Aserbaidschan - Österreich 0:0

6-8.09.2005 (Baku)

Hot September II.

Wie schon seit über einem Jahr bekannt, stand ab 6.9.2005 die Reise zum WM Qualifikationsspiel Aserbaidschan – Österreich in Baku am östlichsten Rand Europas am Programm. Die Planung für dieses Spiel startete sicher schon vor einem halben Jahr. Urlaub bei unseren Arbeitgeber konnte noch einfach  gesichert werden. Weiters mussten wir uns um die Flugtickets kümmern. Mehrere Angebote wurden verglichen. Leider konnten wir die einzige direkte Verbindung von Wien nach Baku nicht in Anspruch nehmen. Sonst hätte unsere Reise noch einen Tag früher beginnen müssen. Andere Routen wurden gesucht. Über Deutschland, Prag und sogar Moskau. Letztendlich entschlossen wir uns über Istanbul zu fliegen. Wie es für solche Ostblockländer üblich ist, braucht man für die Einreise ein Visum. Bei deren Beschaffung standen wir ordentlich unter Zeitdruck. Die Botschaft hat nicht immer offen wenn wir dienstfrei haben. Zudem waren andere Auslandsspiele zu dieser Zeit auch ein Handicap. So konnten wir die Reisepässe nicht vor dem UEFA Cup Spiel in Zilina abgeben, mussten sie aber wieder vor dem WM Qualifikationsspiel in Chorcow haben.

Am Samstag wurde in Polen das Scheitern in der Qualifikation vollbracht. Was wir jedoch nicht beeinflussen konnten. Während die Polenfans feierten, machten wir uns für Dienstag den Treffpunkt aus. Zwei Stunden vor Abflug trafen sich  ein Fanclubloser, ein Atzgersdorfer, zwei 80ger und drei Bulldogs am Flughafen Schwechat. Erstaunlich wie so mancher von uns zum Airport kamen. Da zählte die S-Bahn noch zu den zivilisierten. Um den Parkhauskosten  zu entgehen wurde ein Auto auf einen Firmenparkplatz abgestellt. Ein Anderes wurde mit den Worten „Ich muss auf eine Frachtpalette aus Rumänien warten“. in der LKW Ladezone abgestellt. Die Zeit zwischen Einchecken und Abflug verbrachten wir mit ein paar Bier und der Frage auf welchen Kontinent überhaupt Aserbaidschan liege. Die Frage konnte nicht eindeutig beantwortet werden. Um 18.55 startete Flug TK 1886 von Wien nach Istanbul. Die Maschine war nicht vollbesetzt. So konnten wir uns an Board mehr bewegen und mancher nahm eine zweite gratis Mahlzeit ein. In Istanbul konnten wir uns gleich zum Gate nach Baku begeben, weil wir für diesen Flug schon in Wien eingecheckt hatten. Im überfüllten Flieger (eine Frau musste upgegradet werden) fühlten wir uns durch den Alkohol alleine der deutschen Sprache mächtig.  Nach einigen Aussagen wurde eine Stewardess auf uns aufmerksam und brachte uns mit norddeutschen Dialekt auf den Boden der Realität zurück. Prompt wurde unsere Meinungsfreiheit untersagt. Mit Schlaf konnte wir die Zeit nicht totschlagen. Mehr dienten die Kopfhörer. Doch das Radioprogramm war hauptsächlich orientalisch. Ein Kanal war mit Klassik belegt. Das Einzige was man sich anhören konnte! Mit den Klängen von Beethoven erreichten wir um 1 Uhr morgens (MEZ) Baku. Schock kam auf als man beim Verlassen des Fliegers eine religiöse vermummte Gestalt sah. Wie kannten so etwas nur von den CNN Kriegsnachrichten.

