Tobol Kostanay - Austria Wien 1:0

16-18.07.2008 (Kasachstan)
Nachdem die
österreichischen UEFA-Cup-Vertreter dieses Jahr aufgrund des schlechten
"Österreich-Koeffizienten" schon in der ersten Quali-Runde ran mussten, war
eigentlich schon vor der Auslosung klar, dass es wieder in den Osten gehen
würde. Diese Befürchtung wurde mit dem kasachischen Gegner Tobol Kostanay
bestätigt und so fiel eine günstige Anreise mit dem Bulldogs-Bus der großen
Distanz von über 3.500km Luftlinie zum Opfer. Es gab auch einige Linienflüge
über deutsche Städte, das sich bei einem Flugpreis ab 1.200€ aber auch
erübrigte. Die Austria versprach aber interessierte Fans im Charterflieger
mitzunehmen, der Preis sollte etwa zwischen 600-800¤ liegen. Von uns Bulldogs
meldeten sich 8 Fans zur Reise nach Kasachstan an, die Reisepässe wurden
abgegeben und alle
hofften auf eine positive Erledigung der Visaanträge. 5 Tage vor dem Abflug
wurde dann der endgültige fanfreundliche Preis mit 349€ für Mitglieder und 399€
für alle anderen Austria-Fans bekannt gegeben. Ich fahre jetzt schon seit 1992
zu den Europacupspielen der Austria, aber mit der Mannschaft bin ich noch nie zu
einem Spiel gereist, (ausgenommen ist ein Heimflug mit dem Austria-Charter vom
Match 1995 in Minsk, wo wir damals mit 10 Leuten 20 Stunden mit dem Zug
anreisten und nach dem Spiel vom damaligen Austria-Manager Werner Hebenstreit
zum Heimflug eingeladen wurden, Tschisi von den Atzgersdorfer wird dieses Match
wohl auch nie vergessen) weil es einfach immer zu teuer war. Aus diesem Grund
möchte ich mich im Namen aller mitgereisten Austria-Fans bei den
Austria-Verantwortlichen für das äußerst faire Angebot bedanken.
Einen Tag vor dem
Match traf sich die Austria-Delegation um 07.00Uhr morgens am Flughafen
Schwechat. Neben 19 Spielern und dem
Betreuerstab
und etlichen Kamera- und Presseleuten gab es auch unter den Austria-Fans fast
nur bekannte Gesichter. Außer uns Bulldogs waren noch vier Atzgersdorfer, Bertl
von den Donaustädtern, einige junge Austrianer rund um die Fanclubs Fanatics/Junge
Legion, Fedayn und Soccerholics sowie die zwei "Amateure-Mädls" mit an Bord der
französischen Charterlinie "Blue Line" von Wien nach Kostanay. Beim
viereinhalbstündigen Flug durch ganz Osteuropa wurden andauernd die Stewardessen
gequält, die durstigen Fankehlen mussten mit französischem Rotwein und Bier
versorgt werden. Nachdem wir einige gewitterbedingte Turbulenzen in der
Luft
gemeistert hatten konnten wir uns beim Landeanflug über der sonnigen,
kasachischen Steppe ein Bild über das neuntgrößte Land der Erde machen.
Abgesehen von der holprigen Rollbahn und dem alten Kolchosen-ähnlichen Gebäude,
das einem Flughafen so ähnlich ist wie ein Polski-Fiat einem Ferrari, erwartete
uns eine Abordnung altkommunistischer Zoll-, Polizei- und Grenzschutzbeamte mit
ihren lustigen übergroßen "Pizza-Kappen". Mit Polizeieskorte ging es danach
durch die Stadt und wie in den osteuropäischen Ländern oft noch üblich,
bedeutete das Blaulicht freie Fahrt durch die Stadt. Alle, großteils schon
ältere Autos, teils aus der guten alten Sowjetzeit (Moskwich, Lada, Tatra), aber
auch alte europäische Autos (1er und 2er Golf, alte Mercedes) ließen unseren
Buskonvoi problemlos passieren.
Kostanay ist eine
typische Osteuropäische Stadt, sinnlose und heruntergekommene Plattenbauten
altsowjetischer Baukultur mitten in der
ungepflegten Landschaft und alte
verrostete Fernwärmerohre prägten das Stadtbild. Obwohl es nur ca. 150km südlich
der russischen Millionenstadt Cheljabinsk liegt, hat doch ein Großteil der
Einwohner schon leicht mongolisch angehauchte Gesichtszüge. Auch die Bilder vom
kasachischen Präsidenten Abichuly Nasarbajew, der in Kostanay von jeder
Plakatwand lächelt, sind nicht zu übersehen. Gusi und Molterer könnten sich in
Österreich das sicher gar nicht vorstellen, aber Nasarbajew ist bereits seit
1990 im Amt und bekommt immer noch über 95% Zustimmung! (Ob es bei den Wahlen
demokratisch zugeht, möchte ich aber nicht beurteilen!)
Das Hotel entsprach
unserem mitteleuropäischem Standart, die Einzelzimmer waren im Gegensatz zu den
Doppelzimmer recht geräumig.
