Kroatien - Mazedonien 2:1

24-25.03.2007 (Zagreb)

Bereits im Oktober 2006 beim Match zwischen der Slowakei und Deutschland in Bratislava einigten wir uns auf den Besuch des Matches Tschechien-Deutschland in Prag. Doch an diesem 24. März gab es in ganz Europa etliche EM-Qualifikationsspiele und auch einige freundschaftliche Länderspiele. Das Spiel in Graz interessierte uns jedoch nicht im Geringsten. Da nach der Abspaltung Montenegros aus dem Staatenbund mit Serbien ein neuer Staat hervorging und dieser in Podgorica sein erstes Ländermatch gegen Ungarn austrug, wollten einige von uns auf jeden Fall die knapp 1000km nach Podgorica in Angriff nehmen, um bei diesem ersten Ländermatch Montenegros dabei zu sein und wie die Groundhopper sagen würden, einen neuen Länderpunkt einzustreifen. Aber für diese zweieinhalb-Tages-Tour brachten wir den VW-Bus nicht voll und so entschieden wir uns für eine neue, kürzere Alternative.

Samstagmittag trafen sich acht Leute der Austria-Fanklubs Bulldogs und Atzgersdorf um gemeinsam die 350km nach Zagreb in Angriff zu nehmen. Ziel war das EM-Qualifikationsmatch der Gruppe E zwischen Kroatien und Mazedonien. Über die S 31 ging es durch das mittlere Burgenland bis zur ungarischen Grenze nach Rattersdorf. Über Szombathey ging es durch Südwestungarn zur slowenischen Grenze. Im Grenzrestaurant in Lendava genehmigten wir uns ein äußerst billiges Menü um 4,20€. Nach einem „Lasko-Pivo“ in Slowenien ging es mit Schwechater Bier nach nur 10km zur Grenze nach Kroatien. Auch diese Grenze stellte keine Hürde dar und wir erreichten nach 200km Fahrt Kroatien. Über Cakovec und Varazdin erreichten wir gegen 17.30Uhr Zagreb. Das Maksimir-Stadion liegt direkt an der Bundesstrasse am Stadtrand von Zagreb. Bereits zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn war rund um das Stadion die Hölle los. Kroatische Fans bevölkerten den Straßenrand, von der mazedonischen Fangemeinde war auf der Straße nichts zu sehen.

Als Erstes versuchten wir auf legalen Weg Tickets für das Match zu bekommen, aber alle Kassen hatten geschlossen. Wir fragten Fans, Ordner, Polizisten und sogar einen Kameramann, aber alle deuteten an, dass das Match wohl ausverkauft wäre, aber eindeutig konnte uns das keiner bestätigen. Auf den Rundgängen rund ums Stadion konnten aber auch keine Schwarzkarten-Händler ausfindig gemacht werden. Doch auf den Weg in eine Fankneipe erblickten wir auf der Seite einen kleinen Container, der von Menschenmassen belagert wurde. Als wir näher kamen, konnte ich bereits einen Stoß Matchkarten im Inneren des Verkaufscontainers entdecken. Wir drängten uns kurzfristig vor und wollten unsere acht Karten in Euro bezahlen, aber die freundliche Dame verwies uns auf den Bankomaten an der nächsten Ecke. Rund um den Bankomaten hatten die Fanartikelverkäufer ihre Position bezogen und auch die Österreich-Connection konnte sich den kroatischen Verkäufern nicht entziehen und ließ sich einige weiß-rot karierte Fanartikel aufschwatzen. Als Kroaten-Fans verkleidet ging es zurück zum Ticket-Schalter Um 800 Kuna bekamen wir die ersehnten acht Eintrittskarten, umgerechnet etwa 14€ pro Stück. Nun hatten wir bis zum Spielbeginn noch über eine Stunde Zeit, die wir zu einem Bier in einem Fanlokal nutzten.

