FC Parma - Austria Wien 0:0

13-15.04.2005 (Italien)
Trotz des mageren 1:1 im Heimspiel gegen Parma machten sich
24 Busse auf den Weg Richtung Bella Italia. Über 50 Veilchen waren mit
dem vom Bulldogs-Präsi Jörg organisierten Stockautobus der Fa. Blaguss unterwegs, den
ein alter Bekannter von uns, Hannes, steuerte. Abfahrt war um Mitternacht vom
Cafe Violet, über Schützen, wo noch etliche Austrianer zustiegen, ging es weiter
Richtung Süden. Obwohl die meisten Busse schon um 22.00 Uhr von Wien losgefahren
sind und wir extra um zwei Stunden später wegfuhren, um der lästigen
Polizeibegleitung zu entgehen, wartete auf dem ersten Parkplatz den wir
ansteuerten bereits ganz zufällig die Fanpolizei. Als Austrianer kann man nicht
einmal in Ruhe pinkeln ohne von den Bullen beobachtet zu werden.
Bevor wir Österreich verließen stieg der letzte Austria-Fan
in Arnoldstein in unseren Bus ein.
„Kugellager-Karl“ war erst am späten
Nachmittag mit dem Auto von der Messe in Hannover weggefahren und direkt nach
Kärnten gedüst, um den Bulldogs-Bus nicht zu versäumen. Im Gegensatz zum
Utrecht-Spiel, wo fast alle Fans die erste Nacht durchgemacht hatten, waren
diesmal sehr viele potenzielle Terroristen, so genannte Schläfer, an Bord.
Obwohl nur einige Fans die Nacht zum Tage gemacht haben, war die Stimmung
zumindest im unteren Stockwerk recht ausgelassen, aber oben hatten sich die
„Micky-Mäuse“ bequem zum Schlafen hingelegt. Ein ordentlicher Schlaf war für die
Leute oben am Stock nicht möglich, da dieser immer wieder mit lautstarken „Ihr
seid nur Micky-Mäuse“ Schlachtgesängen von unten gestört wurde.
Als bei Udine die ersten Sonnenstrahlen unseren Bus
erreichten gab es auf einem Rastplatz die erste größere Pause, w
o auch zwei
Busse der Fanatics einen Halt einlegten. So war der Parkplatz durch knapp 200
Austria-Fans fest in violetter Hand und so mancher Fernfahrer wurde durch die
lautstarken Austrianer recht unsanft aus seinem Schlaf gerissen. Nebenbei wurde
von der Sprayer-Fraktion der Asphalt und so manche ehemals weiße Wand
verunstaltet, obwohl der Capo von den Fanatics doch einige Überredungskunst von
den Bulldogs benötigte, um auch seinen Fanclubnamen auf den Mauern zu verewigen.
Gegen Mittag erreichten wir Parma und nach einigen Suchen
fanden wir auch das Stadion, wo wir aus dem Bus ausstiegen um uns auf den Weg
ins Stadtzentrum zu machen. Unser Busfahrer Hannes gönnte sich nun ein paar
Stunden Schlaf um für das Match und die Rückfahrt durch die zweite Nacht wieder
fit zu sein. In der City waren nur Austrianer zu
sehen. Neben vielen bekannten Gesichtern waren diesmal auch viele uns unbekannte
Austria-Fans unterwegs. Am Hauptplatz, in den Pubs und in den Schanigärten war
kein einziger Sitzplatz mehr frei, obwohl das 0,4 l Bier im Plastikbecherl
serviert stolze fünf Euro kostete. Auch im angrenzenden Park waren nur
Austria-Fans anzutreffen. Viele von Ihnen nützten den herrlichen Frühlingstag um
das Schlafdefizit der vorigen Nacht wettzumachen, die anderen wiederum
steigerten den Bierumsatz in der Milch- und Schinkenmetropole Parma.
Auch das kleine Meinungsverschiedenheiten unter den Austria-Fans, zwischen Alt und Jung, Rechts uns Links, Dick und Dünn, Klein und Groß, …… (Sind wir jetzt bei den Barbapapas?!?), immer gleich mit den Fäusten ausgetragen werden, ist nichts Neues und gehört auch schon beinahe zu jeder Auswärtsfahrt dazu. Das nicht 2.500 Fans einer Meinung sein können ist wohl klar, aber trotzdem haben alle von diesen Leuten einen gemeinsam, alle stehen hinter einer Mannschaft, nämlich unserer Austria.