Nach dem Bezug der Zimmer ging es zu Fuß zum
Abschlusstraining ins Stadion, dss mit einem nicht alltäglichen Mannschaftsfoto
von Spielern, Trainer Daxbacher und den Fans endete. Auf dem Rückweg zum Hotel
entdeckten wir einen kasachischen Gartenschank. 20 Fans der Veilchen machten
sich im Schanigarten breit, Tische und Sesseln wurden zusammengestellt. Die
erste Flasche Wodka konnte man beim besten Willen nicht trinken, sie schmeckte
wie eine Mischung aus Diana Menthol und Klosterfrau-Melissengeist und war
wirklich nur zum Einreiben zu gebrauchen. Die drei anderen Wodkasorten im
Angebot entsprachen unseren Vorstellungen und so wurde es in kürzester Zeit ein
feucht-fröhlicher Abend. Bier, Wodka und gegrilltes Ziegenfleisch mit Zwiebel
und wieder Bier und Wodka prägten diesen Abend. Nach gezählten elf Bier in
dieser Kneipe für den "Satanisten" gab es von ihm noch eine
kurze Striptease
Einlage. Nachdem die alkoholischen Vorräte der Kneipe dem Ende entgegen gingen,
ging es nach den unterhaltsamen Stunden gegen 02.00Uhr Ortszeit zurück Richtung
Hotel. Doch neben unserem Hotel gab es ein kleines halblegales Geschäft, das
nach mehrmaligem Klopfen die Bestellung durch ein kleines Fenster entgegennahm.
Es gab äußerst günstige Getränke, z.B. zahlte ich für 5 große Bier, 2 Flaschen
Wodka und 2 Flaschen Sprite gerade einmal umgerechnet ca. 12€. Einige
bevorzugten für den Wodka-Test das Hotelzimmer, andere die Etagen-Bar im vierten
Stock und einige Fans blieben gleich bei der Gehsteigparty. Die Stimmung bei der
Gehsteigparty wurde immer besser und auch lauter und wie es
kommen sollte waren
neben einigen heimischen Nachtschwärmern auch bald die Hotelsecurity und die
Polizei vor Ort. Die Polizisten waren aber sehr freundlich und wiesen uns nur
auf die Lärmbelästigung hin. Mit den Cops und den auf der Straße aufgegriffenen Mädls ging es dann zurück ins Hotel, wo dann auch einige heimische "Schönheiten"
mit auf die Zimmer genommen wurden. Aus Datenschutzgründen kann und will ich auf
diese Vorfälle nicht näher eingehen, jeder der dabei war weiß um was es geht,
der Rest kann sich vielleicht auch vorstellen warum z.B. der Thomas schon um
05.30Uhr wieder aufstehen musste. Ein paar junge Austrianer versuchten sich in
der Zwischenzeit als Rockstars und probierten ob einige Gegenstände durch das
Fenster passen. Bei Bierflaschen und Aschenbecher war es klar, aber auch größere
Gegenstände wie der Zimmertisch passten durch das Fenster, den Rest erledigte
die Erdanziehungskraft und am nächsten Morgen die Polizei.
So war schon in der
Früh im Hotel wieder etwas los und auch die letzten, vom Alkohol
beeinträchtigten, Fans fanden
nach einigen
Stunden wieder den verloren
geglaubten Reisepass, den ein Zechkumpane zur sicheren Verwahrung noch
eingesteckt hatte. Für die meisten Fans ging es nun zur Stadtrundfahrt mit
inkludiertem Mittagessen (dieses Mal gegrilltes Pferdefleisch mit Zwiebel), der
Rest knotzte auf der Hotelterrasse bei günstigem Cola und Bier.
Danach ging es wieder
mit Polizeieskorte zum mit 8.400 Personen ausverkauften Stadion. Eigenen
Auswärtssektor gab es keinen, wir
standen mitten unter den Kasachen, abgeschirmt
von einigen Polizisten, die recht erstaunt waren, als wir unsere Transparente
auf den Sitzen auflegten. Wir konnten uns im ganzen Stadion frei bewegen, das
sind halt noch echte UEFA-Sicherheitsrichtlinien aus dem Jahr 1980, wo die
Kasachen noch zur UdSSR gehörten und wir in der Schule lernten, dass Kasachstan
in Asien liegt. Aber die Zeiten ändern sich und da es auch im Osten keine
Jausengegner mehr gibt, war unsere Austria mit der 0:1 Niederlage noch gut
bedient, da zwei Abseitstore von Kostanay aberkannt wurden. Wir versuchten zwar
in "unserem" Sektor für Stimmung zu sorgen, aber unsere Veilchen hatten diesen
Abend gegen Tobol nichts entgegenzusetzen und so ging dieses Spiel verdient
verloren.
Da das Match um 16.00Uhr MEZ angepfiffen wurde, waren wir bereits um 19.30Uhr unserer Zeit am Flughafen. "Duty Free" oder was Ähnliches gab es nicht einmal ansatzweise und so hob unsere Maschine gegen 20.30Uhr wieder vom kasachischen Boden ab und wir erreichten gegen 01.00Uhr den Flughafen Schwechat. Nach kurzem Schlaf ging es am nächsten Tag wieder zur Arbeit und nach dem glücklichen 2:0 Sieg beim Retourspiel gelang unserer Austria auch der Aufstieg in die zweite Quali-Runde, wo uns WIT Tiflis aus Georgien zugelost wurde, aber das ist wieder eine andere Geschichte!
Martin/B.D. 92
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BULLDOGS ON ASIEN TOUR 2008
Weitere Fotos aus Kostanay findet ihr im Fotoarchiv