagiere und der Internetadresse von Easyjet.com auf. Nun ging es gleich weiter zum Ryanairschalter, um unseren versäumten Flug vom Vortag umzubuchen. Der Abendflug hatte zwar 2 Stunden Verspätung, doch das Boarding war schon abgeschlossen. Die freundliche Mitarbeiterin am Ryanairschalter erklärte uns, dass ein neues Buch via Internet günstiger käme, als den versäumten Flug umzubuchen. Da beim morgigen Vormittagsflieger nur noch 4 Plätze frei waren, mussten wir wohl oder übel ganze 24 Stunden am Flughafen in London verbringen. Im Internet buchten wir danach den Heimflug für die letzten 11 Austriafans um 145 Euro pro Person für Samstagabend. Der Dank gilt hier unserem Präsi, der uns seine Golden Card zur Verfügung stellte. Den Rest des Abends verbrachten wir wieder in unserem Stammbeisl, dem O´Neill´s. Nach der Sperrstunde machten wir es uns davor auf unserem Stammplatz gemütlich.

Am nächsten Morgen wurden zuerst die englischen Sportseiten nach Fußballspielen im Großraum London durchforstet. Es gab einige interessante Begegnungen, unter anderem in der Premier League Fulham-Manchester Untited, Arsenal-Hull, in der Championsship Crystal Palace-Barnsley, QPR-Sheffield United und in der League One Charlton-Millwall. Eines hatten alle Spiele gemeinsam, den ungünstigen Spieltermin frühestens um 3pm Ortszeit, was bedeutet hätte das man nach Spielschluss nicht einmal 2 Stunden Zeit für die Rückfahrt aus London und danach für die Sicherheitskontrollen und den Weg zu den Gates am Flughafen gehabt hätten, und keiner wollte riskieren, noch einen sinnlosen Tag am Flughafen zu verbringen. So wollten wir gleich am Morgen bei den Boarding Automaten von Ryanair unsere Boardingkarten ausdrucken, aber alle der etwas 50 Automaten waren aus unerklärlichen Gründen außer Betrieb, und einige freundliche Ryanairmitarbeiter erklärten uns, dass wir uns am Schalter anstellen sollten. So standen Müller, Spu und ich den ganzen Vormittag (von halb 9 bis zu Mittag) in der endlosen Schlange bis wir endlich zum Schalter kamen. Dort hatten wir schon die mit Abstand fescheste Airlinemitarbeiterin erwischt, denn optisch war sie eine Mischung von Angela Merkel und dem englischen Komiker mit den 3 Haaren, nur dreimal so schiach. Als ich dann nach den Boardingkarten fragte schnauzte sie uns nur an und meinte: „You have time enough to do it yourself via internet“ ansonsten hätte es uns 40GBP pro Person gekostet. Fuck Ryanair und scheiss Ryanair waren noch die harmlosesten Schimpfwörter die dann gefallen sind. Dir „Schiachperchten“ hatte ja noch Glück, dass wir nicht alkoholisiert waren, bzw. dass sie nicht die falschen Leute erwischt hat, denn wenn das bei den heiligen drei Königen passiert wäre, wäre dort der Ryanairschalter zusammen mit dem Easyjetschalter in die Einzelteile zerlegt worden.

So ging es retour zum Internetterminal. Nachdem wir alle Daten für jeden einzelnen eingegeben hatten (Geburtsdatum, Name und Anschrift, Ablaufdatum des Passes) konnten wir um 1GBP pro Seite unsere neuen Boardingpässe ausdrucken. In der Zwischenzeit haben sich die anderen in unserem Stammlokal ein wenig geholfen und aus verständlichem Frust einige Bier genehmigt. Den ganzen Nachmittag verbrachten wir bei unserem Stammwirtn vor dem Fernseher mit den Zwischenständen und Ergebnissen der englischen und schottischen Fußballligen. Das interessanteste Spiel wäre sicher Charlton gegen Millwall gewesen, das mit einem unglaublichen 4:4 endete. Die Stimmung erreichte langsam aber sicher wieder einen guten Level und dem Pubpersonal wurden wir unangenehm und sie forderten uns zum gehen auf um nicht unseren Flieger zu versäumen, aber es gingen sich noch locker einige Runden aus. Beim Durchleuchten gab es dann den nächsten Wickel, nachdem einigen Leuten von uns der zwei Tage zuvor im Duty Freeshop in Madeira eingekaufte Schnapsvorrat abgenommen wurde. Allerdings völlig legal, da man sogar eingeschweißte Sachen vom Duty Freeshop nur 24 Stunden mitnehmen darf. Bei den Sicherheitskontrollen wurde einem der als Mitbringsel gedachte Alkohol abgenommen, im Abflugbereich des Duty Free gab es danach gratis Bayleys-Verkostung, der von manchen Bulldogs gerne mehrfach in Anspruch genommen wurde.

Mit 48 Stunden Verspätung kamen wir dann knapp vor 22:00 MEZ im eiskalten und verschneiten Bratislava an. Pauschi wurde noch gehänselt ob sein Auto bei diesen winterlichen Bedingungen wohl anspringen würde. Aber im Gegensatz zu unserem VW-Bus war Pauschis Karre beim ersten Mal da und wir mussten in der Eiseskälte versuchen, mit den vorsorglich mitgenommen Starterkabeln unseren Bus in Schwung zu bringen. Nach einigem hin und her war dann auch das zweite Fahrzeug fahrbereit und der Fahrt nach Österreich war nur mehr der Parkplatzschranken im Weg, obwohl wir vorher für 4 Tage parken 73 Euro pro Auto beim Parkplatzwächter gelöhnt hatten. Mit dem umständlichen Starten hatten wir anscheinend das Zeitlimit überschritten und konnten so erst nach Reklamation beim Parksheriff den Parkplatz verlassen. Mit 50km/h ging es auf der schneebedeckten Stadtautobahn Richtung Kittsee. Als dann auch noch ein slowakischer Rallyefahrer auf den Leitschienen hängen blieb, war es vorbei mit Pauschis Fahrkünsten bei winterlichen Fahrbedingungen und er entschied sich mit seinen Leuten nicht mehr auf die Bulldogs-Weihnachtsfeier ins Café Violet zu fahren, sondern gleich den Heimweg anzutreten. 5 Bulldogs und ein Atzgersdorfer kamen dann nach einem 4 Tage dauernden Horrortrip erst gegen 0:30Uhr zur gemütlichen Bulldogs-Weihnachtsfeier, aber das ist sowieso wieder eine andere Geschichte.

Martin/B.D. 92

BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2009

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