Espanyol Barcelona - Austria Wien 1:0

12-14.12.2006 (Spanien)

Nachdem unsere Austria die ersten drei Gruppenmatches bereits verloren hatte, ging es im letzten Auswärtsspiel in Barcelona gegen Espanyol nur mehr um die sprichwörtliche goldene Ananas. Aus sportlicher Sicht war also nichts mehr zu holen und so hatten einige Fans schwere Motivationsprobleme, die Reise nach Spanien anzutreten. Einige Flüge wurden kurzerhand storniert und auch wir hatten Probleme den Bulldogs-Bus voll zu bekommen, da am Wochenende nach der Salzburger Niederlage zwei Fans kurzfristig absagten. Dafür bin ich ja schon einigermaßen vorbereitet, denn bei neun Leuten muss man aus Erfahrung eigentlich immer mit einem Ausfall rechnen. Für den über 4000km-Trip nach Spanien sind aus Komfortgründen ohnehin acht Leute mehr als genug, deshalb wurde einen Tag vor der Abfahrt fieberhaft nach einen Ersatzmann gesucht und in dem Veteranen Herzi auch gefunden. 

So machten sich Dienstag früh morgens außer Herzi noch unser Webmaster Mani, Ersatzfahrer Andi mit y und meine Wenigkeit auf den Weg nach Wien, wo der Rest der Meute von der U-Bahn Station Schöpfwerk um 06.00Uhr abgeholt wurde. Erich, der „Rechtsanwalt“, wartete bereits pünktlich am Treffpunkt, unser Präsident Jörg, Ingrid und der „kleine Oliver“ waren noch mit der U-Bahn unterwegs und hatten sich um einige Minuten verspätet. Vom Ersatzmann Herzi waren alle überrascht galt er doch einige Jahre als Fixstarter im Bulldogs-Bus aber in den letzten Jahren wurde es ruhig um den einstigen Auswärtsspezialisten.

Ohne Zwischenstopp ging es durch Österreich bis zur ersten Pause knapp vor der italienischen Grenze, doch der internationale Burgerdealer am Autobahnparkplatz hatte an diesen Vormittag zur Enttäuschung der Fans noch geschlossen. Über Udine und Padua ging es recht zäh Richtung Brescia. Zwei durch recht schwere Unfälle ausgelöste Staus kosteten uns mindestens eineinhalb Stunden. Nach 1000-Autobahnkilometer passierten wir genau nach dem ausgerechneten Zeitplan um 18.30Uhr Genua, danach ging es Richtung Cote d´Azur nach Frankreich. Monaco, Nizza, Cannes und andere bekannte Orte wurden passiert, interessierten uns Austria-Fans aber nicht im Geringsten. Die Fahrt verging auch durchs Kartenspielen recht schnell und so waren wir schon knapp vor Mitternacht auf den Weg Richtung spanische Grenze, als wir einstimmig beschlossen, einen kleinen Umweg über Andorra vorzunehmen.

Von nun an wurde der Bus durch die Pyrenäen auf steilen und kurvigen Gebirgsstraßen gequält. Über enge Kurven und Serpentinen ging es nun von Perpignan an ca. 130km bergauf durch die bitterkalte Nacht. Knapp vor 03.30Uhr legten wir mitten in den Pyrenäen eine wohlverdiente Pause ein. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wagten sich die beiden Fahrer mit ihren Schlafsäcken ins Freie, der Rest kuschelte sich im Bus zusammen. Nach zwei Stunden war es im Bus genauso „warm“ wie im Freien und an ein weiteres Schlafen war nicht mehr zu denken. Ab 06.00Uhr ging es weiter bergauf nach Andorra. Nur mühsam vergingen Kilometer um Kilometer, kein Wunder bei einem Durchschnittstempo von nicht einmal 40km/h, aber nach zwei Stunden meisterten wir den fast 2000m hohen Col de Puymorens, die letzte Hürde vor der Grenze. Auch auf der nur halbherzig mit Salz gestreuten und immer noch eisigen Straße rauf nach Andorra hatten wir mit unseren Sommerreifen keine Probleme mehr. Bei inzwischen herrlichen Sonnenschein und -6 Grad Celsius passierten wir ohne Kontrolle die Grenze und erreichten den Ski und Einkaufsort Pasa de la Casa. Als erster wurde ein Supermercato gestürmt, eigentlich ein riesiger Spirituosen und Zigarettenmarkt. Bei Zigarettenpreisen wie vor 30 Jahren (z.B.: Eigenmarke Brooklyn ab 10,40€ , Chesterfield oder Lucky Strike ab 16,50€ pro Stange) wurde ordentlich eingekauft. Danach wollten wir eigentlich zum Mäci, der hatte aber noch geschlossen und so begaben wir uns zum Aufwärmen in eine Hotelbar. Die ersten Skifahrer und Snowboarder, soeben erst aufgestanden, waren über uns österreichische Fußballfans doch recht erstaunt. Nach einer weiteren Einkaufstour im billigen Einkaufsparadies und dem verspäteten Frühstück beim Mc Donalds war um 11.00Uhr Abfahrt für die letzten 250km nach Barcelona.

