FK Jablonec - Austria Wien 1:1

30-31.08.2007 (Tschechien)
Nach dem glücklichen 4:3 Heimsieg über den tschechischen Cupfinalisten Jablonec war das Auswärtsmatch sportlich gesehen eine schwere, aber im Normalfall sicher auch eine lösbare Aufgabe. Den Vorgeschmack auf den tschechischen Fußball holten wir uns beim oben erwähnten Heimspiel gegen Jablonec und eine Woche darauf beim Ländermatch gegen Tschechien im Prater-Stadion. Ein Atzgersdorfer konnte bei diesem Ländermatch nur via Krankenhausfernseher dabei sein, ihm war das Spruchband: „OHNE WUDLE HAT FUßBALL KEINEN SINN“ gewidmet. Außerdem muss ich bei diesem Spiel ein Gespräch unseres Bulldogs-Präsidenten mit dem ÖFB-Generalsekretär Ludwig erwähnen, das beim nächsten Auswärtsspiel sehr wichtig werden sollte. Nach dem hart erkämpften 1:1 beim Ländermatch ging es eine Woche später nach Tschechien.
Der Bulldogs-Bus war wie bei den
Langstreckenflügen der AUA zu 110% ausgebucht, und auch fast alle angemeldeten
Fans
kamen
zur Abfahrt ins Cafe Violet. So machten sich Donnerstag morgens über 50 Leute
mit dem „All-inklusive-Bus“ der Bulldogs sowie acht Leute mit dem Bulldogs
VW-Bus auf den Weg nach Tschechien. Die erste Hürde, die
österreichisch-tschechische Grenze, konnte der Autobus problemlos passieren, da
der Buschauffeur gut eingeschult war und den Polizisten von einem Tagesausflug
nach Prag erzählte. Wir im VW-Bus gleich dahinter hatten nicht soviel Glück,
denn die Grenzpolizistin entdeckte bei unseren Leuten einen abgelaufenen
Reisepass. Als uns die Cops auch noch als Fussballfans enttarnten, verweigerten
Sie unserer Gruppe den vorläufigen Grenzübertritt. Wir mussten auf der österr.
Grenze umdrehen, doch wir hatten bereits einen neuen Plan. Nach einem kurzen
Telefonat mit Harakiri sollte die Sache geklärt sein. Unser Webmaster stieg aus
dem VW-Bus aus und wartete auf den nächsten Fanbus der Austria, der in etwa
einer halben Stunde die Grenze passieren sollte. Der einfache Trick dahinter
war, dass im großen Bus sicher nicht alle Reisepässe genau kontrolliert werden
würden. Wir passierten inzwischen nur mehr zu siebt die Grenze. In der
Zwischenzeit wurde der „Fanatics“-Bus von den Grenzpolizisten auseinander
genommen und fünf Fans wurde ebenfalls die Ausreise aus Österreich versagt.
Dieses Chaos nutzte unser Webmaster aus und passierte zu Fuß den österr.
Grenzposten. Danach stieg er im „Niemandsland“ in den „AV 99er“-Bus und setzte
seine Fahrt fort, da auch die tschechische Grenze kein Hindernis mehr
darstellte.
Nach über 7-stündiger Fahrt (für nur
410km), die alle 30 Minuten von einer Pinkelpause
unterbrochen
werden musste, erreichten beide Bulldogs-Busse gegen 14.30Uhr (der Webmaster
erst um 18:00Uhr) Jablonec. Das Stadion befand sich gleich am Ortsanfang und die
Busse wurden direkt beim Auswärtssektor geparkt. Die Fußballfans schwärmten in
alle Richtungen aus und bald war die Kleinstadt von den Austria-Fans regelrecht
belagert. Manche Wirte waren mit der Meute einfach überfordert und sperrten ihre
Lokale für Austrianer einfach zu. So teilte sich der Austria-Mob auf alle
Lokalitäten der Stadt auf, eine Gruppe um die „Conny-Partie“ versuchte ihr Glück
nach günstigem Bier in der Altstadt. Von weitem sahen wir in einer engen Gasse
einige Coca-Cola Schirme und machten uns auf den Weg in diese Kneipe. Es
handelte sich um eine Art Jugendtreff mit Billard-Tischen und jede Menge
Spielautomaten. Wir blieben gleich draußen im Schanigarten und bestellten die
erste Runde. Dies wurde schon von einigen zwielichtigen Typen beobachtet und
nach einigen hektischen Telefonaten wurden wir innerhalb einiger Minuten von
über 20 Freunden der dritten Halbzeit belagert. Jetzt stellte sich die Frage wie
wir in dieser klaren Unterzahl handeln sollten, um halbwegs heil aus dieser Lage
zu kommen.
