Frankreich - Österreich 1:0

28-29.03.2007 (Paris)
Als im November 2006 feststand, dass das freundschaftliche Ländermatch zwischen dem aktuellen Vizeweltmeister Frankreich und Österreich nun endgültig in Paris stattfindet, suchten wir uns einen günstigen Flug in die französische Millionenmetropole. Einige von uns buchten die Direktverbindung von Wien mit der Air Berlin, der Rest die zweite günstigere Alternative mit der Sky Europe von Bratislava, welche sich schlussendlich als ein großer Fehler herausstellen sollte.
Die Reise begann für zwei Fans von den
Atzgersdorfern und einem alten Bekannten aus den 90er Jahren bereits frühmorgens
in Wien
Erdberg. Mit dem Transferbus der Sky Europe ging es nach Bratislava, wo
bereits um 06.00Uhr der Abflug nach Paris erfolgte. Als sich der Rest der
Bulldogs und Atzgersdorfer zu Mittag am Flughafen Wien-Schwechat traf, machte
ein Gerücht aus Paris die Runde. Bei der Ankunft in Paris wurde einer der Gruppe
von der Polizei aus dem Flugzeug heraus verhaftet, nachdem er nach einer
schweren Meinungsverschiedenheit mit den Stewarts von diesen bereits während des
Landeanfluges mit Kabelbindern gefesselt und damit zur Ruhe gestellt wurde.
Näheres war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, da auch die beiden anderen
Zechkumpanen unter schwerem Alkoholeinfluss standen.
Obwohl wir mit Air Berlin gebucht hatten, ging es mit Fly Niki Richtung Frankreich. Gegen 17.00Uhr landeten wir am Flughafen Charles de Gaulles. Mit einem 24-Stunden Bahnticket um 17,05 Euro ging es mit der „blauen“ S-Bahn in die City Richtung Eiffelturm, wo sich die Österreich-Fans bereits sammelten. In den nördlichen berüchtigten Vororten von Paris waren nur Leute mit afrikanischen Wurzeln zu sehen. Die Bahnfahrer bestanden aus drei Viertel Schwarzafrikanern, der Rest hatte eindeutig algerische oder marokkanische Vorfahren. In der Nacht würde ich als Mitteleuropäer diese Region aber meiden, wie man in den Ö3-Nachrichten auf dem Weg zum Flughafen wieder bestätigt bekam. Rund 100 Jugendliche hatten sich am Vorabend mit der Polizei wieder eine stundenlange Straßenschlacht in der Nähe des Nordbahnhofes geliefert.
Wir passierten das Stade de France in St.
Denis und als nächstes den vorher erwähnten Nordbahnhof. Nach dem Umsteigen in
ST. Michel / Notre Dame ging es mit der U-Bahn weiter in das Zentrum. Bei der
nächsten Umsteigestation, wir hatten noch zwei Stationen bis zum Eiffelturm,
trafen wir, es war genau 18.00Uhr, auf eine Gruppe Österreich-Fans die schon
drei Stunden vor Spielbeginn sich auf den Weg Richtung Stadion machten. Die
Linzer und die zwei verbliebenen Sky Europe – Flieger warteten
noch unter dem
berühmtesten Eisenturm der Welt auf uns. Über den Verbleib des Sky Europe –
Hooligans konnten auch sie keine Angaben machen, da er auf die Anrufe nicht
reagierte, es wurde aber vermutet, dass er von den Cops schon wieder auf den Weg
Richtung Bratislava geschickt wurde. Nachdem der Eiffelturm auf der
Sightseeingliste abgehakt wurde ging es noch mit Virus zum Einchecken in sein
Hotel. Als Einziger hatte er eine günstige Unterkunft in Paris ergattern können.
Wir ersparten uns die 87 Euro für eine Nacht und spielten wieder einmal
Sandlerpartie.
Nun war es nur mehr eine Stunde zum
Spielbeginn und noch einige U-Bahn Stationen und zwei S-Bahn Stationen zum
Stadion. Da die
meisten französischen Fans nun die „grüne“ S-Bahn wählten,
schlossen wir uns der Mehrheit an, was sich als großer Fehler erwies. Denn bei
der Hinfahrt in die Stadt konnten wir von der „blauen“ S-Bahnlinie das Stadion
in der Nähe sehen, als wir bei der grünen Linie an der Station Stade de France
ausstiegen, hatten wir noch an die zwei Kilometer zu Fuß zum Stadion
zurückzulegen, dass wir 20 Minuten vor Spielbeginn erreichten. In der
Zwischenzeit meldete sich auch der verschollene Österreich-Fan, der von der
Polizei aus der Verwahrungshaft entlassen wurde und ebenfalls mit den Öffis auf
dem Weg Richtung Stadion war.
