England - Österreich 1:0

7-9.10.2005 (Manchester)

Das Wochenende vom 7.10. – 9.10.05 war für das WM Qualifikationsspiel England – Österreich im Old Trafford Stadion in Manchester reserviert. Organisiert wurde die Reise sehr schlecht. Eigentlich waren es mehrere Reisen. Einige fuhren mit dem Zug von Wien nach Brünn, dann mit dem Flieger nach London um mit der Britischen Privatbahn die Endetappe nach Manchester auf sich zu nehmen. Auch gab es Mitglieder die auf das Spiel verzichten mussten, weil ihre Flüge teilweise verschoben wurden. Sie hätten am Freitag von Berlin nach Manchester und erst am Samstag von Wien nach Berlin fliegen sollen. Unser Karli konnte aus gesundheitlichen Gründen die Reise nicht auf sich nehmen. Als Ersatz fand ich einen Arbeitskollegen, doch der fragte erst drei Tage vor Abflug nach einem Urlaub. Aus Zeitlichen Gründen konnte er keinen mehr ergattern. Jetzt war mein Organisationsgeschick gefragt. Wer sollte sich drei Tage vor Spielbeginn für so eine Reise entscheiden, wenn er schon seit über einem Jahr von diesem Spiel bescheid wusste und nicht gebucht hatte. Meine erste Ersatzfrau, meine Ex Freundin musste ebenfalls aus  gesundheitlichen Gründen nein sagen. Irgendwie kam ich dann auf den Schiefen Martin von den Atzgersdorfer. Obwohl er grundsätzlich nicht mit dem Team mitfährt (seit ein gewisser Hans K. Nationaltrainer wurde) machte er diesmal eine Ausnahme.

Ich musste am Freitag (7.10.) noch meinen Nachtdienst zu  Ende bringen. Schiefa kam zu meinem Arbeitsplatz um 7 Uhr Morgens. 2 Stunden nachdem ich in Schwechat meinen letzten Flieger abfertigte, saßen Schiefa und ich mit 100 anderen Fußballfans im Flieger von Bratislava Richtung Großbritannien. Die Stimmung im Flugzeug war schrecklich. Gut und gern waren 80 Erfolgsfans mit dabei, die das Nationalteam mit einer Klubelf verwechselten. Martin und ich gaben uns als Touristen zu erkennen, und lobten immer wieder die Fans, die solch einen weiten Weg auf sich nahmen. Lange hat es nicht gedauert, bis sich die Ersten verarscht fühlten. Kurz vor dem Sinkflug auf Manchester mussten wir die erste Reihe räumen. Obwohl die kleine Dose Bier 3 € kostete, musste sich eine junge Dame übergeben. Das war der einzige Höhepunkt der Hinreise.

In England angekommen, machten wir uns noch am Flughafen über eine Zugverbindung nach Leeds schlau. Die 1½-Stündige Bahnfahrt hielten wir nur mit Rotwein aus Österreich und Cola von der Insel aus. Auch freute uns kurz der Anblick des Manchester City Stadiondachs. In Leeds wartete schon unsere Ingrid mit einer Freundin, der ich gleich den Namen Thea gab. Bis wir die Weiterfahrt zum Stadion an der Ellen Road antreten konnten, musste mal die richtige Busstation und überhaupt der richtige Bus gefunden werden. Nach einer kurzen Fahrt auf der falschen Straßenseite, erreichten wir den Ground, an dem das U 21 Spiel England – Österreich stattfand. Thea, Ingrid und der Schiefe Martin erkundeten mit einer Runde um das Stadion das Gelände. Ich besserte meine Englischkenntnisse auf, in dem ich mit der Schalverkäuferin beinahe eine Stunde über Fußball redete. Nach dem die 3 auch noch den Fanshop unter die Lupe genommen hatten, holten sie mich vom Schalstand ab, um im nächsten Fast Food Lokal einzukehren. Dort wurden unser Getränke mit mitgenommen Alkohol verdünnt. Mit der Zeit versammelten sich immer mehr Fans um die Heimstätte des LUFC. Auch machten die 4 Jungs aus Neusiedl, mit denen ich noch am Morgen in Wien am Airport redete, einen Halt vor unserem Lokal. Nochmals danke, dass ihr uns mit österreichischen Bier bei Laune gehalten habt. Ohne Leibesvisitation kamen wir ins Stadion. Bis zum Spielbeginn fühlte sich der Sektor mit gut 50 Fans. Für Österreich ganz normal. Aber die gesamte Zuschauerzahl von 28.000 Fans bei einem Nachwuchsspiel, wird in Österreich niemals erreicht werden. Unsere Stimmung war akzeptabel. Nur störte die Stadionordnung. Stehen war verboten. Aber meine letzte Rotweinflasche störte keinen Ordner. Erwartungsgemäß erzielte England das 1-0. Österreich wurde danach immer stärker. Chancen waren da. Der Ausgleich wurde geschossen. Mit diesem Ergebnis waren viele Österreicher zufrieden. Doch fiel auch noch das 2-1 für die Rot-weiß-roten Jünger. Das Ergebnis konnte bis Schlusspfiff gehalten werden. Der Erfolg war unglaublich.