Mit 20 Stangen Zigaretten und etlichen Flaschen Hochprozentigen an Board wurde die Grenze zwischen Andorra und Frankreich sowie der Col de Puymorens noch einmal ohne Probleme überquert, danach ging es durch das „Rapiddorf“ UR zur französisch-spanischen Grenze nach Bourg-Madame. Dort erlebten wir den nächsten Höhepunkt der Reise als wir kurz nach der verwaisten Grenze von zwei spanischen Polizisten beim ersten Kreisverkehr angehalten wurden. Aus der Verkehrskontrolle wurde eine 30-minütige Personenkontrolle – Austria-Fans sind in Spanien seit den Bilbao und Saragossa-Spielen vor zwei Jahren, von denen in spanischen Zeitungen nur von gewaltbereiten, nationalen und rechtsradikalen Austria-Fans berichtet wurde, sogar den spanischen Provinzpolizisten bekannt. Auf die in äußerst schlechten englisch gestellte Frage: „ Are you hooligans?“ wurde noch gelächelt, die nächste Frage: „You know – big man – with tattoos – old hooligan?“ konnte sich die Mannschaft vor Lachen nicht mehr zurückhalten. Da wusste selbst der Polizist, dass wir die beschriebene Person, Wudle war damals mit nacktem Oberkörper in einer spanischen Tageszeitung abgebildet, kannten. Auf die nächste Frage: „Your friend?“ gaben wir dem Cop unter extremen Gelächter eine ebenfalls blöde Antwort: „We know him – but no friend!, und Oliver meinte sogar sein Fanclubchef Wudle brauche erst gar nicht nach Barcelona zu fliegen, am Flughafen würde er sowieso sofort erkannt und verhaftet werden. Nachdem wir unsere Reisepässe nach der langwierigen Personenabfrage wieder zurückbekamen, standen nur noch 200km Richtung Barcelona auf dem Weg.

Gegen 15.00Uhr erreichten wir die katalanische Metropole und da wir vor zwei Jahren vor dem Bilbao-Match bei einem Abstecher nach Barcelona das spanische Ligaspiel Espanyol gegen Albacete gesehen hatten, wussten wir über die geographische Lage des Estadi Olympic de Montjuic Bescheid. Da wir aber diesmal von einer ganz anderen Seite Barcelona erreichten, hatten wir trotzdem kurze Orientierungsschwierigkeiten und fragten auf einer Kreuzung einen  Taschentuch-Verteiler. (richtig gelesen – Taschentuch-Verteiler)  Durch Zufall hörte ein Bäcker in seinem Lieferwagen zu und deutete, wir sollten ihm folgen. So ging es durch den dichten Verkehr recht flott zum Stadion, dass der Bäcker mit frischen Brötchen belieferte.

Der Bus wurde direkt vor dem Stadion geparkt, die beiden Fahrer versuchten im Bus ein paar Stunden zu schlafen, der Rest machte sich zu Fuß auf den Weg zum Lokalrivalen Richtung Nou Camp, wo im FC Barcelona Fanshop teilweise sinnlose Fanartikel zu weit überhöhten Preisen angeboten und auch gekauft wurden. Beim Rückweg vom Nou Camp zum Olympia-Stadion kam es zu einem kleinen Zwischenfall mit zwei jungen Mopedfahrern, die Jörg mit seinem Barcelona-Sackerl beim Abbiegen gestreift haben soll. Die heißblütigen Katalanen sprangen von ihren Mopeds und wollten mit ihren Sturzhelmen in der Hand auf Jörg losgehen. Der Zwischenfall ging aber für alle Beteiligten glimpflich aus.

