Athletic Bilbao - Austria Wien 3:0
16-18.09.2009 (Spanien)
Die Auslosung der Europa League Ende August brachte unserer Austria eine sportlich interessante Gruppe und uns Fans wieder einmal weite Auslandsreisen. Neben Bremen und Nacional Funchal aus Madeira wurde in unsere Gruppe auch noch der spanische Cupfinalist Athletic Bilbao gelost. Das erste Gruppenmatch fand am 17. September im Baskenland statt, die Anreise gestaltete sich aber sehr schwierig. Mit Athletic Bilbao trafen wir einen alten Bekannten aus der erfolgreichen Uefa Cup Saison von 2004/05 wieder, der damals kein Hindernis auf dem Weg bis ins Viertelfinale gegen Parma darstellte.
Die Suche nach einer billigen Anreisemöglichkeit nach Nordspanien war schwierig, da es von Wien aus keine günstige Direktverbindung nach Bilbao gab. Als Alternativen wurden Flugverbindungen über Madrid, Barcelona und London gesucht. Entweder waren diese Flüge schon zu teuer, oder sie kamen aufgrund der schlechten Flugzeiten und deren Anschlussflüge für uns Fußballfans nicht in Frage. So warteten wir Bulldogs zuerst das Angebot des Austriamannschaftsfliegers ab, aber 499Euro für den Direktflug von Wien nach Bilbao mit einer Übernachtung war uns das Match nicht wert und so wurde im Internet weiter nach Alternativen gesucht. Durch Zufall kam ich auf eine Internetseite, die kostengünstige Flüge und Hotels vermittelt, und fand dort einen Direktflug von München nach Bilbao, der sowohl unseren Preis-, als auch den Hin- und Rückflugvorstellungen entsprach. Obwohl der reguläre Flugpreis auf der Span-Air Seite für diesen Flug über 1150Euro ausmachte, war der gleiche Flug auf edreams.com für die ersten 3 noch unter 200Euro zu haben. Für die nächsten beiden zahlten wir je 210Euro, danach 2x 230Euro, nur der achte und letzte Mann unserer Gruppe musste bereits 310Euro für den gleichen Flug bezahlen. Als dann doch das Tagesfliegerangebot der Austria um 269Euro herauskam, hatten wir unsere Flüge über München längst gebucht.
Am
Mittwochabend, dem Vorabend des Matchtages, trafen sich um 22:00Uhr 4 Leute der
Bulldogs, 3 Mann vom Fanclub Atzgersdorf und ein Gladiator beim traditionellen
Treffpunkt am Schöpfwerk, um mit dem Bulldogsbus die Reise nach München
anzutreten. Diese 5stündige Busfahrt über Linz, Passau, Deggendorf und Landshut
zum neuen Münchner Flughafen werden die Beteiligten wohl nicht so schnell
vergessen, denn auf den hinteren Reihen ging es heiß her. Lustige Kartenspiele
und
reger Alkoholkonsum ließen die Stimmung im Bus ordentlich steigen und als
wir die deutsche Grenze passierten, hatten die Atzgersdorfer bereits den ersten
Ausfall zu beklagen. Genau um 2:53 erreichten wir das Parkhaus P81 am Münchner
Flughafen und nach 6 Runden auch unseren Parkplatz auf Ebene 6, den auch unsere
Ingrid nicht so schnell vergessen wird. Über den überdachten Verbindungsweg
gingen, bzw. fuhren wir zur S-Bahnstation, denn Atzgi wurde auf einem
Kofferwagerl unter großem Jubel der anderen geschoben. Mit dem Parkplatzticket
ging es für alle Businsassen gratis die eine Station vom Besucherpark zum
Terminal 1, das wir knapp vor 4Uhr morgens erreichten. Doch weder im Terminal 1,
noch im Terminal 2 hatte um diese Zeit ein Café oder eine Kneipe offen, und so
nutzten wir die eine oder andere Stunde zu einem kurzen Schlaf auf den
Wartesesseln in der Abflugshalle. Ab 6Uhr erwachte dann das Leben am Flughafen
und diverse Geschäfte und Lokalitäten öffneten nach und nach ihre Pforten. Das
billigste Bier gab es beim Lebensmittelmarkt Edeka, und auch das Frühstück wurde
gleich dort besorgt.
Von den
über 80 Flügen, die auf dem Monitor angezeigt wurden, hatte genau einer
Verspätung, um welchen es sich handelte muss ich hier wohl nicht extra erwähnen.
Anstatt um 10:25Uhr hob unsere Maschine erst gegen 11:30Uhr Richtung Bilbao ab.