Flugbewegungen waren auf diesen Flughafen rar. Aber die lange Wartezeit  bei der Passkontrolle lies einige von uns ungeduldig werden. Abgestempelt betraten wir offiziell Aserbaidschan. Diesen Etappensieg feierten zwei von uns mit einer Zigarette im Nichtrauchergebiet in der Ankunftshalle. Nach nicht einmal drei Zügen waren die ersten Polizisten um uns besorgt. Die Reisepässe wurden abermals abgenommen. Ein paar Minuten später kam ein Vorgesetzter dazu, der den Fall übernahm. Um der Rudelbildung um uns zu entgehen, mussten die beiden Raucher ins nächste Lokal mitkommen.  Dort durften sie Platz nehmen und noch eine rauchen. Der Polizist zuckte ein paar Zetteln raus. Wir konnten nur die Höhe der Strafe erkennen. Doch den Delikt konnten wir nicht lesen. Uns blieb nur Strafe zahlen über. Es gab zwei Möglichkeiten. Die erste war mit Quittung um 38 bis 42 USD, die letztere um 25 USD ohne Beleg. Wir stiegen auf das „billigere“ Angebot des Korrupten ein und suchten gleich ein Taxi vor dem Terminal. Binnen Sekunden umzingelten uns sicher 20 Taxifahrer und witterten mit uns das große Geld. Satte 40 USD wollten die ersten für die Fahrt in die Stadt haben. Der sonst so Sparsame Wudle wäre auf das Angebot eingestiegen, hätte ihn Martin nicht zurück gehalten. Martin wollte nur 10 USD zahlen. Geschlossen gingen wir vom Taxistand weg und hörten dann nur noch Worte die dem englischen „twenty“ halbwegs ähnlich waren. Als Antwort gaben wir unseren Verfolgern „ten“ zurück. 2 Taxilenker fanden sich bereit um diesen Preis zu fahren. In einem deutschen Auto ging es weiter. Die Fahrkiste war außen und innen ganz in Ordnung. Aber als wir die Schussähnlichen Abdrücke auf der Windschutzscheibe sahen, mussten wir tief durchatmen. Was würde uns in diesen Land noch alles erwarten? Positiv überrascht waren wir über die Straßenverhältnisse. Die waren nicht viel schlechter als z.B. in der Slowakei. Je näher wir der Stadt kamen, desto kürzer wurden die Abstände zwischen den Polizisten am Straßenrand. Alte, verfallene Gebäude sowie noch lange nicht fertige Hochhäuser prägten hauptsächlich das Stadtbild.

Nach einer 1/4 Stunde Autofahrt erreichten wir das Hotel mit den vielversprechenden Namen „Azerbaidschan“. Vom Taxi aus, sah alles noch westlich aus. Das änderte sich beim Betreten des Hotels. Über 15 Stockwerke hoch, wobei 5 Ebenen wegen Unbewohnbarkeit geschlossen waren. Bis wir die Rezeption erreichten, wurden wir von 5 Polizisten kontrolliert. Martin und Wudle sorgten für die Zimmerschlüsseln. Die Anderen genossen holländisches Bier der drittel Liter Klasse um 1 USD an der Hotelbar. Wie modern das Hotel überhaupt war, bemerkten wir als wir nur Aufzüge sahen. Treppen gab es keine. Wie die Evakuierung bei einen Brandfall vor sich gehen würde, wissen nur die Bauingenieure. Mit den Lift ging es in den 15. Stock. Dort wartete eine Dame mittleren Alters mit gut und gerne 100 kg auf 160 cm auf uns. Ihr schwarzes Kleid lies ihre Weiblichkeit zum Vorschein kommen. Wir bekamen 4 Doppelbett Zimmer. Einer hätte alleine schlafen müssen. Der aber nicht blöd und lud sich die Aufpasserin gleich ins Ehebett. So ohne weiteres stieg sie nicht ein. 50 USD wollte sie haben. Aber für wen und für wie lange sagte sie nicht. Nicht nur der Preis sondern auch die Hygiene waren die Gründe der Absage. Uns redete der Sexbold ein, er wolle wissen wie weit er gehen könne. Naja, wer’s glaubt. Die Zimmern wurden Fanclubmäßig aufgeteilt. Martin durfte am Boden des Bulldogs Zimmer schlafen. Zwischen blutähnlichen Flecken und Kotzeabdrücke fand er noch am Teppich Platz. Noch vorm Schlafen erkundeten wir unsere Etage. Die Zimmer verfügten über TV, Kühlschränke (in dem verfaulte Weintrauben zur Begrüßung hinterlegt wurden), einen Schrank (in dem mehrere halbvolle Mineralwasserflaschen waren) und Bad mit WC. Irgendwann musste eben dieses WC benützt werden. Leider war im Spülkasten kein Wasser. Zuerst half uns der Brauseschlauch der museumsreifen Badewanne. Ein wenig Wasser kam raus. Der niedrige Druck lies immer stärker nach. Um Gestank zu vermeiden, leerten wir die gefundenen Mineralwasserflaschen in die Toilette. Nach 3 Stunden Schlaf wollten wir aufstehen. Als wir zur Aserbaidschanischen Mittagszeit aufwachten, mussten wir mit den neuen Umständen zurecht kommen. Beim 80ger Zimmer stand die Tür offen und es war kein Mensch da. Obwohl wir uns sicher waren die Zimmer könnten nicht mehr versaut werden, glaubten wir die Folgen eines Erdbebens zu sehen. Weiter ging es zum Atzergsdorfer Zimmer. Diese Tür war verschlossen. Auf Klopfzeichen reagierte niemand. Von der Etagenchefin bekam wir unsere Reisepässe und den von Wudle. Die Anderen wurden schon zurückgegeben weil unsere Genossen in der Stadt auf Erkundung unterwegs waren. Die gleiche Idee hatten auch wir. Also raus aus der Bruchbude die sich nicht einmal einen halben Stern verdient hatte und ins nächste Postamt. Dort wollten wir einfach Ansichtskarten schreiben. Das war schwieriger als erwartet. Minuten vergingen bis der Postbeamte verstand, was wir wollten. Danach starteten wir beim ölverseuchten Hafen den Stadtrundgang. Heil froh waren wir als wir importiertes Bier aus Österreich in einem Laden kaufen konnten. Viele Märkte wurden von uns abgeklappert. Wir wollten Stoffe für Transparente kaufen. Aber beim Preis von knapp 2 Euro pro Laufmeter fingen wir nicht einmal zum Verhandeln an. Der sonnige Tag zwang uns für den Kauf von Sonnenbrillen. Mit 5.000 Manat (~ 0,90 Euro) angeschrieben. Aber nur angeschrieben. Wir durften den doppelten Preis zahlen. Unser Stadtbummel neigte sich dem Ende zu.

