SSC Napoli - US Lecce 1:0

2-4.06.2007 (Italien)

Nachdem wir schon seit über 10 Jahren einen Ausflug nach Neapel geplant hatten und immer irgendetwas dazwischen kam, war es am 2.Juni nun soweit. Oliver und Martin von den Atzgersdorfern und der „Rechtsanwalt“ der Bulldogs trafen sich Samstagabend am Wiener Südbahnhof. Am Bahnhof Wiener Neustadt bestieg ich mit zwei Paletten eisgekühltem Bier den Zug nach Roma Termini. Die Fahrkarten um 49€ für die Strecke von Wien nach Rom hatte Oliver schon vor einigen Wochen gekauft. Mehr Geld waren die extrem abgenutzten und verdreckten Waggons der italienischen Staatsbahn sowieso nicht wert.

Die Fahrt durch Österreich verlief bis Klagenfurt recht ruhig. Von Klagenfurt bis Villach versuchten eine junge Kärntner Punkerin und ihr Freund, denen wir freundlicher Weise ein Bier spendierten, uns von ihrer politischen Einstellung zu überzeugen, was aber von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Recht frustriert verließen sie in Villach unser Abteil. Der Biervorrat wurde langsam aber sicher weniger und die Mannschaft langsam aber sicher müde. Gegen 03.00Uhr Morgens, der Zug passierte gerade Bologna, wurde es im Abteil für einige Stunden ruhig. Nach kurzem Schlaf erreichten wir am Sonntagmorgen 10 Minuten vor der geplanten Zeit Rom. So hatten wir statt 30 Minuten sogar 40 Minuten Aufenthalt und nutzten die Zeit zum klassischen Frühstück bei Mc Donalds. Danach ging es mit einem modernen und sauberen Zug weiter in den Süden. Gegen 11.00Uhr erreichten wir Neapel und checkten am Bahnschalter gleich die Rückfahrt.

Statt dem erwarteten Sonnenschein und 30Grad erwartete uns Regen bei 20Grad. Der berühmte Vulkan Vesuv, an dessen Hängen Neapel gebaut wurde, war wolkenverhangen und nicht zu sehen. Am Stadtplan suchten wir die richtige Verbindung zum Stadion San Paolo. Mit der vollen U-Bahn ging es gemeinsam mit den Tifosi bereits zu Mittag Richtung Stadion, das ca. 8km außerhalb des Zentrums liegt. Da wir noch keine Matchkarten hatten und das Match schon ausverkauft war, galt es nun irgendwie Karten aufzutreiben. Einige Napoli-Fans, die wohl auch keine Tickets hatten, versuchten über eine ca. 6m hohe Mauer, an der ein Seil zum Anhalten hing, ins Stadion zu klettern. Als ich mir überlegte auch auf diesen Weg ins Innere zu kommen, fuhren aber die Carabinieri vor. Die zwei obersten Fans sprangen ins Stadion, der Rest gab Fersengeld und flüchtete. Ein unentschlossener Fan blieb stehen und wurde von den Cops mitgenommen. Nun mussten auch wir uns wieder um Karten umsehen. Am Schwarzmarkt war noch nicht allzuviel los, waren es doch noch zweieinhalb Stunden bis Spielbeginn. Der Rechtsanwalt wurde aber schon nervös und so schlugen wir beim ersten Angebot um 50€ pro Karte zu, obwohl ich riet bis Spielbeginn zu warten und wir hätten eine Stunde später tatsächlich Karten um die Hälfte bekommen. Bei leichtem Regen umrundeten wir das Stadion, gönnten uns ein paar Bier und stöberten bei den Fanstandln nach günstigen Napoli-Utensilien.

Als wir eineinhalb Stunden vor Spielbeginn unseren Sektor mitten in der Fankurve betraten, war das Stadion bereits bis auf den obersten gesperrten Rang mit 60.000 Tifosi randvoll, war es doch das letzte Heimspiel für Napoli in dieser Saison und hoffentlich auch in der Serie B. Bei einem Sieg heute gegen US Lecce standen die Chancen sehr gut nach fünf Jahren wieder in die Serie A zurückzukehren. Die Zeit zum Match nutzten die Napoli-Tifosi zum Genuss diverser naturnaher Rauchwaren. Vor und während des Matches wurde im Stadion sicher mehr geraucht als die Wiener Drogenfahnder je gesehen haben, kein Wunder wenn von den 60.000 Fans gut ein Drittel kifft.

