Japan - Österreich 0:0 & Serbien - Finnland 0:0

7-8.09.2007 (Kärnten & Belgrad)
Bei diesem Freundschaftsspiel im Rahmen des „Turnier der Kontinente“ wurde am 7.September das neue Klagenfurter Stadion eröffnet. Kurios ist, dass das neue Stadion gleich zwei Namen erhalten hat. Bei Spielen vom Heimverein Austria Kärnten wird es Hypo-Arena genannt, während der EURO 2008 Klagenfurter EM-Arena. Aber das ist für uns Fußballfans ja nicht so wichtig. Vorerst gab es Probleme Karten für dieses Eröffnungsspiel aufzutreiben. Beim ÖFB wurden wir immer vertröstet, dass die Verkaufsmodalitäten rechtzeitig im Internet bekannt gegeben werden. Selbst zwei Wochen vor dem Spiel gab es noch keine Tickets im freien Verkauf, vielleicht hatten die Verantwortlichen auch Angst, dass die EM-Arena bis zum Matchtag nicht fertig wird, denn es wurde ja bis zur letzten Stunde vor dem Spielbeginn daran gearbeitet. Als dann der freie Verkauf begonnen hatte, war das Stadion innerhalb von einigen Stunden ausverkauft, ohne das wir Bulldogs uns Karten besorgen konnten.
Zum Glück hatte unser Präsident beim Tschechien-Ländermatch ein Gespräch mit dem ÖFB-Generalsekretär Gigi Ludwig und erzählte ihm von unserem Karten-Problem. Er hatte aber wenig Zeit und gab ihm nur seine E-Mail Adresse, wir sollten ihm gleich am nächsten Tag schreiben. Gleich nach dem Match, um Mitternacht, wies ich Herrn Ludwig auf unsere Situation hin und meinte, dass wir Bulldogs es verdient hätten, auch bei der Stadioneröffnung in Klagenfurt dabei zu sein, weil wir seit Jahren bei allen Österreich-Spielen live vor Ort waren. Weiters erwähnte ich, dass uns natürlich Freikarten am liebsten wären, aber wir auch bereit sind den regulären Preis zu bezahlen. Tagelang bekamen wir keine Antwort und wir planten eigentlich gar nicht mehr mit diesem Spiel, als mich nach einer Woche seine Sekretärin anrief und mir mitteilte, wir könnten die bestellten Karten abholen und dass es sich natürlich um Freikarten handelt. Auf diesem Weg möchte ich mich im Namen der 8 Bulldogs und einem Atzgersdorfer, die letztendlich die Reise im VW-Bus nach Klagenfurt antraten, beim ÖFB für die Gratiskarten bedanken!
Das Ländermatch in Klagenfurt war an einem
Freitag und da Tags darauf in über 20 Ländern EM-Qualifikation gespielt wurde,
versuchten wir unser Match gegen die Japaner mit einem weiteren Ländermatch zu
verbinden. Virus war für die Partie San Marino-Tschechien um sich einen neuen
Länderpunkt in der Groundhopper-Wertung abzuholen. Der Rechtsanwalt setzte sich
für das Match Italien-Frankreich in seinem Lieblingsstadion San Siro ein. Oliver
war für alles außer San Marino, da er bereits dort war und der Dorfplatz absolut
nichts zu bieten hatte. So wurden alle Vor- und Nachteile der Spiele an diesem
Wochenende abgewogen und wir entschieden uns letztendlich für die Partie
Serbien-Finnland.