Um den einfachsten Weg zum Hotel der Nationalelf zu finden, nahmen wir ein Taxi. Wie immer wurde verhandelt. So wollte der erste Taxilenker 10 USD haben, wir aber nur 3 zahlen. Erst der vierte Fahrer nahm uns zu diesem Preis mit. Beim feinen Hotel trafen wir unsere Mitreisenden. In der Lounge tranken wir zu Westpreisen Wodka mit Lemon. Nach und nach kamen einige Spieler vorbei. Dospel sprach auch mit uns. Er erkundigte sich über unser Wohlbefinden und über die lange Autofahrt. Total enttäuscht war er als er hörte, dass wir geflogen waren. Auch der grüne immer noch Teamchef gesellte sich zu uns dazu. Die Bulldogs Austria T-Shirts dürften ihn nicht gestört haben. Sein verletzter Finger fiel uns gleich auf. Natürlich wollten wir wissen wie das geschah. „Beim Training“, war seine Antwort. Ich wollte wissen ob er etwa an einen Comeback arbeitete. Er sprach: „Oh Gott, nein! Ich wünsche euch noch einen schönen Nachmittag!“ Postwendend bekam er meine Meinung zu hören : „ Hanse, da bist hauptsächlich du dafür verantwortlich!“ Wir 3 Bulldogs wollten noch in der nähe Essen gehen. Nicht weit vom Hotel war eine Pizzeria. Obwohl wir extrem schlechte Erfahrungen mit Ostblock-Pizzerien hatten, traten wir ein. Wir traten ein und trauten unseren Ohren nicht. Deutsche Rock Musik von Rammstein klang aus den Radio. So konnten wir unsere Pizza genießen. Nach der Mahlzeit gingen wir zum Spielerhotel zurück. Verständlicherweise konnten wir nicht mit den Mannschaftsbus (der extra aus Georgien angemietet wurde!) mitfahren. Aber enttäuscht waren wir weil wir nicht mit den Journalistenbus mit durften. Beim dritten Bus in der die U-21 untergebracht war, versuchten wir unser Glück gleich gar nicht. Ich ging als letzter beim Nachwuchskickerbus vorbei und konnte ein Gespräch zweier Spieler hören. „Wahnsinn. Die sind immer dabei!“ Kam dabei vor. Nach den gewohnten Verhandlungen mit den Taxi fuhren wir in das Republica Stadion zu Baku. Dort war jeder zweite in Blau gekleidet. Nicht weil das die Trikots der Aserbaidschaner waren, sondern weil so viele Polizisten anwesend waren. Nach mehreren Kontrollen gelangen wir in das Stadion. 5 mal kontrolliert und 5 mal wurde die Spraydose in meinem Rucksack übergriffen. Leibesvisitationen gab es keine. Nur die Getränkeflaschen wurde uns abgenommen.

