Litauen - Österreich 2:0
9-11.09.2008 (Marijampole)
Dienstag 09. Oktober,
18.00, Treffpunkt zur Abfahrt nach Litauen. Doch außer Loci, Luf, Andi mit y und
war ist keiner pünktlich zur
Abfahrt erschienen. Die Wien-Fraktion um Jörg,
Ingrid und dem Rechtsanwalt kam schon zum Beginn der Reise zu spät. Mit 30
Minuten Verspätung ging es nach Parndorf, wo der Rest eingesammelt wurde. Mit
Virus und Lacki war nun der Bulldogs-Bus mit 8 Mann und einer Frau bis auf den
letzten Platz gefüllt. Den Abstecher nach Kittsee zu "Schiszler" und seinen
grünen Freunden hätten wir uns sparen können, denn nur groß reden kann bald
einmal wer, aber eine 15-18stündige Auswärtsfahrt gehört doch etwas länger
geplant!
So ging es erst gegen 20.00Uhr über die erste "Grenze" nach Bratislava. Nach einem kurzen Stopp am Grenzkiosk zum Vignetten- und Zigarettenkauf ging es auf der Autobahn flott Richtung Zilina. Doch in Povazska Bystrica hatten wir schon die erste Polizeikontrolle. Der slowakische Polizist machte sich wichtig, weil unsere Jungs nicht angeschnallt waren und wollte unbedingt abkassieren. Da er aber Euro verweigerte und keiner von uns slowakische Kronen hatte wurde noch einige Zeit intensiv verhandelt. Der Cop schaltete aber auf stur und schlussendlich war Ingrid unsere letzte Rettung. Nach dem Hinweis, dass wir auf dem Weg nach Litauen zum Fußballmatch waren, und Sie auch noch kurz ihren Ausweis ins Spiel brachte, salutierte der verdutzte Polizist kurz auf, gab uns sofort unsere zuvor abgenommenen Reisepässe zurück und wir konnten ohne Probleme unsere Fahrt fortsetzen. Ja so einfach geht das, man braucht halt nur die richtigen Leute mit an Bord! Von nun an ging es nur mehr langsam über Bundesstraßen nach Tschechien und kurz danach auch nach Polen. Nachdem die ganzen Oststaaten nun auch schon beim Schengen-Abkommen dabei sind, geht es nicht nur für die Verbrecher aus Osteuropa bequem ohne Kontrollen über die freien Grenzen, sondern auch wir Fußballfans können ohne Stau und lästige Grenzkontrollen in Europa ein- und ausreisen.
Über Kattowitz und
Czestochowa ging es auf der E75 Richtung Warschau. Die Strecke war für uns
nichts
neues, waren wir in den letzten Jahren mit unserer Austria doch zweimal
in Warschau. Um 02.00 Morgen suchten wir uns auf einem Autobahnparkplatz ein
ruhiges Platzerl zum Schlafen. Schlafsäcke raus, die besten Plätze besetzen und
versuchen ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Virus und der Rechtsanwalt waren
anscheinend noch nicht müde genug und holten sich mit polnischem Wodka die
nötige Dosis. Nach knapp dreieinhalbstündigem Schlaf ging es frühmorgens weiter,
aber nur bis kurz vor Warschau. Dort erwartete uns das allmorgendliche
Stauchaos. Knapp vor dem Flughafen Warschau, beim Zusammenschluss der E67 mit
der E77 ging überhaupt nichts mehr. Um halb zehn, nach über 2 Stunden für die
Stadtdurchfahrt von Warschau, hatten wir endlich wieder freie Fahrt Richtung
Litauen. Die gut ausgebauten Straßen in Südpolen gehörten hier der Vergangenheit
an und wir quälten uns über 10cm tiefe Spurrinnen oder Baustellen die letzten
300km zur litauischen Grenze. In Österreich ist kein Geld für Umfahrungen da,
aber Gott sei Dank sind die Polen nun auch schon bei der EU, und wir finanzieren
Ihnen neue Straßen.
Nach knapp 18 Stunden
Fahrzeit erreichten wir Litauen, Grenzkontrollen gab es wieder keine und nach
30km erreichten wir Marijampole, den Austragungsort des Matches
Litauen-Österreich. Und Ort ist der richtige Ausdruck für dieses Kaff, denn wenn
ich dieses Marijampole als Stadt bezeichnen würde, wäre zum Beispiel Mattersburg
eine Großstadt. Zum Glück hatten wir bis zum
Spielbeginn nicht allzu viel Zeit,
denn zum Sehen gab es in diesem Provinznest sowieso nicht viel. Eine Konditorei,
zwei kleinere Einkaufsmärkte, ein paar einheimische Kneipen und ein Motel an der
Stadtgrenze, das bereits fest in österreichischer Hand war. Die Atzgersdorfer
hatten hier bereits seit dem Morgen ihr Quartier bezogen. Nach einem kurzen
Willkommenstrunk an der Bar wollten auch wir uns einige Motelzimmer nehmen. Die
Betonung liegt auf wollte, denn das Motel war ausgebucht und so kam halt wieder
Plan A ins Spiel, aber dazu etwas später.