Doch zuerst ging es nach Klagenfurt zu
Österreich-Japan. Obwohl auf der Autobahn der Wegweiser zur EM-Arena geradeaus
zeigte, fuhren wir bereits in Klagenfurt-Ost von der Autobahn ab und erreichten
über den Südring problemlos das neue Stadion. Wir parkten auf dem Parkplatz
eines Einkaufcenters und hatten noch ca. 1km zu Fuß zum Stadion. Von der
angekündigten verschärften Kontrolle der Polizei und Generalprobe für die EURO
haben wir nichts mitbekommen. Wir hatten Karten für Ost Sektor 2, nur gab es
auch nach langen Suchen keinen Eingang für diesen Sektor und so gelangten wir
beim Eingang Nord 15 Minuten vor Spielbeginn ins neue, aber nur halbfertige
Stadion. Das Geländer und die Ordner stellten kein Hindernis dar und so
gelangten wir zu dritt bis auf das Spielfeld hinter den Werbetransparenten um
unsere
Transparente zu befestigen. Die Ordner waren total überfordert, weil sie
so etwas ganz einfach nicht erwartet hatten. Nach Rücksprache mit der
Stadionverwaltung erlaubte uns der Chefordner die Transparente genau hinter dem
Tor aufzuhängen. Da auf diese Tribüne in der ersten Reihe noch einige Plätze
frei waren, wurden diese von uns gleich besetzt, und bis zur Halbzeit schafften
es auch Loci und der Rechtsanwalt nach einigen sinnlosen Stadionrunden zu uns.
Der Rechtsanwalt hatte schon ein kleines Alkoholproblem und Loci ganz einfach
Orientierungsschwierigkeiten, aber beide konnten im Stadion ohne Probleme von
einem Sektor zum nächsten gehen, ohne kontrolliert zu werden. Wo hier die
rigorosen Sicherheitsvorkehrungen sein sollen wissen Polizei und Ordner
vermutlich nicht einmal selbst.
Echter Fansektor kristallisierte sich
keiner heraus, da einfach fast keine echten Fans vor Ort waren und die Kärntner
sich halt nur
beim Eishockey wirklich auskennen. Außer Bulldogs, Atzgersdorf,
Maniacs, Patriots, Wien-Leopoldstadt und Kommando Kremstal waren keine der
üblichen Verdächtigen mit einem Transparent vertreten. Die Stadioneinweihung
wurde mittels Pyroeinlagen aufgewertet, der Rest war nichts besonderes, außer
das unser Bundeskanzler in Kärnten nicht allzu beliebt sein dürfte, weil die
Eröffnungsrede vom Gusi wurde ordentlich ausgepfiffen und ausgebuht, was mich
persönlich auch nicht störte, denn Politik hat im Sport nichts zu suchen und
unsere Politiker kommen sowieso nur zum Vip-Klub fressen und saufen.
Zum Spiel selbst ist es glaube ich besser,
wenn ich nichts dazu sage, da es im ganzen Match weder eine Torchance noch einen
Torschuss für Österreich gab und wenn die Japaner nur einen Bruchteil ihrer
Chancen verwertet hätten, es bereits eine ordentliche Abfuhr für unser
Nationalteam hätte werden müssen. Aber ohne Laufbereitschaft und Einsatz kann
einfach nichts herauskommen und wenn der Hicke mit seinen Jungs nicht bald Gas
gibt, sehe ich schwarz für die Heimeuropameisterschaft. Deshalb kann ich das
Pfeifkonzert der Zuschauer auch irgendwie verstehen, ich sage aber absichtlich
Zuschauer und nicht Fans, weil das Kärntner Publikum ganz einfach von der
Fußballszene null Ahnung hat und nicht einmal fähig war die einfachsten
Österreich-Rufe mit zu schreien.
Nach dem Schlusspfiff ging es beim VIP-Zelt vorbei zu unserem Bus. Das VIP-Zelt wurde von Raiffeisen gesponsert, was aufgrund der großen mit Helium gefüllten Luftballons nicht zum Übersehen war. Nachdem der erste Ballon schon beim Hingehen von uns entwendet wurde, konnten wir auch beim Heimgehen nicht daran vorbeigehen und so wechselte der Ballon den Besitzer und der Ballon sollte danach bis nach Serbien kommen, aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Nach dem Match in Klagenfurt machte sich
unsere Gruppe von 8 Bulldogs und einem Atzgersdorfer gleich direkt auf den Weg
Richtung Belgrad, wo am nächsten Abend die EM-Qualifikationspartie Serbien –
Finnland auf dem Programm stand. Mit dem entwendeten Raiffeisenballon an der
Heckklappe ging es ohne Probleme an einigen Polizisten, die an den Klagenfurter
Straßenkreuzungen Dienst machten, vorbei. Der steile Loiblpass stellte die erste
Hürde auf dem Weg nach Serbien dar. Mit Schrittgeschwindigkeit im ersten Gang
quälten wir unseren überladenen VW-Bus die steilen
Serpentinen zur slowenischen Grenze, die wir gegen Mitternacht erreichten. Nach
kurzer Passkontrolle erreichten 9 Fussballfans und ein geschmuggelter
Werbeballon Slowenien.