Virus hatte sich schon in Wien vom
Verkehrsbüro eine um 35 Euro aufgelegte Karte um fanfreundliche 49 Euro gekauft
und begab sich in den Österreich-Sektor. 14 € legte das Verkehrsbüro einfach als
Bearbeitungsgebühr drauf, was ich persönlich als riesengroße Schweinerei
betrachte und deshalb auch keine Karte in Wien mir gekauft hatte. So machten
sich Andi mit y und ich auf die Suche nach 2 günstigen Matchkarten. 15 Minuten
vor Spielbeginn fanden wir auch einen geöffneten Ticketschalter, an dem gut und
gerne sich 200
Fans um Karten angestellt hatten. Wir überlegten gerade, ob wir
uns vordrängen sollten, als uns der erste Schwarzhändler 2 Tickets um insgesamt
30€ anbot. Als wir schauten, ob die Karten überhaupt echt wären, waren wir schon
von lauter Schwarzhändler (und das im wahrsten Sinne des Wortes) umzingelt. Beim
Günstigsten, er bot uns zwei 16€ Karten um je 10€ an, schlugen wir sofort zu und
begaben uns auf dem schnellsten Weg zum Sektor. Kurz einmal vorgedrängt und wir
waren schon im Stadion, hatten noch 6 Minuten zum Spielbeginn und einige Hundert
Fans und die Polizeikontrollen vor uns. Die österreichische Hymne hörten Andi
mit y und ich im Gedränge mit den französischen Fans. Genau zum Spielbeginn
hatten es auch wir geschafft. Wir hatten um 10€ Karten im ersten Rang genau
hinter dem Tor ergattert. Die Österreich-Fans hatten sich halbrechts von uns im
dritten Rang in der Kurve gesammelt. Von Tornados, über UU, TGS, Oed-Zeillern
und Bulldogs reichten die Transparente der Fanklubs in der Österreich-Kurve,
einem nicht getrennten Sitzplatz mitten unter den französischen Fans. Die
Österreich – Connection, an die 200 Mann stark, versuchte vergeblich in dem
weiten Oval für Stimmung zu sorgen. Andi mit y und ich genossen unsere
Sitzplätze im ersten Rang unter den meist jugendlichen französischen Fans, die
lautstark den erst 19-jährigen, als neuen Superstar gefeierten Marseille-Spieler Nasri, anfeuerten. Auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz logisch, dass in
Paris ein Marseille-Spieler angefeuert wird, auf den zweiten Blick ist dann aber
alles klar. Nasri ist einer von Ihnen, Einer der den sozialen Aufstieg aus den
heruntergekommenen Einwanderervorstädten geschafft hat. Außer den Nasri und den
bekannten Allez les bleues- Rufen war es in dem mit 68.000 Fans gefüllten
Stadion recht ruhig.
Knapp vor Halbzeit testeten wir die
Stadionkantine auf ihre Fantauglichkeit. Als erstes stellten wir den
Einheitspreis fest. Vom Bier bis zum Hot Dog kostete fast alles genau 5€, so
kann man sich auch die lästigen Münzen ersparen. Zur Pause ging es Richtung
Österreich-
Sektor, und ein alter Bekannter aus Salzburg, der jetzt die
Salzburger Provinz unsicher macht, schleuste uns mit dem alten „Stadthallen“
Kartentrick an den Ordern vorbei in den rot-weiß-roten Sektor. Die
Anfeuerungsrufe der Österreich-Fans fiel aufgrund des Spielverlaufes immer
zögerlicher aus. Nach dem 1:0 Treffer der Franzosen gab es noch ein kurzes
Aufbäumen im rot-weiß-roten Fanlager, aber zu eindeutig dominierten die
französischen Jungstars unsere biederen Bundesligakicker. Wäre es ein EM oder WM
– Qualimatch gewesen, hätten die Franzosen ihre offensive Spielweise sicher noch
zu einigen Treffern genutzt und wir hätten die Heimreise mit mehreren Gegentoren
antreten müssen.
Nach dem Match trafen wir uns vor dem
Stadion wieder mit den kompletten Atzgersdorfern, und der Sky Europe – Hooligan
hatte
einiges zu erzählen. Gemeinsam ging es für unsere Gruppe, die kein Zimmer
gebucht hatte, mit der „blauen“ S-Bahn Richtung Süden zum Airport Orly. Obwohl
die Air Berlin-Flieger über Charles de Gaulles eingereist waren machten wir uns
mit den Sky Europe - Geschädigten und einem bekannten LASK - Fan aus Micheldorf
weit nach Mitternacht auf den Weg zum Flughafen Orly. Nach einigen kleineren
Problemen erreichten wir gegen 02.00 Uhr früh den Flughafen und hatten nun noch
einige Stunden bis zum Abflug vor uns. Nach einer kurzen Nacht und ca. 3 Stunden
Schlaf mitten in der Ankunftshalle sollte der Air Berlin Flieger um 08.00 Uhr
über Düsseldorf nach Wien die Rückreise antreten. Doch die unter „MDL“ fliegende
Air Berlin – Maschine hatte einige Verspätung und so zitterten wir um den
Anschluss in
Düsseldorf. Die Wartezeit verbrachte ich im Duty Free Shop und
kaufte noch einige Souvenirs, darunter 200ml Oliven-Öl, dass in einer
Eiffelturm förmigen Flasche abgefüllt war. Eigentlich nichts besonderes, aber am
Düsseldorfer Flughafen machten sich die Security Leute wichtig und nahmen mir
dieses Präsent ab, obwohl ich es in Paris im Duty free Shop gekauft hatte. Ein
Wort ergab das andere und plötzlich entwickelte sich aus diesem harmlosen
Wortgefecht ein handfester Streit, den erst die Polizei beruhigen konnte, und
deshalb blieb der Eiffelturm in Düsseldorf. In letzter Minute erreichten wir den
Anschlussflug nach Wien und waren um Punkt 12.00 Uhr wieder in Schwechat.
Auf der Heimfahrt mit dem Auto erfuhren wir vom Eingschuiden die neuesten Details der nicht zu enden wollenden Sky Europe – Geschichte. Beim Einchecken wurde dem mitlerweile amtlichen Sky Europe – Hooligan der Mitflug verwehrt, da ihm die Airline ein Flugverbot erteilt hatte. Zum Glück handelte er schnell und konnte mit Hilfe eines Freundes, der ihm von Wien aus via Internet ein Ticket ausgestellt hatte, einige Stunden später vom Flughafen C.D.G. mit einer anderen Airline auch die Heimreise antreten!
Martin/B.D. 92

BULLDOGS/ATZGERSDORF ON EUROPEAN TOUR 2007
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