Nach weiteren
Getränken an der Bar war es nun Zeit ins Stadion zu fahren. Stadion ist
vielleicht nicht unbedingt der richtige Ausdruck,
aber würde Parndorf eine etwas
größere Tribüne bauen könnte doch auch Österreich einmal ein Heimspiel in der
Provinz bestreiten. Zurück zum "Suduva-Stadion" in Marijampole. Nachdem unser
Platz mitten auf der Haupttribüne unter den litauischen Fans gewesen wäre,
gingen wir freiwillig auf die kleine Tribüne auf der Gegengeraden. Zuerst wurden
noch auf dem Zaun hinter dem Tor unsere rot-weiß-roten Transparente angebracht,
danach wurde versucht auf dem Dorfplatz Stimmung zu machen. Bis zu Spielbeginn
hatten sich etwa 60 Österreich-Fans im Gästesektor eingefunden. Außer Bulldogs
und Atzgersdorfer, Pielachtaler, Viennola, ein paar grünen Groundhopper von den
Tornados und etlichen "Wallfahrer" war auch noch eine größere Abordnung aus
Salzburg vertreten. Einige der TGS dürften aber doch einiges über den Durst
getrunken haben, denn an der Hitze konnte es nicht liegen, denn zu Spielbeginn
um 21.30Uhr Ortszeit war es schweinekalt. Die Stimmung im Österreich-Sektor
hielt aber ordentlich dagegen, und
so eskalierte während der ersten Halbzeit
eine kleine verbale Auseinandersetzung im österreichischen Lager. Die
Salzburger, die in der zweiten Landesliga ja keinen Gegner haben, mussten sich
anscheinend gegenseitig etwas beweisen. Die litauische Polizei ging aber gleich
dazwischen und nahm vorübergehend einige Österreicher mit aufs Polizeirevier.
Nach einigem Warten auf die Englisch-Dolmetscherin, einem Alkohol-Test, einer
kurzen Niederschrift und einer Belehrung wurden die Fans danach wieder aus dem
Polizeigewahrsam entlassen. Dass Alkohol im Spiel war, steht außer Frage. Den
Rekord von 2,85 Promille Alkohol eines Salzburgers musste selbst der kleine
Oliver mit "nur" 2,5 Promille neidlos anerkennen. Fußball gespielt wurde
natürlich auch noch an diesem Abend, aber nur halt von den Litauern und so ging
das Match verdient mit 2:0 verloren.
Nach dem Spiel ging
es wieder per Taxi retour zur Motelbar. Dort kam dann der vorher angesprochene
Plan A ins Spiel. Nachdem
unsere 9 Leute kein Zimmer hatten, wurde die
Mannschaft auf die Atzgersdorf-Zimmer und dem Bulldogs- und Atzgersdorf-Bussen
aufgeteilt. Die Fans mit Schlafsack bekamen den Busplatz, der Rest ein Plätzchen
zwischen den Betten. Aber nach etlichen Bier und einigen Flaschen Wodka waren
die paar Stunden Schlaf für die Meisten doch zu wenig, denn bereits um 06.00Uhr
morgens begann die beschwerliche Rückreise. Im VW-Bus Konvoi ging es nun retour,
für eine kleine Abwechslung sorgte eine polnische Autostopperin, die uns im
Atzgersdorf-Bus knapp 200km bis zum Warschauer Flughafen begleitete. Aber auch
trotz heimischer
Reisebegleitung verfuhr sich Wudle im Zentrum von Warschau, bei
uns klappte es diesmal besser und wir schafften es in einer Stunde durch das
Nadelöhr Warschau. Nach einem ordentlichen Essen auf einer polnischen
Raststation waren dann auch die Atzgersdorfer wieder auf gleicher Höhe. Nachdem
wir unser Abblendlicht knapp vor Einbruch der Dunkelheit wieder provisorisch
reparieren konnten, stand der Fahrt durch die zweite Nacht nichts mehr im Wege.
Ohne Probleme ging es gemeinsam die restlichen Kilometer durch Tschechien und
der Slowakei. Nach einem langen Tag und 18 Stunden im VW-Bus wurde an der Grenze
in Kittsee mit einem Liedchen noch an unseren verhinderten Österreichfan
gedacht: Mami sagt nein - und Schiszler bleibt daheim!
Martin/B.D. 92

BULLDOGS UND ATZGERSDORF ON EUROPEAN TOUR 2008
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