Vojvodina Novi Sad - Austria Wien 1:1

30-31.07.2009 (Serbien)

Serbien, die Zweite

Unsere Austria war als österreichischer Cupsieger in der 3. Quali-Runde zur neuen Europa-League gesetzt und konnte daher recht beruhigt der Auslosung entgegen sehen. Mit Vojvodina Novi Sad gab es sowohl aus sportlicher als auch aus fantechnischer Sicht einen schlagbaren Gegner. Doch gespielt wurde, da das Stadion in Novi Sad gerade renoviert und ausgebaut wird, wieder einmal in Belgrad. Wieder einmal deshalb, weil einige von uns Bulldogs und Atzgersdorfern in den letzten Jahren schon zweimal im Maracana-Stadion, der Heimstätte von Roter Stern, vor Ort waren. (siehe Matchbericht Serbien-Finnland und Serbien, die Erste.)

Da Virus seit Anfang dieser Saison auch österreichweit wieder einen großen Bulldogs-Bus zu den Auswärtsspielen organisierte, war es nun selbstverständlich, auch einen Bus nach Belgrad zu starten. Los ging es am Morgen des Matchtages beim Horrstadion, der Rest der Truppe stieg in Parndorf zu. Der 50-Sitzer Bus war fast ausgebucht, denn außer Bulldogs waren auch Jungs von Fedayn, Fanatics/Junge Legion, Mad Dogz, Atzgersdorf und den "verrückten Mexikanern", einer Gang mit äußerst motivierten und tätowierten Leuten, mit an Bord. 

An der Grenze von Ungarn zu Serbien begann der Heimvorteil der beiden Buschauffeure Branko und Zlatko, doch um die Wartezeit vor der Grenzkontrolle zu verkürzen wurde kurzerhand die neben der ungarischen Fahne wehende Europa-Fahne von der Fahnenstange geholt und unter großen Jubel der Austrianer die österreichische Flagge samt Staatsadler gehisst. Die ungarischen Zöllner beobachteten dieses Treiben der Veilchen zwar misstrauisch, schritten aber nicht ein. Schlechter erwischte es uns dann auf der serbischen Seite der Grenze. Zuerst mussten alle Fans einzeln aussteigen und wurden von den unfreundlichen Polizisten gefilzt, Feuerzeuge wurden zum Beispiel aus unerklärlichen Gründen den Fans abgenommen. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Nachdem der Bus leer war durchsuchten die serbischen Cops den Bus und konfiszierten den kompletten Alkoholvorrat an Bord. So wechselten etliche Paletten Bier und Radler sowie der ganze Wein und Wodka Vorrat, vor den Augen der österreichischen Fancops, ohne zu bezahlen, den Besitzer. Nicht einmal Cola durften wir behalten und so wanderten auch noch einige Paletten Cola in das vor unserer Nase fahrende Auto! In Österreich heißt dieses Vorgehen Diebstahl wenn nicht sogar Raub, denn die nicht gerade freundlichen und zimperlichen Polizisten waren natürlich auch schwer bewaffnet. 

Nun ging es im schwer bewachten Konvoi, Bulldogs und AV/Boys-Bus zwischen ca. 8 Fahrzeugen der serbischen Polizei Richtung Belgrad. Mit Blaulicht wurden die vor uns fahrenden Pkw´s und Lkw´s von den übermotivierten Cops geradezu von der Straße gedrängt. Fast minütlich kam es zu gefährlichen Situationen, aber wir kamen  durch viel Glück und dem Können unseres Busfahrers ohne Unfall nach ca. drei Stunden riskanter Fahrt der serbischen Hauptstadt näher. In Belgrad ging es aber nicht zum Stadion, sondern wir wurden in einen Vorort eskortiert. Bei einem Hotel durften wir dann endlich aussteigen. Natürlich gab es dort ein polizeilich verordnetes Alkoholverbot (außer an der Tankstelle 100 Meter weiter, wo es 2 Liter Bier in der Plastikflasche zu kaufen gab), dafür aber billige Cevapcici mit ordentlich Zwiebel. Nach ca. 1-stündigem Aufenthalt ging es danach mit gewohntem Polizeischutz zum Stadion, wo uns noch ein größeres Polizeiaufgebot erwartete. Von Vojvodina oder gar Partizan oder Roter Stern Fans war weit und breit nichts zu sehen. Um 6 Euro bekamen wir vom Austria-Fanbetreuer vor dem Stadion die Tickets und im Nu war man auch schon im menschenleeren Stadion. Beim Ländermatch vor einigen Wochen gab es noch viel strengere Leibesvisitationen und im damals ausverkauften Oval natürlich auch eine andere Stimmung. Vojvodina Novi Sad verzichtete auf das Aufwärmtraining, vielleicht hatten sie vor dem 3000-Zuschauer Hexenkessel zuviel Respekt.