An Bord gab es zum Mittagessen spartanische Sandwichhälften mit je einer Scheibe
Wurst und Käse sowie Heineken Bier um 3,50Euro extra. Durch diese einstündige
Verspätung kamen wir erst knapp vor 14:00 am Provinzflughafen in Bilbao an, und
um 1,30Euro ging es mit dem Shuttlebus vom Flughafen in die City. Dort
erwischten wir gleich die richtige Haltestelle und hatten nur mehr wenige Meter
zum „alten Treffpunkt“, denn im gleichen Lokal ging schon 2005 die Post ab. Zu
unserer Überraschung waren nicht nur Violette aus Österreich, sondern auch eine
22 Mann starke Abordnung der Ultras Sur aus Madrid (übrigens langjährige Freunde
eines altbekannten Austriafans, der sich sehr gerne auf der iberischen Halbinsel
herumtreibt), an der guten und lauten Stimmung im Pub beteiligt. Außer den
Madridista waren auch schätzungsweise bis zu 100 Austrianer in dem Lokal. Es war
ein Kommen und Gehen, nur der harte Kern der violetten Fanclubs war vom frühen
Nachmittag bis zum Abmarsch gegen 18:00Uhr ständig vor Ort.
In
Mobformation begab sich dann der Großteil der Lokalbesucher auf den Weg durch
die Innenstadt. Obwohl unsere Gruppe recht unauffällig
durch die Straßen zog,
hatten wir bald die Ertzaintza, die baskische Autonomiepolizei, am Hals. In
einem Park in der Nähe eines Flusses wurden wir von den nicht gerade
zimperlichen Cops mehr oder weniger eingekesselt und von einigen Fans wurden die
Personalien aufgenommen. Nach langem Warten, die Polizisten ließen uns aus dem
Park nicht mehr raus, wurde unsere Gruppe von ca. 50 erlebnisorientierten Fans
von den 4 Shuttlebussen des Mannschafts- bzw. Tagesfliegers abgeholt. Dort
wurden wir von der mit Gewehren, Schutzschildern und extra langen Schlagstöcken
bewaffneten Autonomiepolizei zum Einsteigen in den Bus gezwungen. Trotz
Polizeischutz bis zum Stadion gelang es den Bilbaofans eine Seitenscheibe eines
Busses zu demolieren. Die Stimmung war am Kochen, auf der eine Seite der
aufgebrachte Baskenmob, auf der anderen Seite die Austriafans in ihren Bussen,
die sie auf Anweisung der Ertzaintza nicht verlassen durften. Auf dem
Busparkplatz wurden unsere Busse von der baskischen Polizei durchsucht und alle
mitfahrenden Mitglieder der Ultras Sur aussortiert, zu ihren Autos am Flughafen
gebracht, mit Stadtverbot belegt und anschließend aus der Stadt verwiesen.
Knapp
vor Spielbeginn durften die Austriafans dann endlich aus ihren Bussen vom streng
bewachten Parkplatz zum Auswärtssektor. Aber Auswärtssektor ist wirklich nur ein
Hilfsausdruck, denn rundherum um den kleinen Sektor war das ganze Stadion San Mames mit fanatischen, baskischen Fans ausverkauft. Dazwischen 214 Austrianer
(Zahl stammt vom Fanbeauftragten Martin) im „Käfig“ zwischen der Bilbao Meute
und ca weiteren 100 Austrianer im VIP Sektor, darunter auch der Rechtsanwalt der
Bulldogs, der seit neustem nur mehr mit seinen neuen Freunden als VIP-Schwein
unterwegs ist. In der Zwischenzeit hatte eine andere Gruppe der Bulldogs, die
erst am späten Nachmittag via Flughafenmitarbeitertickets von Wien Schwechat
nach Bilbao kamen, erste Bekanntschaft mit dem Bilbaomob und deren
Flaschenwurfkünsten gemacht. Aber das kleine Cut am Hinterkopf konnte Virus,
Björn und Jürgen nicht aufhalten und so waren zu Matchbeginn 8 Mitglieder der
Bulldogs vor Ort. Beim Aufhängen des
Bulldogstransparents
kam es danach zu ersten, direkten Konfrontationen mit den
hasserfüllten Bilbaofans, die uns schon vor Spielbeginn mit eindeutigen Gesten
versuchten einzuschüchtern. Doch die Cops spielten da nicht mit und stellten
sich zwischen die beiden verfeindeten Fangruppen, um diese natürlich auch mit
Gewalt zu trennen. Nachdem uns die Basken also nicht sehr freundlich empfangen
hatten, munterten wir sie mit e viva Espana Gesängen auf, und wer nur ein
bisschen Ahnung von der spanisch-baskischen Geschichte hat, kann sich nun
vorstellen, wie die 38000 baskischen Fans im ausverkauften Stadion reagierten.