Wir brachten unsere Transparente im Sektor an. Platz hatten wir genug. Denn anwesend waren keine andere Fanclubs. Bis zum Spielbeginn kamen sicher 50 Österreicher in den Fansektor. Zu den 50 Leuten habe ich auch die U-21, die Crew der AUA (die waren mit Fahnen unterwegs, und stimmten manchmal auch Lieder an) und noch einige fanclublose Österreicher. Zu Spielbeginn war der Sektor zu 90 % besetzt. Die einheimischen Fans wurde mit uns zusammen untergebracht. Im 40.000 Zuseher fassenden Stadion war bei der Rekordkulisse von 3.500 verständlicherweise kein eigener Sektor frei. Kantine oder so etwas ähnliches gab es nicht. Das Spiel mussten wir mit eigener Verpflegung (Import-Schweinefleisch aus Österreich) ansehen. So besonders war das Spiel bekanntlich nicht. Wir sprangen über einen Zaun drüber und kamen so in den VIP Sektor. Dort konnten wir gratis essen und trinken. Während unserer Mahlzeit lernten wir einen 21-Jährigen Deutschen Ground Hopper kennen. Er ist seit einem Monat unterwegs. Seine Reise begann in Leningrad über Moskau nach Baku. Der sah im ganzen Kaukasus Spiele. Auch wenn es ein Spiel der vierten Liga war. Seine Reise wird am Wochenende in der Türkei bei einem Heimspiel von Ankara enden. Seit einen halb Jahren vollzieht er dieses Hobby. Dabei sah er in stolzen 47 Ländern Fußballspiele. Stimmung kam während dem Spiel nicht oft auf. Die Choreografie fiel diesmal tief ins Wasser. Der sonst immer für die Choreografien verantwortliche Fanclub „Patriots“ schaffte die Reise nach Baku nicht. So stimmten mal die AUA Stewardessen an, und ein andres mal sorgte ein Spieler der U-21 für Aufsehen. Er war total wütend weil er von einem fliegenden Sessel getroffen wurde. Der Übeltäter wurde gleich entfernt. Wudle zeigte sich als eingefleischter Österreich Fan als er mit Hilfe von seinem Wodkapegel den immer noch Teamchef Hanse K. anfeuerte. Wir distanzierten uns von solchen Schreien. Nach den Spiel fuhren wir gleich zum Flughafen. Am Flughafen kamen vereinzelt Spieler vorbei. Roland L. war von seinen Zusammenprall so schwer gezeichnet, dass er seine Tasche keine 20 Meter tragen konnte, und ein Wagerl nehmen musste. Auch Markus K. und Ernst D. verabschiedeten sich mit Handschlag bei uns. Einer der letzten Spieler, die sich zum Boarding begaben, war der Admira Torhüter Thomas M. . Weil wir noch 6 Stunden auf unserem Flug nach Istanbul warten mussten, hatte er Mitleid mit uns, und schenkte uns einige Lunchpakete. Die Bananen gaben wir ihm wieder zurück. Die Anwesende Polizei am Flughafen wollte uns mit der Mannschaft heimschicken. Sie verstanden es nicht, dass wir über die Türkei heim mussten. Probleme gab es noch mit der Stationsleiterin einer Mitteleuropäischen Fluglinie. Sie unterstützte den Kaviar Schmuggel einiger VIP Fans. Satte 45 Euro kostete eine 250 Gramm Dose. Aber den österreichischen Staat prellten sie mit dem nichtbezahlen der Zollgebühren. Für dieses Geld nahmen wir immerhin drei Stangen Zigaretten mit. Die letzten Stunden vergingen im Halbschlaf. Den Flug bekamen wir glücklicherweise nicht mehr mit. Um 9 Uhr morgens erreichten wir die Heimat. Ein Auto musste von der Ladezone geholt werden. Die Palette aus Rumänien war noch immer nicht da. Andere mussten noch einige Kilometer zum Gratisparkplatz gehen. Noch am selben Tag musste Andi mit y die Fähre für das Stavanger Spiel buchen. Die Folgen dieses Ausfluges machten sich bei einigen von uns Tage später noch bemerkbar. Es gab jemanden der beim Discotaxi um den Preis (erfolglos) handelte.

Wo wir sind ist Fußball

Virus/B.D.92

BULLDOGS ON EUROPEAN TOUR 2005

Weitere Fotos aus Aserbaidschan findet ihr im Fotoarchiv!

zurück zur Berichtübersicht