Begleitet von einigen dutzend Carabinieri ging es gegen
18.00 Uhr vom Hauptplatz Richtung Stadion. Auf der Straße waren so gut wie keine
Parmafans zu sehen, kein Wunder bei diesem Austriamob, der lautstark durch die
Straßen zog. Der Auswärtssektor war schon eineinhalb Stunden vor Spielbeginn
recht voll, die Fanclubs hatten bereits ihre Transparente am Zaun befestigt, als
es in Stadionnähe zu einem verhängnisvollen Zwischenfall kam. Einige erlebnisorientierte Austria-Fans waren auf den Weg ums Stadion, als sie auf eine
Gruppe von etwa zehn gewaltbereiten Parmafans trafen. Doch es wurde nichts aus
einer vermeintlichen fairen Auseinandersetzung. Der Angriff der Austrianer wurde
von mit Ketten bewaffneten Parmafans, die aus einem nahem Lokal stürmten, je
unterbrochen. Die meisten Veilchen entschieden sich für den Rückzug, die
Entschlossenen in der Gruppe überstanden die unfaire Gangart der Itaka nicht
ohne Schrammen. Auch „Schnauzer“ von uns Bulldogs, der bis zum Schluss kämpfte,
machte Bekanntschaft mit den teilweise mit Helmen maskierten und
kettenschwingenden Tifosi, aber mit zwei kleineren Cuts am Kopf und einer doch
schweren Augenverletzung, die er sich nach der Rückkehr am Freitag noch in
Österreich im Krankenhaus behandeln lassen musste, kam er noch relativ
glimpflich davon. Zwei weitere junge Austrianer erwischte es noch weit schwerer,
sie mussten die Nacht in einem italienischen Krankenhaus verbringen, Schnauzer
und ein weiterer Austrianer durften das Spital nur auf Revers verlassen.

Die meisten der mitgereisten Veilchen dürften diese Aktion wohl nicht mitbekommen haben, waren doch alle mit dem Support für unsere Mannschaft beschäftigt. Zu Spielbeginn brannte die violette Fanszene im wahrsten Sinne des Wortes ein Feuerwerk ab, ein paar Bengalische und auch etwas Rauch steuerten auch wir Bulldogs bei, die wir relativ problemlos an den Ordern vorbeischmuggelten. Die „Boys Parma“ hatten zu Spielbeginn gar nichts zu bieten und konnten selbst für italienische Verhältnisse doch eine recht feurige Anfangschoreo von uns im überfüllten Auswärtssektor beobachten.
Unbedingt erwähnen möchte ich auch noch unser jüngstes aktives Fanclubmitglied, den 14-jährigen Manuel, der leider „krank“ wurde, und so die Schule nicht besuchen konnte. Für ihn war es aber nicht das erste Europacup-Auswärtsmatch, denn er war auch schon in Bilbao mit von der Partie. Diesmal fungierte er sogar als „Einpeitscher“ auf der Trommel und 2.500 Fans klatschten mit ihm im Takt.
Unsere Spieler hatten diesen Abend viel mehr Spielanteile
als die vom Abstieg bedrohten Jungs aus Parma, aber der Ball wollte trotz einigen guten Chancen einfach nicht ins Tor. Teilweise war es nicht nur Glück
für die Parma-Abwehr sondern schon Unvermögen einiger Austriaspieler, die
teilweise aus kurzer Distanz nicht auf das Tor trafen. Als wir auch kurz vor
Schluss die besten Chancen vergaben, mussten auch die größten Optimisten unter
den Austria-Fans einsehen, dass es mit der Moskaufahrt und dem Finale in
Lissabon wohl nichts mehr wird. Trotzdem wurden nach Schlusspfiff die Austriaspieler frenetisch bejubelt und auch den Spielern war klar, dass unsere
Austria in nächster Zeit nicht mehr so leicht die Chance auf ein
Europacup-Semifinale oder sogar Finale bekommt.
Vor dem Stadion wartete außer den Bussen auch noch eine
Hundertschaft von Polizisten, die den Weg in die Stadt blockierten und die
Fans
zum Einsteigen in ihre Autobusse auforderte. Da unser Busfahrer ebenfalls bis
zur 75. Minute im Stadion war, stand unser Bus als letzter in der langen
Kolonne. Vor dem Bus zündeten wir noch einige Bengalische, das wiederum einigen
Carabinieri nicht so gefiel und sie versuchten unsere Gruppe nach kurzer
Aufforderung mit Schlagstockgewalt in den Bus zu drängen. Daraus entwickelte
sich eine handfeste Keilerei, die Cops behielten die Oberhand und wir einige
blaue Flecken als Andenken an das letzte der sieben Europacup-Matches dieses
Spieljahres.
Viele Austrianer waren nicht bei allen sieben Auswärtsspielen dabei. In Mariopul, Warschau, Dneprpetrovsk, Utrecht, Bilbao, Saragossa und Parma waren meines Wissens nach nur Wudle, Martin und Gerhard („der Führer“) von den Atzgersdorfern, Virus, Andi und meine Wenigkeit von den Bulldogs, sowie einige Jungs rund um Fritzl vom Fanclub „80“. Für die nächsten internationalen Spiele würde sich unsere Mannschaft auch schon bei den Spielen in den ersten Runden über solch eine begeisterte Menge an Austria-Fans freuen, denn in Dneprpetrovsk haben wir gesehen, dass fünfzehn Austria-Fans von einer enttäuschenden Austriatruppe einfach übersehen worden sind.
Natürlich möchte ich hier auf keinem Fall auf den legendären „alten Karl“ vergessen, der eigentlich auch immer bei fast allen Matches dabei ist, aber vor einigen Wochen einen Schlaganfall erlitt. Mittlerweile ist er aber schon wieder auf dem Weg der Besserung und er wurde beim Heimspiel gegen Bregenz schon wieder im Stadion gesichtet.
Trotzdem noch gute Besserung, Karli!!!
Martin/B.D. 92
BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2005
Weitere Fotos aus Parma findet ihr im Fotoarchiv!