Italien - Österreich 2:2

19-21.08.2008 (Frankreich, Nizza)
Im Gegensatz zu der
recht abenteuerlichen Geschichte rund um das UEFA-Cupmatch unserer Austria in
der Vorwoche gegen WIT Tiflis in Georgien, dass alle paar Stunden in ein anderes
Land (Baku/Aserbeidschan, Erewan/Armenien, Rize/Türkei) und schlussendlich 18
Stunden vor dem geplanten Abflug ganz abgesagt wurde, konnten wir die Fahrt an
die Cote´Azur nach Nizza zum Freundschaftsmatch
Österreich gegen den regierenden Weltmeister Italien schon einige Wochen im
Voraus vorbereiten. Für diesen 2-Tagestrip mit dem VW-Bus sollten sich doch
leicht acht Fans finden, hatte ich anfangs geglaubt, doch viele unserer Jungs
hatten in ihrer Firma Probleme mitten in der Urlaubszeit noch zwei Tage frei zu
bekommen. So waren wir eine Woche vor dem Spiel gerade mal vier Fans, unser
Präsi Jörg, Andi mit y, der wieder reaktivierte Herzi und meine Wenigkeit. Am
Wochenende konnte ich noch Pauschi, in der Austria-Szene auch als
"Wurstsemmelpeter" bekannt, und Luf, der zufällig in dieser Woche im Urlaub war,
zu dieser Fahrt überreden. Virus gab mir sechs Stunden vor der Abfahrt bekannt,
dass er nun ebenfalls die zwei benötigten Tage freibekommt, und so vergrößerte
sich unsere Reisegruppe auf sieben Bulldogs.
Beim Einladen der
gekühlten Getränke in den Bus, also Minuten vor der Abfahrt, kam dann Franz aus
Donnerskirchen als Joker ins
Spiel.
Herzi hatte ihn im Schenkhaus auf unsere Fahrt nach Nizza angesprochen und da
Franz aus DK seit einem Jahr in Altersteilzeit ist und somit über viel Freizeit
verfügt und er außerdem seit langer Zeit Austria-Fan ist, (mittlerweile fährt er
halt wie die meisten burgenländischen Fußballinteressierten zu den
Mattersburg-Matches), wurde er kurzfristig als Quereinsteiger im Bulldogs-Bus
begrüßt. Dass man als Quereinsteiger kein leichtes Leben hat, dürfte aus der
Politik bekannt sein, aber auch bei den Fußballfans muss man sich erst beweisen.
Die ersten Bier mit Pauschi und Herzi bereiteten Franz aus DK noch keine
Probleme, doch als dann Luf die erste Flasche Wodka ins Spiel brachte, zeigte
unser Quereinsteiger die
ersten Probleme. Während die Pokerrunde ein Spiel nach
dem anderen zockte und immer lauter wurde, wurde Franz aus DK immer ruhiger. Den
Tankstop und den Fahrerwechsel in Klagenfurt bekam Franz aus DK nicht mehr mit,
obwohl er einige Minuten davor noch unbedingt einen Abstecher ins "Eve", einem
bekannten Nachtlokal in der Kärntner Szene, lautstark einforderte. Beim zweiten
Fahrerwechsel um 02.00Uhr früh nahe Venedig war es im Bus schon ziemlich ruhig.
Zwischen Verona und Brescia, wo wir 2003 auf der Fahrt nach Marseille einen Reifenplatzer hatten, war dann auch meine Fahrtauglichkeit am Ende
und wir
stoppten für eineinhalb Stunden die Fahrt an einer Raststation. Einige schliefen
im Auto, andere davor im Grünstreifen, nur Franz aus DK war schon halbwegs
ausgeschlafen und brauchte schon einen Kaffee. Nach zwei weiteren Stunden Fahrt
wurde dann bei Tagesanbruch auf Höhe Genua eine ordentliche Frühstückspause
eingelegt. Italienische Salami und antialkoholische Getränke wie Kaffee, Milch
und Kakao! wurden von den Fußballfans bevorzugt, da darf man sich nicht wundern,
dass der Eine oder Andere Probleme mit seinem Magen hatte, oder war es doch der Alkoholmix vom Vortag?