Auf unserer Seite hatten sich gut 150 Veilchen in der Fankurve versammelt und man machte sich von Anfang an lautstark im leeren Stadion bemerkbar. Ca 10 Minuten nach Spielbeginn kam dann auch der Vojvodina-Mob ins Stadion. An die 2000 Fans aus Novi Sad waren mit ihrer Mannschaft nach Belgrad gereist. Vor dem Sektor tauschten die serbischen Fans mit ihrer Polizei noch einige Freundlichkeiten aus, sodass zumindest ein Schutzschild der Cops den Besitzer wechselte und danach durchs Stadion geworfen wurde. Darauf beruhigte sich der Wirbel und die Jungs aus Novi Sad begannen mit dem Support ihrer Mannschaft und hatten nun auch Zeit ihre Transparente und Fahnen am Zaun anzubringen. Es war für beide Fangruppen nicht leicht, in dem Riesenoval für Stimmung zu sorgen, aber wir Austria-Fans boten eine recht akzeptable Auswärtsvorstellung. Angepeitscht vom Capo der "verrückten Mexikaner", der diesmal nicht einmal sein Megaphon zur Hilfe nehmen musste, waren wir Veilchen mindestens gleich laut wie die zahlenmäßig weit überlegenen Fans von Vojvodina Novi Sad. 

Sportlich lief das Match für die Austria auch sehr gut, konnten wir doch schon in der ersten Hälfte das wichtige Auswärtstor erzielen. Doch knapp vor der Halbzeitpause gab es wieder einmal einen dummen Ausgleich. In der zweiten Halbzeit konnte Novi Sad nicht mehr nachsetzen und unsere Kicker waren auch mit dem Unentschieden zufrieden. So blieb es nach 90 Minuten bei einem mehr oder weniger gerechten 1:1. Trotzdem wurde dieser wichtige Auswärtspunkt vom Veilchen-Anhang euphorisch gefeiert, war damit die Tür zur nächsten Quali-Runde zur Europa-League weit offen. Innerhalb von 10 Minuten verließen wir das Stadion und wurden vom massiven Polizeiaufgebot zu den Bussen eskortiert. Noch bevor die serbischen Fans das Stadion verließen konnten, war unser altbekannter Buskonvoi schon wieder abfahrbereit. Freunde der dritten Halbzeit waren aufgrund der überaus aggressiv einschreitenden Polizei auf serbischer Seite nicht auszumachen und so blieb es vor dem Stadion ruhig. Mit der bereits gewohnten Polizeibegleitung ging es ohne stehen zu bleiben die ca. 250km bis zur ungarischen Grenze.

Wer bis jetzt an die Gerechtigkeit der serbischen Polizei geglaubt hatte, wurde spätestens dann eines besseren belehrt. Der abgenommene, oder besser gesagt gestohlene Alkoholvorrat wurde natürlich nicht zurückgegeben und warum uns die 3 Heinis von der österreichischen Fanpolizei begleitet haben, wissen sie wohl selber nicht! Wenn die Fancops im Ausland sowieso keine Kompetenzen haben und einen klaren Fall von Diebstahl nicht verhindern konnten, sollen sie doch gleich zu Hause in Österreich bleiben und den serbischen und georgischen Diebesbanden das Leben schwerer machen!

Martin/B.D. 92

BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2009

Weitere Fotos aus Belgrad  findet ihr im Fotoarchiv

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