Werder Bremen - Austria Wien 2:0

4-6.11.2009 (Deutschland)
Zum zweiten Auswärtsspiel der European League Gruppenphase in Bremen setzte sich ein für violette Verhältnisse recht ordentlicher Mob in Richtung Norddeutschland in Bewegung. Über 1500 Austrianer wollten sich dieses wichtige Auswärtsspiel nicht entgehen lassen und machten sich mit Bahn, Bus oder Flugzeug auf in die Hansestadt Bremen. Auch etliche Bulldogs waren über diverse Wege und mit verschiedenen Fortbewegungsmitteln auf dem Weg an die Weser. Einige Bequeme bevorzugten die Anreise mit Air Berlin über Hamburg, unser Anwalt hatte sowieso wieder das Vip-Ticket mit der Mannschaft und der große Rest von über 80 Mann mühte sich mit 2 Bulldogs-Bussen die knapp 1000 Autobahnkilometer von Wien bis nach Bremen.
Abfahrt war am
Vorabend des Matches knapp vor Mitternacht vom Horrstadion, da der
Busorganisator Virus eigentlich bis 1 Uhr arbeiten hätte müssen, aber am
Flughafen fällt
es sowieso nicht auf, wenn ein Mitarbeiter bereits 2 Stunden vor
Schichtende seinen Arbeitsplatz verlässt. Virus hatte es eigentlich gut gemeint,
als er mit Zettel die Buseinteilung vorgab, aber da er Anfangs nicht vor Ort
war, kam nur ein sinnloses Chaos heraus und keiner wusste so recht, ob er jetzt
zum Einser oder Zweier Bus gehörte. Nach einiger Zeit hatte aber doch jeder
einen Sitzplatz, einige wie sich später herausstellen sollte, aber im falschen
Bus. Nach welchen Gesichtspunkten Virus die verschiedenen Fanclubs wie
Gladiators, Ü30, Pauschis Viola Forchtenstein, seine Flughafenhackler, sowie uns
Bulldogs aufgeteilt hatte, war allen ein Rätsel das nicht gelöst werden konnte.
Bulldogspräsi Jörg und ich waren im Einser-Bus, oder war es doch der Zweier, war
aber eigentlich eh egal, weil beide waren von der gleichen Jugofirma und die
vier Busfahrer waren alle recht gut drauf und mit der Fußballszene bestens
vertraut. So war einer der serbischen Fahrer ein alter Bekannter, der in den
90er Jahren 6 Jahre lang mit uns Austrianern zu den österreichischen
Bundesligaschauplätzen unterwegs war.
Mitten im
tschechischen Niemandsland gab es dann in unserem Bus eine Auseinandersetzung um
die richtige Musikauswahl, die mit einem kurzen
Schlagabtausch endete. An und für sich nichts besonderes, aber trotzdem erwähnenswert, weil sich DJ Sandra K.
(in der Szene besser bekannt als Exfreundin von Hooliganlegende Manfred K.)
persönlich mit vollem Körpereinsatz in die Auseinandersetzung einmischte und dem
nunmehr verängstigten Musikkritiker von links und rechts abwatschte. Von nun an
traute sich keiner mehr über die Musikauswahl des DJ`s zu lästern, denn keiner
wollte sich mit den gewichtigen Argumenten von Sandra K. anlegen. Nicht nur der
DJ sondern auch der Alkohol setzte schön langsam den Austriafans zu, und
so wurde es nach
einem Zwischenhoch dann am frühen Morgen ruhig in den hinteren Reihen,
in der vorher recht ordentlich die sprichwörtliche Sau herausgelassen wurde.
Unsere Route führte
uns über Prag und die klassischen Fußballstädte Dresden, Leipzig, Halle,
Magdeburg und Hannover Richtung Bremen, das wir am frühen Nachmittag
erreichten.
Am Treffpunkt der Paulanerbar am Weserufer traf man viele altbekannte Gesichter,
aber auch viele Jugendliche Austriafans waren vor Ort. Vereinzelte Polizeibeamte
und ein eigens engagierter Ordnerdienst sorgten für Ruhe unter den hunderten
violetten Fans. Eine Gruppe vom Zweier Bus wollte in die Innenstadt essen gehen,
wurde aber zwei Straßenecken weiter von drei Polizeibussen abgefangen und alle
der ca. 25 Fans wurden einzeln perlustriert und von allen wurden die Personalien
aufgenommen, für „Kalti“ gibt es aber ein Nachspiel, weil er einen Pfefferspray
eingesteckt hatte. Ein paar Leute von uns stärkten sich in der Zwischenzeit bei
einem Mexikaner, einige besuchten die Bremer Stadtmusikanten und andere hatten
schon leichte Probleme nach vier, fünf oder waren es doch schon an die 10 Paulaner.
Bis zum
Abmarschtermin gegen 17:30 war dann das Weserufer komplett violett. Hunderte
Austrianer hatten sich gesammelt um in gewohnter Mobformation zum Stadion zu
ziehen,
dutzende wenn nicht sogar hunderte Polizisten begleiteten den Marsch der
Veilchen. Der Fußmarsch führte uns die Weser entlang, die Cops sperrten seitlich
alle Wege und Straßen und die Austrianer machten sich lautstark bemerkbar. Von
Bremer Fans oder Hooligans war weit und breit nichts zu sehen, man hörte nur die
motivierten Violetten in der Hansestadt. Nach einigen Kilometern erreichten wir
ziemlich früh das Stadion, Spielbeginn war ja erst um 21:05. Der Gästesektor
befand sich genau auf der Baustelle im Weserstadion und mitten im Sektor stand
ein riesiger Baukran. Die Transparente wurden vor dem Sektor angebracht, der bis
zum Spielbeginn mit ca. 1500 Austrianern und 10 Dresdnern sehr gut gefüllt war.
Anfangs gab es eine ordentliche Fahnenchoreo und auch stimmungsmäßig waren wir
den 25 000 kühlen Norddeutschen klar überlegen. Auch lautstärkenmäßig konnte der
Veilchenanhang überzeugen, im Sat1 Fernsehen war nur die Austria Fanszene zu
hören. Leider konnten unsere Kicker ihre anfängliche Überlegenheit nicht in Tore
umsetzen und so kam es wie es kommen musste und wir kassierten in der
Schlussphase zwei dumme Tore und standen wieder einmal mit leeren Händen, sprich
0 Punkten, da.
Nach Schlusspfiff
mussten die Austriafans noch etliche Minuten auf das Verlassen des Sektors
warten, danach ging es durch ein Polizeispalier aus Spezialeinheiten,
Hundeführern
und berittenen Einheiten zum Busparkplatz, der sich auf der
gegenüberliegenden Seite des Stadions befand. Auf den Böschungen gegenüber dem
Stadion waren zwar motivierte Bremer zu sehen, das Polizeiaufgebot war aber
eindeutig zu hoch. Innerhalb von 30 Minuten wurden die Austriafans in die Busse
verfrachtet und ab ging es Richtung Hannover, von wo aus die zwei Tagesflieger
die Heimreise antraten. Für uns ging es auf der Autobahn die Nacht durch
durch Deutschland und Tschechien und nach einer Einkaufspause in Kleinhaugsdorf, in der
sich die meisten Fans mit billigen Zigaretten eindeckten, erreichten wir am
frühen Nachmittag wieder das Horrstadion.
Viel mehr kann und will ich zu diesem Match gar nicht sagen, weil ja eigentlich eh jeder Austrianer selbst vor Ort war und jeder seine eigenen Geschichten über die Bremeninvasion 2009 erzählen kann.
Martin/B.D. 92
BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2009
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