Um 10.00Uhr
vormittags erreichten wir Monaco und nachdem die Meisten von uns schon einige
Male in Monte Carlo waren, war es nur
ein kurzer Abstecher vorbei am berühmten
Casino und der Hafenpromenade mit den Yachten der neureichen russischen Oligarchen. Nun hatten wir noch 20km Küstenstraße nach Nizza vor uns. Auf der
Suche nach einem Badeplatz kamen wir nach Beaulieu-sur-Mer, einem kleinen aber
noblen Fremdenverkehrsort zwischen Nizza und Monaco. Der Zugang zum Meer
gestaltete sich schwierig, da die doppelgleisige Eisenbahnstrecke überquert
werden musste. So wurde es nichts mit einer einsame Bucht und wir parkten
unseren Bus zwischen teuren
Limousinen und Sportwagen vor dem offiziellen
Strandbad. Wir suchten uns am Strand einen schattigen Platz zum Rasten und
Relaxen. Die Meisten von uns nützten die Pause zum Baden im klaren Meer oder um
das Schlafdefizit der vorangegangenen Nacht aufzuholen. Jörg, Herzi und Pauschi
wollten in dem Ort ordentlich Essen gehen, doch Pauschi bekam mit seinem
nackten, muskulösen Oberkörper keinen Zugang in die Restaurants und so musste er
noch einmal zurück zum Strand um sich ein Leibchen zu holen. Aber so gut und
viel war dann das mickrige Steak um 22€ auch wieder nicht, als dass sich der
weite Fußweg gelohnt hätte.
Um 16.00Uhr war am
Parkplatz Abfahrt für die letzten Kilometer nach Nizza, wo uns die Atzgersdorfer
nach telefonischer Ankündigung
am Strandboulevard erwarteten. Doch Nizza ist
nicht umsonst so bekannt, denn der 6-spurige Boulevard erstreckte sich sicher
fünf bis sechs Kilometer die ganze Bucht entlang. Nachdem uns Oliver und Martin
von den Atzgersdorfern keine genauen Angaben über ihren Aufenthaltsort machen
konnten und wir den Strand schon zweimal abgefahren hatten, versuchten wir halt
nun das Stadion zu finden. Nach einer weiteren Irrfahrt durch die City mussten
wir dann einen Passanten nach dem Weg fragen. Der erklärte uns, dass das Stadion
in der Nähe der Autobahn im Norden der Stadt liegt. So fuhren wir weg vom Meer
durch halb Nizza, aber weder Flutlichter noch das Stadion selbst waren zu sehen.
Immerhin haben wir uns so eine teure Stadtrundfahrt erspart. Um 17.30Uhr, also
drei Stunden vor Spielbeginn fanden
wir dann das Stadion ganz zufällig, von
einer Autobahn war aber nichts zu sehen. Es waren schon einige italienische Tifosi vor Ort, österreichische Schlachtenbummler konnten noch keine ausgemacht
werden. Rund um das Stadion, das eigentlich mitten in einer Wohngegend liegt,
gab es etliche Getränkestände, aber auch einen Wirt´n in dem wir dann auch die
fünf Mann starke Atzgersdorf-Crew endlich trafen. Wieso dieses Match
Italien-Österreich in dem alten und baufälligen Stadion von OSC Nizza
stattfindet, wurde mit der Vergabe dieses Spieles an eine Werbe- und
Marketingagentur begründet. Die Eintrittspreise von 20-60€ schreckten doch die
meisten Einheimischen von einem Matchbesuch zurück, und so tummelten sich die
italienischen Fans auf den billigen Plätzen hinter den Toren und auf der
Gegengerade. Die teure Haupttribüne blieb bis auf die mit Freikarten
ausgestatteten Atzgersdorfer fast ganz leer, und für die ca. 120
österreichischen Fans wurde auf der gegenüberliegenden Tribüne ein kleiner Teil
ganz in der Ecke von den Italienischen Tifosi mit Absperrbänder abgetrennt.