Nun ging es auf der neuen Autobahn recht
flott durch die erste Nacht, in den hinteren Reihen wurden auch aufgrund des
hohen
Alkoholpegels erste Ermüdungserscheinungen deutlich sichtbar. Die beiden
Beifahrer in der ersten Reihe, die eigentlich für Musik, Orientierung und zur
Unterhaltung des Fahrers vorne sitzen, hatten den Absturz schon hinter sich und
schliefen wie zwei Murmeltiere. Gegen 02.30 Uhr erreichten wir die Grenze nach
Kroatien, die wir nach kurzer, aber genauer Kontrolle erfolgreich passierten.
Langsam aber sicher wurde es im Bus ruhig, nur der Ballon flatterte im
Fahrtwind. Die einzige Unterhaltung in diesen Minuten für mich als Fahrer waren
die uns überholenden Autofahrer, die uns immer wieder mit Hupe und Handzeichen
auf den hinter uns herziehenden Ballon aufmerksam machen wollten.
Nach einer zweistündigen Pause irgendwo in
Kroatien machten wir uns auf die letzten 300km unserer heutigen Fahrt. An einer
Raststation knapp vor der serbischen Grenze wollten wir eigentlich
frühstücken,
das Angebot entsprach aber nicht den Erwartungen eines Fußballfans und so nahmen
wir dankend die serbische Bohnensuppe von Loci an. Am Menüplan stand frisch
gekochte Bohnensuppe aus der Dose, verfeinert mit österreichischer Kabanossi und
gewürzt mit Gratis-Pfeffer und Salz von der kroatischen Raststation. Die
bulgarischen Gastarbeiter, die hinter uns mit ihrem Bus parkten, beobachteten
uns mit großen Augen und leeren Magen. Frisch gestärkt ging es nun zur letzten
Grenze, an der uns ein über vier Kilometer langer Lastwagenstau erwartete. Zum
Glück war bei den Autos um einiges weniger los und nach einigen Minuten
Anfahrtszeit kamen wir zur serbischen Grenze. Dort erwartete uns ein alter,
anscheinend schlecht aufgelegter Grenzpolizist. Als er dann auch noch den
Ballon, den wir problemlos über zwei Grenzen gezogen hatten sah, machte er uns
mit grimmigem Blick darauf aufmerksam. Der mittlerweile ausgeschlafene Beifahrer
stellte sich total ahnungslos und musste aber trotzdem auf Anweisung des
Polizisten und unter großem Gelächter unsererseits den Ballon entfernen. Nun
waren wir natürlich fällig und mussten mit dem Schlimmsten rechnen, aber zum
Glück hatten wir ja auch noch unseren „Jugo“ mit. Lupo managte in perfektem
Serbisch die verzwickte Lage und erklärte dem verdutzten Polizisten, dass wir
auf dem Weg zum Match nach Belgrad sind. Offensichtlich war der gute Mann
genauso wie wir ein Fußballfan und er verabschiedete uns kopfschüttelnd aber
doch mit einem Grinsen.