Nach dem Martin und ich das Stadion verlassen hatten, begann unser Abenteuer „Wo werden wir schlafen?! Wir fragten Einheimische nach einer billigen Unterkunft. Auf deren Suche trafen wir Ingrid und Thea die an einer Bushaltestelle seit einer halben Stunde erfolglos auf einen Bus zum Bahnhof warteten. Martin und ich entschlossen uns doch nach Manchester zu fahren und dort eine Unterkunft zu suchen. Dort folgten wir unseren zwei Damen zu ihrem Hotel. Leider war kein Zimmer mehr frei. Auch stieg der Portier nicht auf unserem Vorschlag ein, dass wir am Boden schlafen wollten. Um wenigstens den Damen eine ruhige Nacht zu ermöglichen, trennten wir uns von ihnen. Mittlerweile war es nach Mitternacht und wir sehnten uns immer mehr nach einem Zimmer. Zu Fuß suchten wir ein Hotel. Ein Taxi brachte uns zu einem billigen Hotel. 45 Pfund (68 €) pro Person! Wir wollten unbedingt ein Zimmer, also waren wir auch bereit zu zahlen. Wir glaubten unsere Suche hatte ein Ende. Aber als man uns sagte, dass man nur mit Kreditkarte zahlen könne, ging das Abenteuer weiter. Im Park neben der Piccadilly Station erholten wir uns kurz und diskutierten um das weitere Vorgehen. Es gab keine andere Möglichkeit, als die Stadt weiter abzukämmen. Als wir so marschierten, fielen mir drei Personen, die uns entgegen kamen, besonders auf. 2 kannte ich nicht, aber mit dem Anführer von den Ultras Unione SBG Herrn S. (dessen Bruder in der Amateur Abteilung von Austria Wien kickt) verwickelte ich mich gleich in ein Gespräch. Er hatte dasselbe Problem wie wir. Seine Begleiter hatten ein Stübchen, nur war dort auch kein Platz mehr frei. Wir erzählten vom Hotel Britannia und der Bedingung mit der Kreditkarte. Glücklicherweise hatte Herr S. eine Visa. Somit war der lange Kampf um ein Hotelzimmer beendet. Zum Schlafen sind wir dennoch nicht so schnell gekommen. Von Herrn S. mussten wir uns noch seine Sorgen rund um einem bekannten NRJ-Drink anhören. Irgendwann siegte dann doch die Müdigkeit.

Die Zeit am Samstagvormittag mussten wir gezwungener Weise mit den Salzburg Fans verbringen, ehe um die Mittagszeit 8 Atzgersdorfer am Bahnhof von uns in Empfang genommen wurden. Als erstes wollten sie ein Hotelzimmer beziehen. Weil wir ein billigeres nicht auftreiben konnten, ging es zurück ins Britannia. Großen Dank an unseren Führer, der 10 Betten bezahlte, und dafür über 700 € von seiner Visa abbuchte. Die Flimmerkiste im Zimmer wurde gleich auf „on“ gestellt. Im Britischen TV verfolgten wir die erste Halbzeit vom Spiel Nordirland gegen Wales. Danach machten wir uns auf dem Weg nach Trafford. Der Bus war mit Englischen Supporters vollbesetzt. Obwohl ihr Gegner heute nicht Deutschland war, wurde das 2. Weltkrieglied „German Bombers in the air…“ immer wieder geträllert. Ab der Bushaltestelle beim Stadion trennten wir uns gezwungener Weise in Kleingruppen auf. Die vorhandene Menschenmasse ließ uns keinen andere Möglichkeit über. Schiefa und ich schauten uns noch das Gebiet vorm Stadion an. Kurz vor Spielbeginn mussten auch wir durch den schmalen Gang ins Stadion. Der Gästesektor war mittlerweile voll. Platz für Transparente gab es keinen mehr. Für unser Bulldogs Transparent schon. Ich nahm mir die Freiheit zwischen 2 Transparenten zu entscheiden. St. Blablabla grüßt das Team, oder das Tornados Transparent. Weil ich die Tradition beibehalten wollte, musste unser Fetzen neben den Atzgersdorfer hängen. Das setzte ich um und ein Teil der Tornados wurde überhängt. Lange dauerte es bis zur ersten Kritik nicht. Außer undeutlichen Handzeichen kam kein anderer Widerstand. Während das Spiel so hinplätscherte, wurden wir aufgefordert das Rauchen einzustellen und Platz zu nehmen. „Steht auf, für unser Österreich…“, ertönte aus unserem Sektor. Obwohl sich einige von uns setzten, und hunderte andere noch standen, hatte es die englische Polizei auf Wudle abgesehen. Der Ex-Fanbetreuer Herr T.W. vom Ministerium, dürfte den Befehl seines Rausschmisses gegeben haben. Denn „ Schlimmes“ hatte Wudle nicht getan. Aus solidarischen Gründen verließ auch ich den Sektor in der 20. Minute und nahm gegenüber der Kantine Platz. Den Rest der 1. Halbzeit sah ich also nicht. Pünktlich zu Beginn der Pause kam der Anführer der Tornados mit seinem Anliegen zu mir. Er forderte mich auf, unser Bulldogs Transparent zu entfernen. Mit Worten und den Kommentar „ Bulldogs und Atzgersdorf seien die einzigen Fanclubs mit Transparent, die bei jedem WM Qualifikationsspiel dabei waren, und hängen  deshalb nebeneinander“ erzwang ich weiters Vorgehen. Die Tornados nahmen ihren Fetzen ab und ermöglichten somit unserem Transparent ohne Hintergrund zu hängen. Nach den unnötigen Troubles entschloss ich mich doch noch das restliche Spiel zu verfolgen. Wie bekannt, bekam der Ehemann von Victoria B. die Rote Karte und Österreich verlor mit 1:0.