Es blieb aber vorläufig alles ruhig und so bestellten wir noch eine Runde. Kurz darauf wurde die Lage immer unsicherer, die tschechischen Jungs grölten „rechtsradikal-Hooligans-Jablonec“ und die ersten zogen sich ihre Handschuhe an. Eingschuida beschloss Verstärkung zu holen und verließ so unauffällig wie möglich den Schauplatz. Nach einigen Minuten sammelten sich etliche erlebnis-orientierte Austrianer am Ende unserer kleinen Seitengasse. Dies blieb den tschechischen Hools nicht verborgen und sie beobachteten nervös unsere Leute. Als kurz danach eine handvoll Austrianer die Gasse herunterstürmte, sprangen die Tschechen auf und stellten sich in der Strasse. Im selben Moment sprangen auch wir auf und attackierten die Hooligans und obwohl sie noch immer eindeutig in der Überzahl waren, waren sie kurz vor dem Laufen als eine Polizeistreife mit Blaulicht dazwischen fuhr. Die Jablonec-Hooligans schrien sofort: „No Fight – Police“ und so endete der Kampf bevor er überhaupt begonnen hatte. Danach folgte unter strenger Beobachtung der Cops das in der internationalen Fußballszene mittlerweile übliche „Shakehands“ und man verabschiedete sich Richtung Stadion.
Auf dem Weg retour zum Stadion kamen wir an
einer Kneipe vorbei, die bereits von einer tschechischen Spezialeinheit der
Polizei
umstellt war. Im und vor dem Lokal befand sich der Austria-Pöbel unseres Busses.
In der Zwischenzeit trafen auch einige Jungs der Dresdner Szene bei unserem
Wirt´n ein. Gemeinsam ging es unter strikter Polizeibegleitung Richtung Stadion.
Da alle anderen Austria-Fanklubs bereits ihre Transparente am Zaun vor dem
Auswärtssektor befestigt hatten, blieb für unser Bulldogs-Transparent nur der
Platz darüber. Dies war den Ordnern zu hoch, da das Transparent der Polizei die
Sicht in den Gästesektor blockierte. Einige übermotivierte Ordner wollten das
Bulldogs-Transparent nach mehrmaliger Aufforderung wieder runter nehmen, hatten
aber nicht mit unserer Gegenwehr gerechnet und brauchten Unterstützung der
tschechischen Polizei. Auch unsere Fanpolizei versuchte zu vermitteln, wir
blieben aber stur und so blieb nach langen, zähen Verhandlungen mit den
tschechischen Ordnern und Cops das Transparent am Zaun.
Das Stadion blieb auch bei Spielbeginn noch
zur Hälfte leer, mit Unterstützung aus dem eigenen Lager konnten die Jablonec-
Kicker
also nicht rechnen. So wie unsere Mannschaft übernahmen auch wir Austria-Fans
das Kommando, und als wir kurz vor der Pause mit 1:0 in Führung gingen, war die
Stimmung am
Höhepunkt. Die ganze Halbzeitpause hindurch wurde in unserem Sektor durch
gesungen, so eine Stimmung bei einem Europacup-Auswärtsspiel habe ich schon
lange nicht mehr erlebt. Nach dem Ausgleich kurz vor Schluss wurde es sportlich
noch einmal eng, aber unsere Kicker brachten das Unentschieden glücklich über
die Runden. Die Mannschaft wurde noch lautstark gefeiert, danach ging es vor das
Stadion zu unseren Bussen. Die Strasse war von der tschechischen Spezialeinheit
zur Gänze abgeriegelt und selbst mehrere Versuche die Polizeisperre zu
durchbrechen, scheiterten an der harten Gangart der vermummten Cops. Von diesen
Polizisten könnte unsere österreichische Polizei für die Euro2008 noch einiges
lernen, denn sonst sehe ich einfach nur schwarz für unsere Polizei im Kampf
gegen die internationale Hooligan-Szene. Nach einer Stunde waren dann auch die
letzten Austria-Fans in ihren Bussen und der Heimreise standen nur mehr über 400
Autobahnkilometer im Weg. Kurz vor der österreichischen Grenze wurde noch eine
Raststation geplündert und gegen 04.00Uhr erreichten wir wieder Wien.
An diesem Freitag wurde aus den möglichen Gegnern AIK Stockholm, Saloniki, Litex Lowetch, FK Sarajevo und Valerenga Oslo uns letztgenannte Mannschaft zugelost und noch am selben Abend buchte ich für acht Leute der Bulldogs die Flüge nach Oslo.
Martin/B.D. 92

BULLDOGS/ATZGERSDORF ON EUROPEAN TOUR 2007
Weitere Fotos aus Jablonec findet ihr im Fotoarchiv