Jörg und Andi mit y
hatten vor dem Spielbeginn noch einige Probleme mit dem Bulldogs-Transparent,
nach langem Kampf wurde der
Bulldogs-Banner doch nicht verkehrt herum sondern
mediengerecht am hohen Zaun befestigt. Außer uns Bulldogs und Atzgersdorfer
waren noch die Patriots, TGS und UU 99 Salzburg sowie die "Pielachtaler" mit
Transparenten vor Ort vertreten. Der große Rest der österreichischen Fans waren
mehrheitlich so genannte "Wallfahrer", einem Begriff aus den frühen 90er Jahren
für Urlauber, die halt zufällig ins Stadion kommen. Die Stimmung im Stadion war
trotzdem nicht schlecht, was aber nicht an den italienischen Ultras, die seit
kurzem unter Führung der eher rechtsgerichteten norditalienischen Vereine wie
Udine, Padua oder Hellas Verona versuchen, gemeinsam die Sqadra Azzurra zu
unterstützen, sondern eher am doch überraschenden Spielverlauf an diesem
Fußballabend. Dem großen Außenseiter Österreich gelang gegen den amtierenden
Weltmeister Italien völlig überraschend der 1:0 Führungstreffer. Unsere viel
gescholtenen Kicker wurden, lautstark unterstützt von den rot-weiß-roten Fans,
immer frecher und spielten in der ersten Halbzeit eine Bomben-Partie, die mit
der 2:0 Führung belohnt wurde. Auch im "Gästesektor" herrschte nun
weltmeisterliche Stimmung,
angetrieben von den violetten Fans der Austria aus
Salzburg und Wien gingen auch die "Wallfahrer" volles Programm und vielleicht
können einige dieser Fans auch für die Zukunft gewonnen werden (Virus hätte
sicher eine Wiedersehensfreude mit "seinen" Mädls!). Der unnötige 2:1
Anschlusstreffer vor der Pause trübte die Stimmung nur kurz, wer hätte vor dem
Spiel auch nur einen Euro auf eine Halbzeitführung unserer Jungs gewettet.
Erwähnenswert in der ersten Halbzeit ist auch noch ein Spruchband zu Spielbeginn
der Udine-Tifosi für ihre violetten Freunde aus Salzburg: "Salzburg ist komplett
Weiß-Violett!", das eindeutig für Tradition und gegen die Kommerzialisierung des
modernen Fußball steht.
In der zweiten
Halbzeit kamen dann die italienischen Stars um einiges besser ins Spiel, was
aber nach der mickrigen Leistung der Sqadra Azzurra in der ersten Halbzeit
nichts Besonderes war. Und hätte es nicht nach einem schweren Fehler von
Debütant Özcan im Tor den Ausgleich für Italien gegeben, wäre die ganz große
Sensation zum Schaffen gewesen. Die historische Chance auf einen Sieg gegen
Italien
wurde so leichtfertig vergeben und so blieb es bei einer mehr oder
weniger gerechten 2:2 Punkteteilung, mit der der neue Teamchef Brückler mit
seinen Assistenten Kocian und Herzog sicherlich bis zum wichtigen
Frankreich-Match gut leben kann. Für sieben Bulldogs und einem Quereinsteiger
ging es nach dem Match sofort wieder auf die Autobahn Richtung Genua. Auf der
ersten Raststation in Italien traf man noch etliche Tifosi, die genauso auf der
Heimreise vom Match waren. Mit ein paar Fahrerwechseln schafften wir die zweite
Nacht durchzufahren und so erreichten wir nach über insgesamt 2.400km und
dreizehneinhalbstündiger Heimfahrt wieder heimatlichen Boden. Für uns Bulldogs
sind solche Fahrten bereits Routine, mit Franz aus DK haben wir aber einen sehr
guten Joker gefunden, der vielleicht schon am 10.September beim nächsten
Auswärtsspiel in Litauen wieder sticht.
Martin/B.D. 92

BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2008
Weitere Fotos aus Nizza findet ihr im Fotoarchiv