An der ersten Tankstelle in Belgrad wurde
getankt, Geld gewechselt, stangenweise Zigaretten gekauft und zu guter Letzt
kamen wir
auch noch mit dem Tankwart, der sich als Fußballfan outete, ins
Gespräch. Gleich darauf ging es zum Marakana-Stadion, der Heimstätte von Roter
Stern Belgrad. Der VW-Bus wurde in unmittelbarer Nähe des Stadions an einer G´stettn geparkt, und als erstes wurden an der Stadionmauer unsere Spuren
hinterlassen. Danach umrundeten wir das von außen baufällig wirkende Stadion und
kauften uns an der Kassa die billigsten Karten um 400RSD (ca.5€) für die
Südkurve. Nach einem Besuch im Fanshop von Roter Stern begaben wir uns in die
Stadt zu einem gepflegten Mittagessen. Danach wurden noch einige Pubs
verunsichert und gegen 19.00 ging es retour zum Stadion, das schon von hunderten
Polizisten abgesichert wurde.
Nach der obligatorischen Stadionrunde und
dem Kauf diverser Fanartikel stellten wir uns zur Eingangskontrolle an. Unser
Sektor
war wie das ganze Stadion nur zu einem guten Viertel gefüllt, und da es
vor dem Match regnete, tummelte sich ein Großteil der Fans in den oberen Rängen
unter dem schmalen Tribünendach. Neben einigen österreichischen Fans versuchten
auch 15.000 Serbischen Fans und ca. 120 mitgereiste finnische Fans für Stimmung
zu sorgen, was sich in diesem riesigen Stadionoval als äußerst schwierig
gestaltete. Die Serben wurden nur laut, wenn sie von einer Tribüne zur anderen
sich gegenseitig „Srbija“ zuriefen. Die Finnen konnten sich im laufe des Spiels
immer lauter in Szene setzen, und die verachtenden „Are you homosexual?“ und
kurz danach „You are homosexual!“ Rufe der serbischen Hooligans konterten Sie
mit „YMCA-YMCA“. Das Spiel selbst war wenig berauschend, die Serben hatten zwar
eindeutig mehr Ballanteil, aber spätestens am 16er war Endstation und die Finnen
hatten aus den schnellen Kontern fast die besseren Torchancen. Nach dem 0:0 am
Vortag bei Österreich-Japan war das schon das zweite torlose Unentschieden
innerhalb von 24 Stunden. Damit erhielt die Chance der Serben sich für die EURO
2008 zu qualifizieren einen ordentlichen Dämpfer und hunderte Polizisten mussten
die finnischen Fans vor dem enttäuschten serbischen Mob schützen. Wir waren
wieder einmal mitten drin statt nur dabei und nachdem wir unsere Bulldogs-Fahne
vom Zaun genommen hatten, ging es an den Cops vorbei zum Bus.
Die Autobahn hatten wir noch nicht
erreicht, als beide Beifahrer schon wieder vom Schlafvirus gepackt wurden. In
den hinteren
Reihen
machte sich dieser auch bald breit, und bald waren alle
außer dem Fahrer von dem Virus befallen. Nach einem kurzen Halt an der letzten
serbischen Tankstelle, wo die letzten serbischen Dinar in Essbares und
Zigaretten eingetauscht wurden, hatten wir noch 400km ungarische Autobahn vor
uns. Um 05.00 Uhr Früh an der Grenze in Nickelsdorf musste sich ein
österreichischer Grenzbeamter noch einmal wichtig machen und ließ uns von der
EU-Spur umdrehen, weil wir vergessen hatten, dass wir ja auch noch unseren Jugo
an Bord hatten. Nun mussten wir uns mit den ukrainischen und was weiß ich noch
für welchen Gastarbeiter anstellen, um das Ego des vertrottelten Polizisten zu
befriedigen. An der anderen Spur gab es keine Probleme und wir erreichten
wieder österreichischen Boden.
Nachdem wir bereits 2001 bei Slowenien-Uruquay, Kroatien-Österreich sowie Bosnien-Herzegowina gegen Österreich und heuer nun bei Kroatien-Mazedonien und Serbien-Finnland waren, fehlen uns am Balkan nicht mehr allzu viele Länder, die wir, wenn sich dafür Zeit ergibt, in den nächsten Jahren abklappern werden. Alles in allem war diese Wochenendtour wieder ein interessanter und abwechslungsreicher Zeitvertreib, bei dem nach den zwei matten 0:0 Partien eigentlich nur die Tore fehlten.
Martin/B.D. 92

BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2007
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