Von allen Seiten hallte unserem kleinen Auswärtssektor ein gellendes
Pfeifkonzert entgegen. Die Austriaspieler ließen sich anscheinend durch die
aufgeheizte Stimmung verunsichern und nach nur 24 Minuten stand es nach einem
dummen Elferfoul und einem weiteren Fehler schon 2:0 für die Heimmannschaft. Im
Austriafanblock wurde jedoch energisch entgegen gehalten, und wir konnten uns
mehrmals lautstark in Szene setzen. Es kam während des Spiels mehrmals zu
kleineren Rangeleien mit den Cops, die Polizei hatte aufgrund der Hassgesänge
auf beiden Seiten der Fangruppen natürlich alle Hände, bzw. Schlagstöcke voll zu
tun, die verschieden gesinnten Fans zu trennen. So nebenbei wurde unser Sektor
noch von allerlei Wurfgeschossen aus dem Bilbaoblock eingedeckt, ärger getroffen
oder verletzt wurde aus meiner Sicht aber keiner.
Knapp
vorm Schlusspfiff, mittlerweile stand es 3:0 und bei der Austria waren nach dem
Ausschluss von Suttner nur mehr 10 Mann am Feld, war die Lage im Austriasektor
nahe
an der Eskalation, als die Polizei einige Austriafans mit Gewalt aus dem
Sektor zerren wollte. Es folgten wieder einige Schmährufe an die neuen
baskischen Freunde, die uns motivierten Austrianer mit einem weiteren
Wurfgeschosshagel aus allen Richtungen eindeckten. Als nach Schlusspfiff die
Austriaspieler zum Verabschieden vor unserem Sektor kamen, wurden die Spieler
von den baskischen Fans mit einem lautstarken Pfeifkonzert bedacht. Nachdem wir
noch eine knappe Stunde im Stadion verharren mussten, die Polizei drängte in der
Zwischenzeit die Bilbaomeute vom Stadion mit Waffengewalt ab, konnte die
Rückreise zum Flughafen angetreten werden. Über Umwege, damit uns die radikalen
baskischen Fans nicht abfangen konnten, ging es für die Tagesflieger und auch
für uns Bulldogs zum Flughafen.
Ein
Atzgersdorfer und ein Bulldog wurden an den TUI-Tagesflieger verkauft und
konnten schon gegen 0:30Uhr die Heimreise antreten, für die anderen war erst um
6:45Uhr der Rückflug nach München vorgesehen. Nach einer weiteren kurzen Nacht
in der Abflugshalle gab es ab 5:30Uhr in der einzigen Flughafen Kneipe für die
einen Café und für die anderen schon wieder Bier zum Frühstück. Vor dem boarden
trafen wir auch noch die komplette Austria Delegation, die aufgrund des strengen
Nachtflugverbotes noch eine zweite nicht geplante Nacht in Bilbao verbringen
musste und um 7:25Uhr die Heimreise nach Wien antrat. Unsere auf 6 Fans
geschrumpfte Gruppe erreichte pünktlich um 9:00Uhr morgens den Flughafen in
München. Nach einem deftigen Frühstück, einige beim Burger King, der Rest beim
Currywurststand, ging es retour auf die Autobahn nach Österreich. Wien wurde um
15:00Uhr erreicht, aber nicht für alle Austrianer ging es nach Hause, denn für
Atzgi ging es wieder retour nach Linz zum Cupmatch Blau-Weiß Linz gegen Austria
Amateure.
Interessant ist es auch, dass es anscheinend sehr viele Austrianer gibt, die es sich zu Hause auf dem Sofa bequem machen und im Internet auf diversen Austriaforen ihren Senf zu Dingen dazugeben, die in über 2000km Entfernung passieren. Ich finde es trotzdem bemerkenswert, dass sich durch Freundschaften einzelner Austriafans einige internationale Fußballfans hunderte Kilometer durch halb Spanien fahren, um auch unsere Austria zu unterstützen. Ob dies nun einigen zu Hause vorm Computer passt oder nicht, sei nun dahingestellt, denn diese Leute könnten ja auch vor Ort unsere Veilchen unterstützen.
Martin/B.D. 92

BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2009
Weitere Fotos aus Bilbao findet ihr im Fotoarchiv