Vorm Verlassen des Stadions wurden noch fleißig Fotos geschossen. Bemerkenswert war das Foto mit den 2 Polizisten, welche meine Österreich Fahne hielten und ich dabei in der Mitte stand. Mit Sicherheit wurde das Bild von 10 Leuten gemacht, wobei ich 9 gar nicht kannte. Eine Runde ums Stadion genehmigte ich mir mit Schlumpf und seiner Begleitung. Dabei hätte Herr David B. die Ehre gehabt, sich von uns zu verabschieden. Aber weil wir schon gut 20 Meter von ihm entfernt waren, hatte er keine Möglichkeit und stieg in den englischen Mannschaftsbus. Vorm österreichischen Bus hissten wir die Bulldogs Fahne. Mit dem Austrianer Roland L. konnten wir Blickkontakt aufnehmen und wir verabschiedeten uns gleich. Doch er war so erschöpft und brachte nicht einmal die Hand in die Höhe. Enttäuschend. Mit der Metro ging es in die Stadt. Auf der Fahrt lernte ich eine neue Form von Ground Hopper kennen. Das Ehepaar (beide Mitte 40) fliegt jeden Monat in eine andere Stadt. Fast egal welche, Hauptsache der Flug ist billig. Und wenn sie dann in der Stadt sind, müssen sie ein Fußballspiel sehen. Egal welches. Das deutsche Fußballurlaubspaar brachte uns noch zu einem Diskont Laden. Dort kauften wir Rotwein aus Australien. In einem von unseren 4 Hotelzimmern versammelten wir uns zur Matchanalyse im TV.

Schlumpf sorgte am Abend noch für Aufregung. Er bat mich bei der Rezeption zu fragen ob die Dame in London bei der Billigfluglinie anrufen könnte um zu fragen, ob der Flieger nach Brünn eine habe Stunde später abheben könnte. Grund war seine Organisationsunfähigkeit. Sein Zug hätte mind. 15 Minuten früher in London ankommen müssen, um irgendwelche Chancen zu haben, den Flug doch noch zu erwischen. Wir brauchten Unterstützung. Die bekam ich aus Österreich von einem Ex-Schulkollegen. Erst suchte Peppi einen Flug noch London, dann fand er eine Zugverbindung mit 4 x Umsteigen in die Themse Stadt. Besten Dank an dieser Stelle, dass Josef noch nach Mitternacht bereit war, uns zu helfen. Als ich am Sonntag aufwachte, war Schlumpf mit seiner Begleitung schon auf den Weg nach London. Nach dem Frühstück in einem Fast Food Lokal stieß auch noch unser Führer hinzu, der schon seit frühmorgens auf seinen traditionellen Spaziergang durch die Stadt unterwegs war. Lange konnte die Stärke der Gruppe nicht beibehalten werden. 6 Atzgersdorfer mussten nun auch mit dem Zug nach London. Schiefa und ich fuhren zum Airport. Nach dem Einchecken gönnten wir uns noch ein Bier. Während des Biergenusses wurden wir per Lautsprecher 3 x persönlich aufgefordert zum Gate zu kommen. Als wir die Flugbegleiterin wild am Gang herum hüpfen sahen, betraten wir als Letzte die Maschine. Von Bratislava musste ich noch nach Wien fahren, um Martin zu Hause abzusetzen. Am Sonntag gegen 18 Uhr endete auch für mich die Reise.

Als Abschluss der WM Qualifikationstourberichte 2004/05 möchte ich mich im Namen der BULLDOGS AUSTRIA bei den beiden Austria Fanclubs „FCA 80“ und „Atzgersdorf“ bedanken, da die 2 Fanclubs neben uns die einzigen in Österreich waren, die bei allen WM Qualifikationsspielen dabei waren, obwohl wir nur Grün-weiße Trainer hatten.

Virus/B.D.92

BULLDOGS & ATZGERSDORF ON EUROPEAN TOUR 2005

Weitere Fotos aus  England  findet ihr im Fotoarchiv!

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