Währendessen wurde unser kurzer Schlaf von Wudle und seinem „Lehrbuben“ Thomas jäh unterbrochen, als sie lautstark auf die Fenster unseres mit Vorhängen zugezogenen „Wohn und Schlafmobils“ klopften. Darauf ging es mit den Atzgersdorfer über die Strasse zur Würstelbude beim Stadion, bei der aber hauptsächlich Bier und Wodka ausgeschenkt wurde. Der Alkohol machte sich schon bei einigen Austria-Fans bemerkbar, die bereits recht müde und angeschlagen in den Plastiksesseln lümmelten. Von Espanyol-Fans war vor dem Spiel fast nichts zu sehen, wen interessiert schon ein Match gegen die Austria, wenn am darauf folgenden Wochenende der Schlager gegen die Stars von Real Madrid auf dem Programm steht.

Knapp vor Spielbeginn ging es zum Auswärtssektor in das große Oval, in dem an diesen Abend jeder Fan einzeln begrüßt hätte werden können. Von den insgesamt nur ca. 3000 Zuschauern kamen an die 150 aus Österreich um die Austria zu unterstützen. Im großen, bis auf die Haupttribüne unüberdachten Stadion, konnten auch die motivierten Austria-Fans nur bedingt für Stimmung sorgen. Es waren diesmal etliche Austria-Fanclubs anwesend, erwähnen möchte ich aber auf jeden Fall den Austria-Fanclub Violet Friends Fischamend, die außer uns als einzige ebenfalls mit einem Kleinbus und nicht mit dem Touristenflieger nach Barcelona gekommen waren. Mit dem Urlaubsflieger Air Berlin über Mallorca kam von uns Bulldogs noch Bernhard und mit dem Mannschaftsflieger am Vortag der „Satanist“ nach Barcelona. So waren schließlich acht aktuelle und mit Virus und Herzi zwei ehemalige Bulldogs-Mitglieder unter den mitgereisten Austrianern. Einige Fanatics versuchten mit den Boys Viola vergeblich für Stimmung zu sorgen, aber auch die kleine Espanyol Fankurve konnte keine Akzente setzen. Das Spiel auf dem Rasen konnte uns Fans auch nicht erwärmen und es roch nach dem ersten Unentschieden für unsere Veilchen, aber durch ein glückliches Tor wurde auch dieses Spiel zu Gunsten von Espanyol entschieden. Auch nach dem letzten Spiel standen somit null Punkte auf unserem Kontostand und der letzte Platz konnte damit so wie in der Meisterschaft klar abgesichert werden!

Nach dem Match ging es gleich wieder zu unserem Bus. Mit Bernhard, den wir noch in die City mitnahmen, ging es vom Stadion zum Placa d´Espagna. Auf einem Zebrastreifen wären uns fast noch ein paar Austrianer, unter ihnen der Duras Fritzl, ins Auto gelaufen. Kurz danach wurde Bernhard aus dem Bus geworfen und wir fanden auch noch den Weg zur Autobahn. Nun hatten wir nur noch 1850km Richtung Wien vor uns. Die zweite Nacht wurde komplett durchgefahren und der erste Kaffee zum Frühstück am Morgen wurde bereits in Italien auf einer Raststation getrunken. Auch der Morgennebel lichtete sich und so ging es bei strahlendem Sonnenschein durch Italien. Die letzte Tankpause bei Piacencza nützte der kleine Oliver um sich für den 24. März auszurüsten. Am Nachmittag erreichten wir wieder Österreich und bei der ersten Raststation freuten sich schon alle auf die Leberkässemmeln. Nach 21 Stunden Fahrzeit erreichten wir um 20.00Uhr wieder Wien-Meidling, wo die Wien-Fraktion der Bulldogs verabschiedet wurde.

Zusammengefasst stand heuer für uns Bulldogs eine recht abwechslungsreiche, wenn auch sportlich weniger erfolgreiche, Europacupsaison mit Ausflügen in den Süden (Lissabon, Barcelona), in den Osten (Warschau) und in den Westen nach Amsterdam auf dem Programm. So wie es derzeit bei unserer Austria ausschaut, wird der Barcelona-Trip wohl der letzte internationale Auftritt in der nächsten Zeit gewesen sein, denn wenn sich unsere Kicker nicht bald den Arsch für unsere Austria aufreissen, ist selbst der UI-Cup in weite Ferne gerückt und an einen Abstieg in die Red Zac – Liga und Auswärtsfahrten nach Parndorf oder Gratkorn will ich gar nicht denken!

Martin/B.D. 92

BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2006

Weitere Fotos aus Barcelona  findet ihr im Fotoarchiv

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