Legia Warschau - Austria Wien 1:1

13-15.09.2006 (Polen)

Wie schon vor genau zwei Jahren war auch diesmal Legia Warszawa die letzte Hürde auf den Weg in die UEFA-Cup – Gruppenphase.  Der Unterschied zum vorigen Mal bestand darin, dass die Austria jetzt das erste Spiel auswärts hatte, und wir nicht mit dem VW-Bus sondern mit einem großen Bus die Reise antraten.

Nachdem Hannes, unser Stammbuschauffeur, diesmal ein doch zu teures Angebot für Warschau machte, suchten wir im Fanclub nach Alternativen. Doch unsere Anrufe bei diversen Busunternehmen waren nicht erfolgreich. Entweder waren sie sogar noch um einiges teurer als unser Stammfahrer, oder sie hatten Angst und wollten gar nicht mit Fußballfans fahren. Doch Hannes vom Violet trieb doch noch einen recht günstigen Bus auf, um den 65€ Fahrtpreis einhalten zu können.

Mittwochabend 22.00Uhr, Cafe Violet: Obwohl die Austria das erste Mal in der Klubgeschichte überhaupt am Tabellenende stand, trafen sich 30 Austrianer, darunter 9 Leute vom Austria Fanklub Bulldogs und sahen im TV gerade die Championsleague Übertragung, als die Meldung eines anderen Spieles für Aufregung sorgte. Unsere grünen Freunde aus der Vorstadt hatten soeben auf der Hohen Warte gegen die Vienna in der ersten Cuprunde im Elfmeterschießen den Kürzeren gezogen und damit aus dem Cup verabschiedet. Für den Wiener Fußball  schaut es also momentan nicht gerade rosig aus.

Um 22.30Uhr ist dann auch endlich unser Präsident mit seiner Begleitung beim Abfahrtsort erschienen und die Reise Richtung Polen konnte losgehen. Die erste Grenze zur Slowakei stellte kein Hindernis dar und es ging recht flott weiter Richtung Polen. Auch die polnischen Grenzbeamten wollten diesen Abend nicht so richtig, und so konnten wir wieder ohne Kontrolle die Grenze passieren. Nach zwölf Stunden Fahrzeit erreichten wir am Vormittag Warschau. Einige Leute machten eine Stadtbesichtigung, der Großteil begab sich wie fast immer zum nächsten Wirt´n. Dort gab es günstiges Bier und gute Hausmannskost.

Um 15.45Uhr war schon Treffpunkt zur Abfahrt Richtung Stadion, da bereits um 17.30Uhr Spielbeginn war. Die Abfahrt verzögerte sich um über 45 Minuten, da einige Fans den Weg zurück zum Busparkplatz fast nicht mehr fanden. Walter „die Schwachstelle“, „hauptberuflich“ Ordner bei der Austria, schaffte weder den Weg zum Busparkplatz noch ins Stadion und wurde an diesem Tag von uns nicht mehr gesehen. Mit den zwei anderen Bussen, einer von den Soccerhoolics, der andere eine Gemeinschaftsfahrt von Altspatzen, Boys Viola und Fanatics, ging es per Polizeieskorte zum Stadion. Dort gab es diesmal kein günstiges Bier. Bei Pepsi-Cola und holzkohlen-gegrillten Würstel saßen die Fans auf Plastiksessel und Tischen beisammen. Die lustige Stimmung wurde nur kurz von Gregor und dem „Rechtsanwalt“ unterbrochen, da beide leichte Auffassungsunterschiede über den internationalen Fußball hatten. Einer schoss mit dem Senfkübel Richtung Bayern-Fan, der andere mochte eben keinen kroatischen Fußball. Doch die lautstarke verbale Auseinandersetzung konnte von den anderen Bulldogs rasch bereinigt werden.

Bis zum Spielbeginn trafen in etwa 120-150 Austrianer im Auswärtssektor, der mit einem 6m hohen Zaun gesichert ist, ein. Zur Überraschung aller ging unsere Austria dieses Mal sogar mit 1:0 in Führung. Doch ein Konzentrationsfehler knapp vor der Pause, die in diesem Spiel sonst recht sichere neu formierte 3er-Abwehrreihe brachte den Ball nicht weg, und Legia glich durch einen für mich haltbaren Weitschuss aus. In der zweiten Halbzeit tat sich auf dem Rasen nicht mehr viel und somit blieb es beim gerechten 1:1. Mit diesem wichtigen Auswärtstor im Gepäck konnte es nun nach Hause gehen. Doch zuerst mussten wir noch minutenlang im von der Polizei total abgeriegelten Auswärtssektor ausharren. Endlich durften die Austrianer das Stadion verlassen, doch gleich nach dem Sektorausgang versperrte eine Polizeikette den Weg. Die Wartezeit in der Allee wurde mit sinnlosen Gesängen: „Allee- Allee- Eine Strasse mit Bäumen, ja das ist eine Allee“ verkürzt. Danach ging es zu den von der Polizei bestens abgeschirmten Bussen. Von den berühmt berüchtigten polnischen Fans war diesen Abend nichts zu sehen, zu viel Polizei-Aufgebot war auf den Straßen. Wir nahmen die Atzgersdorfer noch einige Kilometer stadtauswärts in unserem Bus mit, da Wudle und Co, die mit dem VW-Bus schon am Vortag angereist waren, noch eine Nacht in der Warschauer Vorstadt vor sich hatten.

Die Heimfahrt verlief im Gegenzug zur Anreise recht ruhig. Gerade einmal auf der tschechischen Grenze wurde das kollektive Schlafen von einem übermotivierten Zöllner gestört, erst wollte er alle Reisepässe sehen und als er es dann geschafft hatte, dass alle munter waren, stieg er einfach wortlos aus. Unser Buschauffeur war jedoch auch die zweite Nacht hellwach und schaffte die Strecke in Rekordzeit von nur 10 Stunden. So waren wir schon um 07.00Uhr wieder in Wien.

Auch „die Schwachstelle“ schaffte es 24 Stunden später per Zug nach Wien. Als er noch recht beschwipst am Bahnhof in  Petrzalka statt in den Zug nach Wien wieder in den Zug retour nach Kattowicze stieg, hatte er den Jackpot dieser Reise abgeschossen und eine 20-stündige  Irrfahrt durch die Slowakei und Polen gewonnen!

Nun hoffen wir auf ein ähnlich gutes Heimspiel um in die UEFA-Cup – Gruppenphase aufzusteigen, und wir somit noch zwei Mal in diesem Jahr Europa verunsichern können.

Martin/B.D. 92

BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2006

Weitere Fotos aus Warschau  findet ihr im Fotoarchiv

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