MSK Zilina - Austria Wien 1:2

11-12.08.2005 (Slowakei)
Schon vor der Auslosung zur ersten Qualifikationsrunde im UEFA-Cup war mit ziemlicher Sicherheit klar, dass die nächste Europacupreise wieder in den ehemaligen Ostblock führen wird. Von den insgesamt 12 Mannschaften in unserer Auslosungsgruppe war nur unsere Austria und der FC Zürich nicht aus dem ehemaligen Ostblock. Die anderen Mannschaften kamen aus Russland, Weissrussland, Moldawien, Georgien, Ungarn und der Slowakei. So war von Anfang an neben Sopron Zilina unser Wunschgegner um uns schon in der ersten Runde eine lange und schwere Auswärtsfahrt zu ersparen. So bekamen wir wirklich einen unserer Wunschgegner zugelost. Nachdem dann von der sportlichen Leitung der Austria das Heimrecht gedreht wurde, ging es am 11. August zur ersten internationalen Auswärtsfahrt der Saison 2005/2006.
Zur Mittagszeit traf sich der Fanclub Bulldogs im Cafe Violet. Mit dem vollbeladenen VW-Bus ging es über die A4 Richtung Kittsee, von wo aus Virus und Bernhard einen eigenen Bus zum Match nach Zilina organisiert haben. Mit von der Partie im Bulldogs-Bus waren auf den billigen hinteren Plätzen Ewald, Andi, Jörg, Martin, Schnauzer und Lacki, am Beifahrersitz Hannes und meine Wenigkeit als Chauffeur hinter dem Lenkrad. Über den kleinen Grenzübergang in Kittsee ging es über Bratislava auf der Autobahn noch ca. 200km nach Zilina. Neben den beiden Spielen ´94 im Cup der Cupsieger und ´95 im UI-Cup gegen Branik Maribor war diese Fahrt die kürzeste Europacupreise der Austria seit einigen Jahren. (Noch kürzer war die Anreise vor einigen Jahren für Rapid in Pressburg gegen Inter Bratislava wo einige von uns ebenfalls anwesend waren)
Nach dem verspäteten Mittagessen gegen 14.00 Uhr auf einer
slowakischen Raststation ging es auf der Autobahn recht zügig in die
Nordslowakei. 30 km vor Zilina, in dem leicht hügeligen Gebiet, in dem die
Autobahn noch nicht fertig gebaut wurde, ging es ab Povanska Bistrita auf der
kurvigen Bundesstraße nur mehr langsam voran. Eine Lastwagen und Autokolonne
wälzte sich in beide Richtungen. Um 17.00 Uhr erreichten wir Zilina, mit ca.
85.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt der Slowakei. Da wir schon
1997 im UI-Cup gegen Zilina spielten, wo aber nur Bulldogs und Atzgersdorfer beim
Auswärtsmatch dabei waren (Einige werden Wudles Geburtstagsfeier, die im
örtlichen Polizeigefängnis endete auch ihr Leben lang nicht vergessen!), wusste
ich ungefähr die Lage des Stadions, dass ziemlich abseits hinter dem
Eisenbahngelände liegt. Nachdem wir schon vor acht Jahren eine Weile nach dem
Stadion gesucht hatten, erging es uns diesmal nicht viel besser. Nach zwei
sinnlosen Stadtrunden kamen wir an einer größeren Menge Polizisten vorbei. Nun
konnte es zum Stadion nicht mehr weit sein und als ich dann den Durchlass unter
der Eisenbahn sah, bekam ich meinen Orientierungssinn wieder. Gleich hinter der
Eishockey-Halle befindet sich das baufällige Stadion. Gegenüber dem letzten UI-Cup Match wurde es allerdings schon ein wenig modernisiert. Mittlerweile gibt
es neben den beiden „Haupttribünen“ auf der Längsseite auch hinter jedem Tor
eine neue Stahlgittertribüne. So ergibt sich ein Fassungsvermögen von etwa 6500
Zuschauern.
Genau vor dem Auswärtssektor wurde unser
Bulldogs-Transparent platziert. Andere Fanclubs mussten sich mit den seitlichen
Zäunen begnügen oder hatten gar keinen Platz mehr für ihre Transparente. Bereits
zu Spielbeginn stellte sich heraus, dass die nur provisorisch mit einem
Schrauben aufgeschraubten Plastiksessel in unserem Sektor nicht allzu lange
halten würden. Es war ein interessantes Match mit allem drum und dran. Zuerst
begann es mit Rauch aus unserem Teil des Auswärtssektors, danach war die andere
Seite dran. Kurz danach gab die Werbetafel im drüberen Teil des Sektors nach und
viel aufs Spielfeld. Plötzlich standen Wudle und Co ohne Absperrung vor den 10
Ordnern vor dem Spielfeld. Die slowakische Polizei reagierte sofort und etwa 20
Cops der berühmt-berüchtigten vermummten schwarzen Einheit, mit der vor einigen
Jahren schon Ferencvaros-Anhänger größere Probleme hatten, bezogen vor unserem
Sektor Stellung. Kurz danach wieder intensiver Rauch aus unserem Sektor und zwei
Ordner versuchten den vermeintlichen Übeltäter aus dem Verkehr zu ziehen. Mit
der massiven Gegenwehr im Sektor hatten Sie nicht gerechnet und so eskalierte
die Lage zum ersten Mal. Immer mehr Ordner und auch Polizisten schalteten sich
in das Handgemenge ein. Im Gerangel flogen Fäuste und erste Plastiksessel
Richtung Ordner und Polizei. Trotz aller Gegenwehr gelang es den Einsatzkräften
einen jungen tatverdächtigen Fan mitzunehmen und zu verhaften. Nachdem in der
Zwischenzeit Zilina auch noch der Führungstreffer zum 1:0 gelang, wurden nun
fast alle Plastiksessel heruntergetreten und vor den Zaun auf einen Haufen
geworfen.