30 Minuten vor Matchbeginn begaben wir uns zurück zum Stadion zur Tribina Zapad Gore, der Haupttribühne. Die beiden kroatischen Fantribühnen waren bereits sehr gut gefüllt. Auch in der anderen Kurve machten sich die ca.600 mitgereisten mazedonischen Fans lautstark bemerkbar. Die kroatischen Kicker übernahmen gleich zu Beginn das Kommando und kamen zu einigen guten Torchancen, die aber nicht verwertet werden konnten. Und wie es im Fußball so ist, sollte sich das rächen. Bei einem Freistoß über 25 Meter patzte der kroatische Tormann und die Mazedonier gingen völlig überraschend mit 1:0 in Führung. Außer den Mattersburgern Naumoski und Sedloski, der sogar den Führungstreffer erzielte, gab es einen weiteren Österreicher, der diesen Abend noch im Mittelpunkt stehen sollte. Aber Österreichs „Top“-Schiedsrichter Konrad Plautz, der in einigen Situationen nicht gerade sattelfest wirkte, dürfte von den 40.000 kroatischen Fans doch einigen Respekt gehabt haben, denn nicht nur mit der roten Karte für Sedloski in der 68. Minute ließ er eindeutig Heimtendenz erkennen. Nachdem Srna bereits in der58. Minute den Ausgleich erzielte, drückte nun Kroatien vehement auf den Siegtreffer. Chancen um Chancen wurden herausgespielt und der Ball fand sogar ins Tor, nur war vorher schon das Match korrekterweise unterbrochen. Aber die Kroaten, die von den 40.000 Fans nach vorne gepeitscht wurden, gaben nicht auf und erzielten in der 88. Minute durch den eingebürgerten Eduardo doch noch den verdienten Siegtreffer. Nun war im Stadion die Hölle los, einige Bengalische wurden gezündet und landeten danach auch auf der Laufbahn, wo Sie von den Feuerwehrleuten sofort gelöscht wurden. Kroatien behielt mit dem 2:1 Sieg die Führung in der Gruppe E, da England in Israel über ein 0:0 nicht hinaus kam.

Auf dem Weg zurück zum Bus gab es noch einen kleinen Zwischenfall, als der „kleine Wudle“ in nicht mehr ganz nüchternen Zustand unbedingt das Absperrgeländer zwischen Gehsteig und Strasse überspringen wollte und voll auf den Hinterkopf landete. Aber er schaffte in leicht benommenen Zustand den Weg retour zu unserem Bus, den wir gleich um die Ecke in einem Firmenhof geparkt hatten. 

Auf der EU-Außengrenze zwischen Kroatien und Slowenien wurde diese von uns auf ihre Sicherheit getestet, in dem wir nur sieben Reisepässe aus dem Fenster zur Kontrolle den Grenzbeamten überreichten. Dieser kontrollierte zwar jeden Reisepass einzeln, dass aber acht Leute im Bus saßen war ihm nicht aufgefallen. Beim slowenischen Zollbeamten das gleiche Spiel mit den sieben Pässen, außer einer kurzen Kofferraumkontrolle gab es keine Beanstandungen und sieben legale und ein „illegaler“ Fußballfan reisten in die so sichere EU ein. An der slowenisch-ungarischen Grenze gab es genauso wie an der ungarisch-österreichischen Grenze so gut wie keine Kontrolle und der „Illegale“ war somit bereits in Österreich. 

Um halb drei Uhr Morgens ereichten wir wieder Schützen, wo noch das JVP-Heim unsicher gemacht wurde. Mit der Aktion „Popcorn für alle“ machten sich die „kroatischen Fans“ sofort beliebt. Der Müllsack voll mit Popcorn stammte übrigens noch aus dem Maksimir-Stadion und wurde von uns einfach entwendet und über drei Grenzen geschmuggelt. Nachdem bereits alle Heimischen nach Hause gegangen waren, war nun auch für die „Kroaten“ die Sperrstunde gekommen, doch nach Hause ging es noch nicht, da wir noch   unseren alten Kumpel Muck einen Besuch abstatteten. Er und seine Flamme wurden um 06.00Uhr morgens recht unsanft aus dem Bett geholt.

Die Sonne ging bereits auf und für die letzten „kroatischen Fans“ gingen langsam aber sicher die Lichter aus...

Martin/B.D. 92

Bulldogs/Atzgersdorf on European Tour 2007

Weitere Fotos aus Kroatien  findet ihr im Fotoarchiv

zurück zur Berichtübersicht