Zu Spielbeginn gab es in der gegenüberliegenden Kurve eine tolle Choreo mit weißen und hellblauen T-Shirts und einem riesengroßen Ti amo Schriftzug, der danach auch das ganze Spiel durch zu sehen war. Bereits in der 7. Minute konnte Napoli, bei denen der junge Österreicher Garics auf der rechten Außenbahn recht gut mitspielte, in Führung gehen. Die Tifosi waren nun nicht mehr zu halten, war doch mit dieser Führung die Tür zur Serie A weit geöffnet. Wer nun aber glaubte mit der 1:0 Führung im Rücken würde Napoli groß aufspielen, wurde enttäuscht. Es folgte typischer italienischer Catenaccio und Napoli war nur mehr aus gelegentlichen Kontern gefährlich. Lecce kam immer besser ins Spiel und hatte einige gute Ausgleichschancen. So richtig Stimmung im Stadion kam eigentlich nur auf wenn es Schmäh- und Hasstiraden gegen den Erzfeind aus Verona gab. Sportlich blieb es beim glücklichen aber nicht unverdienten 1:0 Sieg für die Neapolitaner und da auch der direkte Gegner um den Aufstieg der AC Piacenza in Vicenza nicht verlor wurde die Aufstiegsfrage nun erst in der letzten Runde entschieden.

Nach dem Match strömten die Tifosi-Massen Richtung U-Bahn. Wir versuchten der Menschenmenge zu entgehen und fuhren mit einer anderen Linie, die jedoch nach bereits zwei Stationen ihre Endstation hatte. Dort warteten wir auf die nächste U-Bahn. Uns blieb nichts anderes übrig um uns ebenfalls in die total überfüllten Waggons zu drängen. Beim Halt in der nächsten Station stürmte ein junger Fan zum Notrufkasten, schlug diesen kurzerhand ein und rannte mit dem Feuerlöscher retour in den Waggon, in dem er auch die Funktionstüchtigkeit des Pulverlöschers testete. Auch wir konnten uns davon im dahinter liegenden Waggon überzeugen, als der Rauch und der Gestank sich langsam im ganzen Zug verbreitete. Danach erreichten wir zum Glück die Station am Bahnhof und verließen die verrückten Tifosi.

Die eine Stunde Zeit bis zur Rückfahrt nützten wir zu einem Bummel im Bahnhofsviertel, in dem die afrikanischen Schwarzhändler am Straßenrand das Stadtbild prägten. Die Wahl zwischen Burger und Kebab endete in einer Algerier-Kneipe, in der zwischen altväterischen Algerier-Führer Bilder, algerischen Fahnen und modernem Großflachbildschirm irgendein sinnloses Match gezeigt wurde. Neben nordafrikanischem Fußball bekamen wir einen ausgezeichnet scharfen Kebab serviert und auf die Frage unserer Herkunft waren die Murln recht erstaunt.

Zurück am Bahnhof wurde von der Polizei das rigorose Rauchverbot kontrolliert und Oliver und der Rechtsanwalt hatten Glück, dass Sie ohne Geldstrafe davonkamen. Ist irgendwie schon ein komisches Land, im Stadion kifft fast ein jeder und am Bahnhof werden die normalen Raucher schikaniert. Der Zug nach Venedig hatte über eine halbe Stunde Verspätung, was im Normalfall für italienische Verhältnisse als pünktlich zu betrachten ist. Zum Glück hatten wir für die Rückfahrt reserviert, denn der Zug war gerammelt voll und einige Italiener hatten einen mehrstündigen Stehplatz am Gang vor sich. Um halb sechs Uhr morgens erreichten wir Venedig und die Aufenthaltszeit nützten wir zu einem Besuch am Markusplatz, den wir schon um 07.00Uhr nach einem einstündigen Fußmarsch durch das verdreckte Venedig erreichten. Zurück ging es um einiges bequemer mit einem 6€ Ticket mit den bekannten Valporetto. (Linienschiff)

Die Rückfahrt mit dem Zug durch Italien war recht quälend, hatten wir bei 30 Grad Außentemperatur eine nicht funktionierende Klimaanlage und in den neuen österreichischen Waggons gibt es auch keine Fenster zum öffnen. Der verschlafene Kollege vom Bordservice, der vom durstigen Oliver recht unsanft aus seinem Schlaf gerissen wurde, konnte nur mit warmen Ottakringer-Bier und Cola aufwarten.

Nach knapp zwei Tagen war gegen 17.00 Uhr das Abenteuer Napoli für uns vier Austrianer beendet und nun hoffen wir bei der UEFA-Cup Auslosung auf Palermo um wieder den italienischen Süden zu verunsichern.

Martin/B.D. 92

BULLDOGS/ATZGERSDORF ON EUROPEAN TOUR 2007

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