In der Pause begannen zwei Ordner die heruntergetretenen
Sessel, die ja ein enormes Sicherheitsrisiko darstellten, über den Zaun zu
schmeißen. Wir schauten nicht lange zu und begannen zu „helfen“.
Mit viel Schwung
wurden sämtliche Sessel nicht nur über den Zaun sondern gezielt Richtung
Spielfeld und den davor stehenden Ordner und Polizisten geschleudert, dabei
waren auch bis zu drei Meter lange Holzbalken auf denen noch bis zu fünf Sessel
montiert waren. Damit hatten die beiden übereifrigen Ordner wohl nicht
gerechnet. Nun marschierten die Ordner und einige Polizeikräfte sogar in unserem
Sektor auf um endlich für Ruhe zu sorgen. Von den etwa 400 mitgereisten
Austria-Fans waren zur Halbzeit ca. 200 Fans vor dem Stadion, wo es Bier und
Würstel zu kaufen gab. Die beiden angrenzenden Straßen wurden von den Cops
rigoros abgesperrt, um jeden Feindkontakt zu vermeiden. Zur zweiten Halbzeit
konnte man wieder problemlos ins Stadion zurück.
Sportlich spielte unsere Mannschaft recht gefällig mit,
aber spätestens am 16er war sie mit ihrem Latein am Ende. Unser Trainerduo
brachte mit Linz und Sebo noch zwei weitere Offensivkräfte und als schon alle
mit einer Auswärtsniederlage rechneten, gelang bereits in der Nachspielzeit dem
slowakischen Torschützenkönig der letzten Saison Filip Sebo der nicht mehr
erwartete Ausgleichstreffer zum 1:1. Nun war im Auswärtssektor die Hölle los,
auf unserer Seite stürmten die Fans den Zaun, auf der anderen Seite, wo ja in
der ersten Halbzeit schon die Werbetafeln umgefallen sind, hatten die Cops alle
Hände voll zu tun, einen Platzsturm zu verhindern. Kaum war das Spiel wieder
angepfiffen, wir waren alle noch beim Ausgleichsjubel, gelang Roland Linz in der
94. Spielminute noch der Siegtreffer
zum 2:1. Nun war der Austria-Mob nicht mehr
zu halten und einige Fans schafften es im Torjubel bis zum Spielfeldrand, wurden
von der Polizei aber nicht gerade zimperlich mit Schlagstockgewalt zur Rückkehr
in den Sektor bewegt. Gleich darauf erfolgte der Schlusspfiff und die gesamte Austria-Mannschaft bedankte sich für den Auswärtssupport. Sasa Papac opferte als
einziger sein Trikot und warf es über den Zaun genau in die Arme von unserem Präsi. Unsere Erfolgreiche Mannschaft wurde noch einige Zeit lautstark von uns
Veilchen gefeiert.
Die Busse und auch die Privat-Pkw standen gleich vor dem Stadion, die umliegenden Straßen wurden von der slowakischen Polizei abgeriegelt. So blieb es nach dem Match alles in allem doch recht ruhig. Mit Polizeieskorte ging es danach für die Busse auf die Bundesstrasse, wir Privatfahrer schlossen sich der Kolonne an und gegen 02.00 Uhr erreichten wir über Kittsee wieder österreichisches Staatsgebiet. Vom „Virus“-Bus in Kittsee übernahmen wir für die Rückfahrt nach Wien noch Franz und den „alten“ Karl und kehrten leicht überladen nach Wien zurück.
Für das erste Europacupmatch der Saison war es doch eine recht lustige Angelegenheit. In der Nachspielzeit den Auswärtssieg fixiert, auf Fanseite gab es jede Menge Rauch, einige Tumulte mit der Polizei und dutzende herausgerissene Plastiksessel, die schlussendlich alle auf dem Spielfeld landeten. Hoffen wir, dass die nächsten Partien genauso erfolgreich und abwechslungsreich werden und wir an unsere Erfolge aus dem Vorjahr auch heuer wiederholen können.
Noch eine Anmerkung zu den Grünen: Wir brauchen keine Championsleague-Millionen, wir haben eh in Onkel Frank
Martin/B.D. 92
BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2005
Weitere Fotos aus Zilina findet ihr im Fotoarchiv